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Privatanleger
Studie: Sparer scheuen das Risiko

Studie: Sparer scheuen das Risiko
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Düsseldorf. Für die bei Privatanlegern beliebten sicheren Anlagestrategien gibt es kaum noch Zinsen. Die Sparer setzen aber weiterhin eher auf Sicherheit als auf Rendite. Von Katrin Haas

Den deutschen Sparern ist die Rendite weniger wichtig als die Sicherheit. Und das, obwohl sie aufgrund der niedrigen Zinsen deutlich mehr Risiko eingehen müssten, um ihr Vermögen zu mehren. Das geht aus dem Vermögensbarometer 2015 des Sparkassenverbands DSGV hervor. Bundesweit hat das Marktforschungsunternehmen Icon für den Sparkassenverband 1900 Privatpersonen befragt. Als wichtigste Kriterien für den Vermögensaufbau zählen für die Mehrheit der Befragten Sicherheit, Flexibilität und Verfügbarkeit. Die Rendite folgt erst auf dem vierten Platz. Und bei über der Hälfte gilt nach wie vor das Eigenheim als beste Anlage. Immobilienfonds und die Rürup-Rente sind dagegen verpönt.

Allerdings machen sich 41 Prozent der Befragten Sorgen wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase. Besonders Menschen mit einem mittleren Einkommen von 1500 bis 2500 Euro netto im Monat empfinden diese als Belastung. So kritisch fast die Hälfte der Befragten die aktuelle Geldpolitik beurteilt, so groß ist das Vertrauen in die Einlagensicherung. Nur 15 Prozent glauben, ihre Spareinlagen seien nicht sicher.

Die Deutschen sind sich ihres Wohlstandes bewusst: Mehr als die Hälfte der Befragten ist zufrieden mit der eigenen finanziellen Situation. Das sind 13 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Die Zahl der Unzufriedenen hat sich gleichzeitig von 18 auf neun Prozent halbiert. Am optimistischsten sind die 14- bis 29-Jährigen: Von ihnen glauben 40 Prozent an eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Den Teilnehmern der Umfrage ist ebenfalls bewusst, dass Sparbuch, Tagesgeldkonto und Festgeld gerade im Moment besonders niedrige Zinserträge abwerfen. Daher sollten auch die Sparer, denen Sicherheit am wichtigsten ist, ihre Anlagestrategie überprüfen. Tages- und Festgeld sind solche sicheren, aber unrentablen Anlageformen. Wann lohnt sich es also noch, sein Geld auf dem Festgeldkonto zu deponieren?

"Es bleibt kaum eine Alternative", sagt Roland Aulitzky, Redakteur des Verbrauchermagazins "Finanztest" der Stiftung Warentest. Er empfiehlt für Geld, dass langfristig angelegt werden soll, auch weiterhin eine sichere Anlagestrategie. Georg Tryba, Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gibt den Rat, immer zwei bis drei Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto als Notgroschen zu deponieren.

Im Gegensatz zum Tagesgeld legt der Kunde sein Geld beim Fest- oder Termingeld für längere Zeit fest an und kann in dieser Zeit nicht mehr darüber verfügen. Dafür bekommt der Kunde höhere Zinsen als beim Tagesgeld. Bei einigen Banken erhalten Sparer noch bis zu zwei Prozent Zinsen, sagt Aulitzky. Beim Internetvergleichsportal Biallo schneidet die französische Großbank Crédit Agricole mit 1,6 Prozent bei einer Anlage von 10.000 Euro über zwölf Monate am besten ab. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf gibt es bei gleicher Laufzeit und Anlage dagegen nur 0,01 Prozent Zinsen, bei der Commerzbank Leverkusen 0,15 Prozent. Bei der Wahl eines Festgeldkontos gibt es dazu einiges zu beachten: Die Institute sollten 100.000 Euro Einlagensicherung garantieren. "Das halten wir auch für ausreichend", sagt Aulitzky. Bei Banken in Europa sollten nur diejenigen in Betracht gezogen werden, deren Einlagensicherung sich in Krisen bewährt hat. Die Stiftung Warentest hat in ihrer Datenbank diejenigen Banken ausgeschlossen, bei denen eventuell der Rechtsanspruch der Einlagensicherung nicht durchgesetzt werden kann.

Idealerweise werden bei Festgeldkonten die Zinsen jedes Jahr gutgeschrieben und anschließend wieder mitverzinst. Der Vorteil des Zinseszinses ist allerdings in der Niedrigzinsphase marginal. Anleger sollten aber darauf achten, dass die Anbieter keine Nebenkosten für Porto oder die Eröffnung des Kontos verlangen. Die Experten empfehlen eine Laufzeit von maximal einem bis drei Jahren, damit der Anleger ausreichend von Zinserhöhung profitiert.

Quelle: RP
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