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Prächtige Blüten
Amaryllis - Kelche für die Fensterbank

Bonn (rpo). Amaryllis - allein der Name klingt schon elegant, stolz. Und gerade deswegen passt er auch gut zu der Blume, die mit ihren prächtigen Blüten sowohl als Topfpflanze wie als Schnittblume im Winter und Frühjahr erfreut. Gleichsam banal klingt dagegen der botanisch korrekte Name: Hippeastrum.

Ein Botaniker aus England hatte vor rund 150 Jahren die Familie der Amaryllisgewächse untersucht, neu geordnet und benannt: Amaryllis heißt seither eigentlich nur die aus Südafrika stammende rosafarbene Belladonna-Lilie (Amaryllis belladonna). Die in Südamerika heimische und heute beliebte Verteterin wurde zu Hippeastrum. Zwar nutzen die Gärtner den korrekten Namen, doch die "Laien" gewöhnten sich nicht daran. Selbst die Übersetzung in Ritterstern hatte wenig Erfolg. Hippeastrum heißt weiter Amaryllis - und dabei bleibt es.

Die blattlosen Amarylliszwiebeln können getopft oder nackt zum selbst in die Erde setzen gekauft werden. Der Topf gehört an einen hellen Platz im warmen Zimmer und sollte erst mäßig, mit wachsendem Stängel stärker gegossen werden. Innerhalb von drei bis sechs Wochen schiebt sich ein dicker Blütenstängel empor - 40 bis 60 Zentimeter hoch. Die ovale Spitze entfaltet sich, Knospen werden sichtbar - und dann brechen die kelchförmigen Blüten auf.

Amaryllis-Liebhaber pflanzen die Zwiebeln im Abstand von zwei bis drei Wochen, um das Schauspiel von Dezember bis Mai immer wieder neu zu erleben. Wer eines der Gewächse als Schnittblume kauft, muss auf den ersten Teil der Vorstellung - das Entstehen der Knospen - verzichten. Das gilt zumindest dann, wenn die Amaryllis bereits knospig in die Vase wandert.

Je nach Sorte erstrahlen die Blüten in unterschiedlichen Farben: 'Red Lion' schimmert glühend rot, schneeweiß ist der sechsblättrige Kelch von 'Parrotii'. Auch Farbübergänge gibt es: Weiße Adern auf kräftigem Rot hat 'Minerva'. Das Weiß von 'Apple Blossom' ist überzogen mit einer kräftig rosafarbenen Aderung in der oberen Hälfte und mit einem Hauch Rosa in der unteren Partie. Rüschen entfalten sich bei gefüllten Sorten wie 'White Nymph' und 'Aphrodite' mit feiner, rosafarbener Zeichnung auf weißem Grund.

Schmal und eigenwillig

Fast rund wirken die meisten Blüten mit den breiten, übereinander greifenden Blütenblättern. Viele haben Durchmesser von 20 Zentimetern und mehr. Doch auch kleinblumige Sorten sind zu finden, von Experten als Mineastrum bezeichnet: 'Pink Star' oder 'Fairy Tale' wirken wie perfekte Verkleinerungen der Großen. 'Papilio' tanzt aus der Reihe - mit drei rot-weiß gestreiften, rundlichen Blütenblättern oben und drei schlankeren - weiß mit feiner roter Zeichnung - unten.

Was sich bei 'Papilio' andeutet, zeigen die Cybister-Typen in Perfektion: Schmal und eigenwillig spreizen sich die Blütenblätter. Bei 'Cyber Queen' ist die bizarre Form in zartes Rosa getaucht. Andere wie 'Lima' oder 'Sumatra' haben glühende Purpurtöne auf der oberen Hälfte, während sich die untere durch Grün- oder Weißzeichnung davon abhebt.

Seit mehr als 200 Jahren bemühen sich Gärtner, immer schönere Amaryllis-Exemplare zu züchten und kreuzen dafür die verschiedensten Arten. Hippeastrum vittatum aus den peruanischen Anden spielte dabei zunächst eine wichtige Rolle, Hippeastrum reginae, die von Mexiko bis Brasilien zuhause ist, und die bolivianische Hippeastrum leopoldii. Immer neue Farben und Formen entstanden - ein Katalog aus dem 19. Jahrhundert nennt bereits 350 Sorten.

Zwei Blüten pro Stängel

Am Ziel der Wünsche war man trotzdem noch nicht. Vor allem sollte die Blütenzahl wachsen. Wilde Amaryllis tragen nur zwei Blüten pro Stängel - vier oder mehr sollten es werden. Eine Kreuzung der 'Empress of India' mit Hippeastrum leopoldii brachte den Erfolg. Heute haben alle Kultur-Amaryllis mindestens vier dicke Knospen auf einem Stängel, Sorten wie 'Double Six' sogar sechs. Und neben dem Blütenstängel schiebt sich meist wenig später noch ein zweiter empor.

Danach aber ist die Blütezeit der Amaryllis erst einmal vorbei. Breite, riemenartige Blätter sprießen, und die dicke Zwiebel sammelt - regelmäßig gedüngt - Kraft für das nächste Jahr. Der Stängel darf dabei mithelfen: Von den Fruchtansätzen befreit, wandelt auch er Sonnenenergie in Stärke um, bis er gelb wird und eintrocknet. Wer Platz hat, stellt den Topf jetzt in den Garten.

Wichtig ist dabei ein vor Schnecken geschützter Platz: Die Blätter der Amaryllis zählen zu den Lieblingsspeisen der Weichtiere. Gegen Ende des Sommers werden die Wassergaben reduziert - in der südamerikanischen Heimat des Gewächses herrscht nun Trockenzeit. Die Blätter werden gelb und ziehen ein. Erst nach drei Monaten Ruhepause bekommt sie wieder Wasser, damit sie sich auf die kommende Blüte vorbereiten kann.

(gms)
 
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