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Selbsterfahrung Entgiftung - Tag 1
Vier Smoothies am Tag und sonst nichts?

Fastenzeit: Vier Smoothies am Tag und sonst nichts?
Der Mix dieser vier Zutaten macht satt. FOTO: Saskia Nothofer/ Susanne Hamann
Düsseldorf. Detox-Kuren aus Säften oder Smoothies liegen voll im Trend. Sie sollen entgiften, die Haut klären und vielleicht sogar um ein paar Pfunde erleichtern. Unsere Kollegin Saskia Nothofer probiert es aus, und ernährt sich seit gestern für drei Tage ausschließlich von Smoothies. Von Saskia Nothofer

Vorbereitung

Die richtige Kur finden Bevor die Entgiftung losgehen kann, muss ich erst mal die geeignete Detox-Kur für mich finden. Frische Säfte, Smoothies oder geschnittene Rohkost, es gibt zahlreiche Entgiftungskuren, die Entlastung versprechen. Ich gebe es ja zu, eigentlich bin ich faul und würde mir den Saft am liebsten fertig an die Haustür liefern lassen. So genannte Juice-Cleanse Angebote über drei Tage gibt es immerhin schon für ungefähr 130 Euro im Internet. Leider habe ich dafür aber zu viele Allergien: Äpfel, Karotten, Birnen gehen schon mal nicht – und somit auch drei Viertel aller Fertigsäfte.

Eigene Kreationen Also heißt es: Selbst mixen. Anstatt eines richtigen Entsafters oder teuren Hochleistungsmixers sind in meiner Küche allerdings nur Pürierstab und normaler Haushalts-Standmixer zu finden. Ich bin gespannt, ob die auch reichen, um sämige Smoothies zu zaubern.

Die Rezepte In Sachen Rezepte werde ich nach einiger Recherche in der App von DeliciouslyElla fündig. Ella Woodward hat dort nicht nur eine Reihe von veganen, gluten- und zuckerfreien Rezepten zusammengestellt, sondern gibt auch eine Anleitung für eine dreitägige Detox-Kur. Perfekt also für mein Experiment. Die Anteile aus Karotten und Äpfel ersetze ich einfach durch anderes Obst und Gemüse. Täglich soll es bei der Kur vier dickflüssige Smoothies geben: morgens, mittags, nachmittags und abends. 

Spezielle Zutaten Die Liste für die Zubereitung der Drinks ist lang. Allerdings halte ich mich nicht genau an den Plan, denn viele der Rezepte enthalten Nahrungsergänzungsmittel. Die würden zwar nicht schaden, sind aber teilweise sehr speziell und vor allem teuer. Spirulina beispielsweise, eine blaugrüne Alge, kostet je nach Produkt 15 Euro pro 200 Gramm. Das ist mir für drei Tage zu viel. Was ich aber kaufe, ist Hanfprotein. Das klingt nicht nur witzig, sondern ist auch die günstigste Nahrungsergänzung. Mehr Spaß macht die Entgiftung damit aber trotzdem nicht, denn mit Kiffen hat es nichts zu tun. Im Gegenteil: Es ist gesund, hat einen leicht nussigen Geschmack und enthält viele Omega-3-Fettsäuren. Sie sind gut für den Cholesterinspiegel und stärken das Herz-Kreislaufsystem.

Rahmenbedingungen Wie bei jeder klassischen Entgiftungskur gilt auch für mich in den nächsten Tagen: Verzicht auf Koffein, Zucker, Alkohol, Salz und alle anderen Gewürze. Kurz gesagt: Genussmittel und feste Nahrung, adieu! Die Entgiftungskur nur über drei Tage zu machen, wirkt schon etwas kurz. Da es aber so zahlreiche Empfehlungen dafür gibt, denke ich, dass es wohl auch über den überschaubaren Zeitraum Sinn machen könnte. Detox sollte doch schließlich Detox sein und außerdem sind die drei Ausnahmetage noch relativ gut in den Alltag zu integrieren. 

Der erste Einkauf Nachdem ich die Obst- und Gemüsetheken von drei Supermärkten quasi leer gekauft habe, ist mein Kühlschrank so voll und bunt wie noch nie. Paprika, Sellerie, Spinat und Grünkohl türmen sich neben Mangos, Bananen, einer Ananas, Avocados und weiteren gesunden Zutaten wie Mandelmilch und Kokoswasser. In der Masse sind die Produkte recht teuer, aber wenn reinigen, dann richtig. Also los geht's.

