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Unsichtbare Geldanlage
Stille Teilhaberschaft kann sich lohnen

Berlin/München (rpo). Sein Name steht nicht im Briefkopf, und die Kunden bekommen ihn nie zu Gesicht: Ein stiller Teilhaber eines Unternehmens tritt nach außen nicht in Erscheinung. Sein Engagement ist im Grunde eine reine Kapitalanlage. Für das investierte Geld erhält er eine Gewinnbeteiligung, Einfluss auf das Geschäft des Betriebes hat er nicht. Damit weder der Unternehmer noch sein stiller Gesellschafter böse Überraschungen erleben, sollten sie einige Risiken dieser Verbindung vertraglich absichern. So wird diese unsichtbare Geldanlage nicht zum Geldgrab.

Obwohl die stille Gesellschaft im Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt wird, ist sie nicht auf das Handelsgewerbe beschränkt. "Eine stille Beteiligung ist an jeder Kapital- oder Personengesellschaft möglich", sagt Andreas Silbersack vom Deutschen Anwaltverein in Berlin. Das könnten also Einzelunternehmen genauso sein wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder eine GmbH, erklärt der Rechtsanwalt aus Halle an der Saale.

Das Gesetz regelt außerdem nur wenige Grundpfeiler der Beteiligung: Der stille Teilhaber ist in jedem Fall an den Gewinnen und kann auch an den Verlusten des Unternehmens beteiligt sein. Die Höhe der Anteile ist aber nicht festgelegt, "angemessen" sollen sie laut Paragraf 231 des HBG sein. Verlieren kann der stille Gesellschafter allerdings lediglich seine Einlage, darüber hinaus haftet er nicht. "Den Jahresabschluss des Unternehmens darf der stille Gesellschafter einsehen und auf seine Richtigkeit überprüfen", sagt Annika Böhm, Referentin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. In dem Vertrag über die Teilhaberschaft könne von vornherein eine Frist für das Engagement eingesetzt werden. "Ist die Einlage aber unbefristet, dann endet sie noch nicht mal mit dem Tod des Teilhabers, sondern der Erbe tritt ein", erläutert Böhm. Liegt ein wichtiger Grund vor, könne die Teilhaberschaft aber auch gekündigt werden.

Unterschiede bei stiller Teilhaberschaft

Die typische stille Gesellschaft sei aus Sicht des Investors im Grunde ein Darlehen an das Unternehmen: "Und die Gewinnanteile sind die Zinsen", sagt Anwalt Silbersack. Daneben gibt es allerdings auch die atypische stille Gesellschaft. Hier hat der stille Gesellschafter einen größeren Einfluss: "Festgelegt werden kann ein stärkeres Mitspracherecht bei Veränderungen im Betrieb", erklärt der Anwalt. Sinnvoll kann diese Konstruktion Silbersack zufolge zum Beispiel bei einer Beteiligung innerhalb der Familie sein: "Wenn sich der Vater an der Bäckerei des Sohnes beteiligt, können die beiden im Vertrag frei bestimmen, welche Mitspracherechte der Vater erhält", erklärt der Experte. Möglich sind auch stille Teilhaberschaften mit mehreren Partnern und zu unterschiedlichen Konditionen. "Der Vorteil für den Inhaber des Betriebes ist, dass diese Teilhaber nicht nach außen in Erscheinung treten." Auch im Handelsregister ist laut Expertin Böhm der stille Gesellschafter nicht verzeichnet.

Vor allem wenn die stille Teilhaberschaft von vornherein befristet ist, geht es dem Inhaber in erster Linie kurzfristig um eine höhere Liquidität, sagt Hermann Sturm, Präsident der Union Mittelständischer Unternehmen (UMU) in München. In der Bilanz taucht das eingelegte Geld des stillen Gesellschafters allerdings nicht als Eigen-, sondern als Fremdkapital auf. "Einen positiven Einfluss auf die Bonität gibt es also erstmal nicht", erklärt Hans-Michael Pott vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Berlin. Mittelbar könne sich jedoch ein Effekt für die Kreditwürdigkeit ergeben: "Banken behandeln die Einlagen stiller Teilhaber heute oft wie Eigenkapital", sagt Pott.

Bei einer Insolvenz wird es für stillen Teilhaber heikel

Heikel wird eine stille Beteiligung immer dann, wenn sich das Unternehmen nicht entwickelt wie erwartet, sondern in Schwierigkeiten gerät. "Im Fall einer Insolvenz ist der stille Gesellschafter ein nachrangiger Gläubiger", sagt Silbersack. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Einlage retten kann, ist also oft eher gering. Die Experten raten deshalb potenziellen stillen Teilhabern zu Vorsichtsmaßnahmen im Vertrag: "Man kann vereinbaren, dass der Gesellschafter nicht nur Einblick in den Jahresabschluss bekommt, sondern zum Beispiel vor riskanten Entscheidungen befragt werden muss", sagt BVMW-Experte Pott. Andreas Silbersack rät zudem zu einer Kündigungsklausel im Vertrag, wenn sich beispielsweise Zahlungsschwierigkeiten im Unternehmen einstellen. "Kündbar sollte der Vertrag aber nur von dem stillen Gesellschafter sein", sagt Silbersack. Sonst könne der Inhaber seinem Teilhaber just in dem Moment kündigen, in dem es dem Unternehmen nicht gut geht, aber eine positive Entwicklung erwartet wird: "Für die Auszahlung der Einlage wird der momentane Wert des Unternehmens - also dann ein sehr geringer - zugrunde gelegt." Von den zukünftigen Gewinnen profitiert der stille Teilhaber dann nicht mehr.

Auch dieses Problem können die Partner schon im Vertrag angehen: "Eigentlich ist der Buchwert des Unternehmens ausschlaggebend", erläutert Hans-Michael Pott. Wie hoch der Anteil am Unternehmen und die Gewinnbeteiligung ist, leite sich davon ab. Stattdessen könnten Inhaber und Gesellschafter aber auch eine Beteiligung am Geschäftswert des Unternehmens festlegen. "Handelt es sich zum Beispiel um Software-Entwickler, dann ist der stille Gesellschafter nicht nur an den Werten in den Büchern - die vielleicht nur aus wenigen Tischen, Stühlen und Computern bestehen - sondern auch an den Ideen und an noch nicht komplett entwickelten Programmen beteiligt."

Gerade weil der Vertrag über die stille Teilhaberschaft so frei gestaltet werden kann, gilt laut DIHK-Referentin Böhm: "Sich vorher gut informieren und dann vieles vertraglich regeln." Vollständig in Sicherheit wiegen können sich stille Gesellschafter aber auch bei einem hundertseitigen Vertrag nicht: "Eine Teilhaberschaft ist kein Bundesschatzbrief. Der stille Teilhaber kann bei guter Unternehmensentwicklung gewinnen, andererseits im Insolvenzfall seine Einlage aber teilweise oder sogar ganz verlieren."

 
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