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Finanzen
So können Steuerzahler zum Jahresende noch Geld sparen

Hintergrund: Steuertrick und Steuerbetrug
Hintergrund: Steuertrick und Steuerbetrug FOTO: dpa, fz
Berlin. Steuerzahlern bleiben noch knapp zwei Monate bis zum Jahresende, um die Steuerlast zu mindern. Mit einigen einfachen Tricks lässt sich viel Geld sparen.

Gefühlt ist die letzte Steuererklärung gerade erst fertig, da ist schon die nächste in Sicht. Kurz vor Jahresende können Steuerzahler noch etwas für ihre Finanzen tun. Wir haben Tipps zusammengestellt:

Steuerklasse ändern

Eheleute und eingetragene Lebenspartner können noch bis Ende November für dieses Jahr ihre Steuerklassen überprüfen lassen. "Ob es sich lohnt, die Steuerklassen zu wechseln, hängt von den Einkommensverhältnissen ab", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Verdiene einer der Partner mindestens 60 Prozent des Gesamteinkommens, dann lohne es sich, wenn dieser in die Steuerklasse III eingestuft werde. Der geringverdienende Partner komme dann in die Steuerklasse V. Zwar müsse dann mehr Lohnsteuer abgeführt werden als nötig. Doch die bekomme er durch die Einkommensteuerveranlagung wieder zurück.

"Ein Wechsel kommt auch für diejenigen infrage, die im Dezember eine große Sonderzahlung erhalten und davon sofort profitieren wollen", sagt Christian Böke, Vizepräsident des Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt. Der Partner, der den Bonus erhalte, lasse sich in Steuerklasse III einstufen und spüre die Entlastung schon im Dezember und nicht erst nach der nächsten Steuererklärung.

"Wenn die Frau am Anfang einer Schwangerschaft steht, lohnt es sich möglicherweise, dass man andersherum denkt, also die Frau - wenn sie weniger verdient - die günstigere Steuerklasse III wählt", sagt Wawro. Denn das Elterngeld werde aus dem Durchschnitt des Nettoeinkommens berechnet, das sich durch die bessere Steuerklasse erhöhe.

Allerdings müssen die werdenden Eltern dann schnell sein, denn das Elterngeld wird auf Grundlage des Einkommens der zwölf Monate vor Beginn des Mutterschutzes berechnet. "Dabei zählt die Steuerklasse, die in diesem Zeitraum überwiegend, also mehr als sechs Monate, veranlagt wurde", erklärt Wawro. Der Tipp für Verlobte: "Wenn man heiraten möchte, dann unbedingt noch dieses Jahr, denn dann kann das Ehepaar für das ganze Jahr 2015 die günstigere Veranlagung beantragen", ergänzt Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern.

Krankheitskosten sammeln 

Kosten für Medikamente, Zahnersatz und Kuraufenthalte können als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. "Dabei wird aber ein Eigenanteil von einem bis sieben Prozent der Gesamteinkünfte als zumutbare Belastung abgezogen", sagt Wawro. Wenn Steuerzahler an der Grenze der zumutbaren Belastung seien und ohnehin beispielsweise eine größere Zahnarztbehandlung anstehe, könnten sie diese vielleicht noch in dieses Jahr vorverlegen.

"Falls es dagegen günstiger ist, die Rechnung erst 2016 zu zahlen, könnten die Patienten vielleicht mit dem Zahnarzt eine entsprechende Vereinbarung treffen", empfiehlt Wawro. "Grundsätzlich rate ich immer, Belege zu sammeln, auch die Apothekenrechnungen über drei bis fünf Euro. Wenn im Herbst überraschend die große Zahn-Operation kommt, kann die Summe vielleicht über der Belastungsgrenze liegen."

Steuerfreibetrag beantragen 

Er kann für das laufende Jahr noch bis zum 30. November beantragt werden. "Dann wird er bei der Lohnsteuer im Dezember schon berücksichtigt", erklärt Gerauer. Besonders Alleinerziehende sollten sich das in diesem Jahr gut überlegen, denn ihr Entlastungsbetrag wurde auf 1908 Euro - bei einem Kind - erhöht.
"Das erste Kind berücksichtigt das Finanzamt bei der Steuerklasse II automatisch. Für alle weiteren Kinder muss man einen Antrag stellen", sagt Gerauer.

Wer einen Freibetrag für 2016 beantragt, kann von einer Neuerung profitieren: Seit dem 1. Oktober können Arbeitnehmer erstmals Freibeträge beantragen, die zwei Jahre lang gültig sind. Diese gelten dann vom 1. Januar 2016 bis längstens zum 31. Dezember 2017, erklärt der Neue Verband der Lohnsteuervereine (NVL). Die Freibeträge mussten bisher in der Regel jährlich neu beantragt werden.

Handwerkerleistungen absetzen 

Steuerzahler, die zum Jahresende oder im Januar eine Renovierung planen, sollten durchrechnen, wie sie die Kosten am besten verteilen. Grundsätzlich lassen sich 20 Prozent der Kosten abrechnen, maximal sind aber 6000 Euro begünstigt, so dass sich eine Steuerentlastung bis zu 1200 Euro ergeben kann. "Wenn man über die Höchstgrenze kommt, sollte man sich überlegen, ob man die Kosten auf zwei Jahre verteilen kann, etwa über eine Vorauszahlung an den Handwerker", empfiehlt Gerauer. Auf diese Weise könne sogar der Maximalbetrag in zwei Jahren ausgeschöpft werden.

Nichtveranlagungsbescheinigung besorgen 

Leicht vergessen werden laut Böke auch Zinseinkünfte der Kinder. Wenn Kinder Sparkonten oder Depots haben, deren Zinserträge den Sparerfreibetrag überschreiten, müssten auch sie Kapitalertragssteuer sowie Solidaritätszuschlag und möglicherweise Kirchensteuer abführen. Sofern sie keine weiteren Einkünfte haben, ist das aber unnötig. "Die Eltern können dafür eine Nicht-Veranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen und bei der Bank einreichen", sagt Böke. Sie gelte meist für drei Jahre.

(felt/dpa)
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