Tag 1: Dienstag

Weil ich schon so viel Gutes darüber gehört habe, starte ich hoch motiviert in den Tag – und der geht mit echter körperlicher Arbeit los. Erst müssen ungefähr 20 verschiedene Zutaten geschnitten werden, die anschließend von meinem 400 Watt starken Pürierstab gehäckselt werden. Es wird schnell deutlich, dass bei dieser Pürierleistung kleine Stückchen übrig bleiben. Schlimm finde ich das aber nicht. So hat man wenigstens ein bisschen was zu kauen – und schließlich kann man Smoothies ja auch löffeln.

Mir wird jetzt schon klar: Das Schälen, Schnibbeln und Pürieren kostet mehr Zeit, als ich gedacht habe. Und obwohl ich extra früher aufgestanden bin als sonst, gerate ich in Stress. Da ich von neun bis 17 Uhr in die Redaktion gehe, müssen an diesem Morgen gleich drei Smoothies zubereitet werden. Und ich habe nicht einmal einen Kaffee im Bauch, ohne den bei mir sonst kein Morgen beginnt. Ganz egal wie früh ich aus dem Haus gehen muss.

Den ersten Frühstückssmoothie aus einer Mango, einer Avocado, einer Orange und einer Handvoll Spinat trinke ich noch in meiner Küche. Ich muss sagen, er schmeckt richtig gut und macht erstaunlich satt. Geht doch, denke ich, wenn es so weitergeht, macht das Ganze noch richtig Spaß. Also, auf zur Arbeit.

FOTO: Saskia Nothofer/ Susanne Hamann

Schon mittags ist meine Euphorie allerdings verschwunden. Denn der nächste Rohkost-Drink aus Grünkohl, Roter Bete, Paprika, Gurke, Orangen, Zitrone und einem Stück Ingwer ist viel zu gemüselastig, zu ungewürzt, zu roh. Außerdem ist der Mix voller grober Stücke. Mit großen Schwierigkeiten bekomme ich davon gerade mal die Hälfte runter.

"Es riecht hier sehr gesund", kommentiert meine Kollegin meinen Trink-Ess-Versuch. Und bringt damit auf den Punkt, dass gesund und lecker eben nicht immer das Gleiche ist. Das gilt auch für meinen Nachmittags-Drink. Bei dem Mix aus Roter Beete, Paprika, Sellerie, Gurke, Ingwer und Mango wird mir schon vom Geruch beim Öffnen der Tupperdose übel. Nach zwei Löffeln ist Schluss. Dann esse ich lieber gar nichts.

FOTO: Saskia Nothofer/ Susanne Hamann

Wirklichen Hunger habe ich den Tag über trotz des Geschlürfes nicht. Dafür aber Kopfschmerzen, obwohl ich – und das ist bei einer solchen Detox-Kur extrem wichtig – so viel Wasser und Tee trinke wie sonst nie. Ich mutmaße, dass die Kopfschmerzen vom fehlenden Kaffee am Morgen kommen. Aber da muss ich jetzt durch.

Als ich schließlich nach der Arbeit nach Hause komme, knurrt mein Magen dann doch. Und ich freue mich sogar auf mein Abendessen, denn das wird wieder mehr Obst enthalten: Banane, Spinat, Blaubeeren, Kokoswasser und Mango. Lecker. Trotzdem finde ich es nicht ganz fair, dass meine Mitbewohnerin neben mir Nudeln isst. Was tue ich mir hier eigentlich an?

Aber Jammern hilft nicht. Auch für den nächsten Tag müssen wieder drei Smoothies zubereitet werden. Da ich mittlerweile weiß, wie lange das dauert und am nächsten Tag schon um sieben Uhr in der Redaktion sein muss, ziehe ich die Prozedur auf den Abend vor.

FOTO: Saskia Nothofer/ Susanne Hamann

Nach den Erfahrungen des ersten Tages werden Paprika, Grünkohl und Sellerie aber vom Speiseplan gestrichen. Gurke, Spinat, Feldsalat und Rote Bete haben sich dagegen bewährt – und das Obst sowieso.

Während ich noch schnell einen Liter Ingwer-Tee trinke, bevor ich schlafen gehe, fällt mir auf, dass auch meine Wohnung etwas von meiner Detox-Kur hat. Die Wandfliesen sind von Obst- und Gemüsespritzern gezeichnet, der Müll quillt nach einem Tag schon über und die Küchenbehälter, -löffel, -dosen und -geräte müssten eigentlich abgewaschen werden. Morgen, denke ich, und gehe mit Knurren im Magen ins Bett. 

Wie es Saskia Nothofer am zweiten Tag ihrer Detox-Kur erging, erfahren Sie hier.

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