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Reaktionen auf ARD-Reportage "Deutschlands Schweineställe"
"Viel Spaß dann wieder beim günstigen Fleischkaufen"

Fotos aus "Deutschlands Ferkelfabriken"
Fotos aus "Deutschlands Ferkelfabriken" FOTO: SWR
Düsseldorf. Es sind brutale Bilder, welche die ARD am Montagabend zeigte: Ferkel werden erschlagen, Tiere liegen apathisch und kraftlos auf dem Boden. Die Reportage "Deutschlands Schweineställe" rüttelt auf – auch die User im Netz, die mit Entsetzen auf die Filmaufnahmen reagieren. Insbesondere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) muss sich Kritik gefallen lassen. Von Dana Schülbe

Die ARD-Reporter Monika Anthes und Edgar Verheyen haben in ihrer Reportage etliche deutsche Schweinemastbetriebe unter die Lupe genommen und grausame Szenen festgehalten. Gleich zu Beginn weisen die Macher daraufhin, dass es brutale Bilder sind, die die Zuschauer in dem Film zu sehen bekommen, das man aber dennoch der Meinung sei, die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, diese zu sehen.

Da sieht man Tiere, die abgemagert in engen Kastenboxen vor sich hinvegetieren. Andere liegen apathisch am Boden, wieder andere haben offene Wunden. Und immer wieder ist zu sehen, wie Ferkelauf den Boden oder gegen Mauerkanten geschlagen werden, bis sie tot sind. Die Macher der Reportage und Tierschützer sehen solche Zustände als Folge des Billigfleisches in Deutschlands Supermärkten.

"Er hat es mit dem Hammer erschlagen"

Und so sehen es auch viele User im Netz. "Das Geheimnis von 3€/kg Schweinefleisch", bemerkt etwa ein Twitterer. "Viel Spaß dann wieder beim günstigen Fleischkaufen", schreibt ein anderer. Das Entsetzen der Twitterer über die Aufnahmen ist jedenfalls groß. Von "kranker Scheiße" ist dort die Rede, von "verstörenden Bildern".

"Wie abgestumpft muss man eigentlich sein, um so mit Leben umzugehen? Sollte jeder drüber nachdenken...", kommentiert ein User. Eine andere Userin merkt an: "Der Bauer sagt er habe 'das Tier erlöst'. Alles klar, er hat es mit dem Hammer erschlagen. Wie kann man so sein? So handeln?"

Insbesondere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) muss sich Kritik im Netz gefallen lassen. Der Grund: In den Film hatten die Reporter den Minister vor der Landesvertretung Niedersachsen mit den Aufnahmen konfrontiert. Er verwies darauf, dass Tierschutz in Deutschland Ländersache sei und soll laut den Machern dann zum Sommerfest der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) gegangen sein, um ein Spanferkel anzuschneiden.

"Highlight: Christian Schmidt (#CSU)! Sieht Ferkel-Leiden, laechelt und geht mit Schweinelobby Spanferkel essen", twittert etwa ein User. Ein anderer bemerkt: "Christian Schmidt als Minister ist einfach nur peinlich, auch wenn er nicht zuständig ist." "Ein echter Experte als Landwirtschaftsminister", heißt es in einem weiteren Tweet.

Niedersachsens Minister für schärfere Kontrollen

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) verwies in einer Reaktion auf die Reportage auf einen Erlass hin, nach denen Ferkel nur getötet werden dürfen, wenn sie nicht überlebensfähig sind. Damit hatte der Minister auf entsprechend Berichte von Tierschützern im Dezember reagiert. Nordrhein-Westfalen, wo neben Niedersachsen die meisten Schweine gehalten werden, hatte diese Bestimmungen übernommen.

Der "Neuen Presse" in Hannover sagte Meyer mit Verweis auf den Erlass zudem, dass er mit schärferen Kontrollen das tierschutzwidrige Töten von Ferkeln unterbinden wolle. Dazu würden die Landkreise angewiesen. Das Landesamt für Verbraucherschutz soll dann Kadaver toter Ferkel untersuchen, ob sie etwa tierschutzgerecht getötet worden seien. Anfang des Jahres habe es bereits mehrere Obduktionen gegeben, so der Minister in der Zeitung. "Dabei wurde tatsächlich festgestellt, dass Ferkel nicht tiershcutzgerecht getötet worden waren", sagte Meyer und nannte es "schlicht eine Sauerei und Tierquälerei, wenn aus rein ökonomischen Gründen kleine Ferkel getötet werden".

Derweil hat Bundesminister Schmidt die geplante "Tierwohl-Initiative" von Ernährungsbranche und Einzelhandel begrüßt. Er befürworte jede Initiative, die für mehr Tierschutz sorge, sagte Schmidt. Die Land- und Fleischwirtschaft sowie große Handelsketten wollen ein Bonussystem aufbauen, das Bauern Anreize für höhere Haltungsstandards bei Geflügel und Schweinen gibt. Starten soll das System möglichst Anfang 2015.

Schmidt sagte: "Verbraucher, die sich mehr Tierschutz oder regionale Herkunft wünschen, sind immer öfter auch bereit, hierfür mehr Geld auszugeben." Er begrüße, dass es Wahlmöglichkeiten gebe, so dass Verbraucher bewusste Kaufentscheidungen für Standards treffen könnten, die über die hohen gesetzlichen Anforderungen hinausgingen.

mit Agenturmaterial

 

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