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Serie: Mein Eigenheim (Folge 6)
Dreiste Makler
Serie: Mein Eigenheim (Folge 6): Dreiste Makler
RP-Online-Autorin Kerstin Helmerdig ist auf der Suche nach ihrer Traum-Immobilie. FOTO: Anja Streichan
Düsseldorf. Die nächste Wohnung ist gefunden, der Makler meldet sich mit den Worten: "Eigentlich ist die Wohnung schon reserviert, aber der Interessent liegt mit seinem Angebot 7000 Euro unter dem, was der Eigentümer haben möchte." Ich verabrede am kommenden Tag einen Besichtigungstermin.

Der Makler begrüßt mich unwirsch. Er hätte schon gedacht, ich würde nicht mehr kommen. Ich stehe zwei Minuten nach dem verabredeten Termin vor der Wohnung. Interessante Begrüßung. Etwas schmierig wirkt der Mann, gehört jedenfalls zu denjenigen, die nicht die normalen Wohnungen, sondern die gehobene Ausstattung vermarktet. Genau das eröffnet sich auch, als er die Tür zu der Dachgeschosswohnung in einem gediegenen Stadtteil Essens öffnet (nicht Bredeney, sondern Haarzopf).

Die Wohnung an sich ist wirklich schick. Großes Wohn-Esszimmer, mediterran eingerichtete Küche mit einer Essecke. Das Gäste-WC ist geräumiger als mein jetziges Badezimmer. Insgesamt macht der untere Teil dieser Maisonett-Wohnung einen guten Eindruck. Es gibt sogar eine kleine Bar – allerdings feiere ich nicht so viele Partys, als dass es sich lohnen würde, eine Bar zu besitzen. Ich kann mir hier ein erfolgreiches Yuppie-Pärchen gut vorstellen, bei Dinnerpartys und Cocktailnächten. Ob mein Mann und ich hier reinpassen, darüber muss ich nachdenken.

Getan wird - was der Makler sagt

Es heißt, dass eine Familie mit zwei Kindern hier gewohnt hätte. Jetzt wäre das dritte Kind unterwegs und die Wohnung sei zu klein. Interessante Aussage bei einer Wohnfläche von insgesamt 150 Quadratmetern und einem Wohnzimmer von etwa 50 Quadratmetern. Ich steige die Treppe hinauf ins Obergeschoss. Zuerst wenden wir uns dem Schlafzimmer zu. Es ist ebenfalls riesig. Mit Einbauschränken und einer Klimaanlage. Das Badezimmer gefällt mir auch sehr gut. Nur das Arbeits-/Kinderzimmer geht gar nicht: Es ist wie eine große Abstellkammer gebaut, verwinkelt mit Schrägen und dem Durchlauferhitzer in der Ecke. Mich wundert, dass die Familie nicht schon früher ausgezogen ist. Aber für zwei Erwachsene wäre das eine schöne Wohnung.

Dem Makler sage ich, dass ich mit meinem Mann noch sprechen will und ihm am kommenden Tag eine Antwort zukommen lasse. Er reagiert sofort: Da er bereits ein Angebot habe, möchte er gerne noch heute eine Entscheidung treffen. Top oder Flop. Damit hätte ich nicht gerechnet. Erwartet er, dass ich ad hoc eine Entscheidung über unsere Zukunft treffe? Glaubt er, dass wir das Geld einfach so in der Ecke liegen haben? Oder will er nur den Preis in die Höhe treiben? Ich tippe auf letzteres, zumal er mir klar macht, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir mehr als der erste Interessent böten. Und was dann?

Er hatte gesagt, dass eine koreanische Familie das erste Angebot abgegeben hätte. Und die war hellauf begeistert. Vielleicht bieten die dann wieder mehr – und so schraubt sich der Preis nach oben. Darauf habe ich keine Lust.Insgesamt finde ich sowieso, dass es ein Unding ist, eine reservierte Wohnung weiter zu vermarkten. Allein deswegen sage ich ihm freundlich, dass die Wohnung in diesem Fall nichts für uns ist. Er bleibt zwar professionell-freundlich, aber ich merke, dass er sich ärgert, so früh aufgestanden zu sein.

Quelle: anch
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