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Einkaufsratgeber
So kaufen Sie fair Milch ein

Einkaufsratgeber: So kaufen Sie fair Milch ein
Viele Verbraucher trinken gerne Milch - und wären auch bereit, dafür ein paar Cent mehr zu bezahlen. FOTO: VDex/ Shutterstock.com
Düsseldorf . Die billigen Milchpreise bedrohen die Existenz der Landwirte in Deutschland. Wir haben drei Experten gefragt, wie Verbraucher so einkaufen können, dass ein angemessener Teil des Milchpreises auch bei den regionalen Landwirten ankommt.  Von Susanne Hamann

46 Cent kostet ein Liter Milch beim Discounter. Das macht im besten Fall 24 Cent für den Landwirt. Zum Leben zu wenig, beklagen die Landwirte. Es müssten mindestens 35 Cent für die Milchbauern übrig bleiben, um ihre Existenz zu sichern. (Alle wichtigen Informationen zu den abgestürzten Milchpreisen finden Sie hier.) Für den Verbraucher würde das mindestens 80 Cent pro Liter bedeuten, ein Preis, den viele laut Umfragen sogar bereit wären zu zahlen. Nur bei welchen Milchprodukten kommt das Geld auch wirklich bei den Landwirten an? Drei Experten geben Auskunft. 

  1. Kaufen Sie Milch am besten direkt vom Landwirt: "Wenn Milch im Supermarkt gekauft wird, stellen sich für den Verbraucher mehrere Probleme: Oftmals kann er nicht mal erkennen, ob die Milch überhaupt aus Deutschland kommt. Selbst bei teurer Milch ist unklar, wieviel von dem Kaufpreis beim Milchbauern ankommt", sagt Bernhard Burdick, Leiter der Gruppe Ernährung der Verbraucherzentrale NRW. Am leichtesten ließen sich solche Unklarheiten beseitigen, indem man den Weg zum Hofladen auf sich nehme. "Dort kann der Bauer selbst entscheiden, wie sich der Milchpreis zusammensetzt." 

  2. Milchzapfstellen lohnen sich für Verbraucher und Landwirte: Die frischeste Milch vom Bauern bekommen Verbraucher an sogenannten Milchzapfstellen. Dabei handelt es sich meist um Automaten, in die Geld eingeschmissen wird, und die dann - wie eine Tankstelle - Rohmilch in eine Flasche abgeben. "Die Rohmilch ist unbehandelt, also weder erhitzt noch pasteurisiert", sagt Irmgard Bertrams, Mitbesitzerin vom Hof am Birkenbusch in Korschenbroich, der auch eine Milchzapfstelle betreibt. "Der Liter Rohmilch kostet bei uns 90 Cent, da ist auch der Strom für die Maschine drin, die Wartung und die Befüllung des Tanks. Für uns ist das ein fairer und sinnvoller Preis."

  3. Kaufen Sie Milch auf Wochenmärkten: Wem der Weg zum Bauern zu weit ist, der hat verschiedene andere Möglichkeiten, den klassischen Milchhandel zu umgehen. "Am besten eignet sich für Städter der wöchentliche Bauernmarkt", sagt Burdick. "Dort bringen die Landwirte ihre Milch sozusagen direkt zum Verbraucher." Noch bequemer geht es nur noch per "Grüner Kiste". Im Internet können Verbraucher die Box individuell mit Gemüse, Obst und Milchprodukten von regionalen Landwirten bestücken. Anschließend wird sie ein Mal pro Woche nach Hause geliefert. 

  4. Billigprodukte und H-Milch vermeiden: Aber auch im Supermarkt gibt es Möglichkeiten, um den Milchbauern mehr Verdienst pro Liter Milch zukommen zu lassen. Am leichtesten geht das, indem man keine Billigprodukte kauft. "An den Billigprodukten verdienen Milchbauern meist nur um die 20 Cent. H-Milch ist so stark behandelt, dass sie zwei Wochen oder länger hält. Frische Milch hält nur drei bis vier Tage, ist aber auch viel gesünder", sagt Irmgard Bertram. 

  5. Was Sie über "faire Milchkonzepte" wissen müssen: "Der Begriff 'fair' ist nicht staatlich geschützt. Aber es gibt verschiedene Initiativen, die durchaus empfehlenswert sind", sagt Burdick. Dazu gehöre laut dem Verbraucherschützer die "sternenfair Milch". Die leitet, so die Webseite, 40 Cent pro Liter Milch an die Landwirte weiter, legt besonderen Wert auf artgerechte Haltung und auf gentechnikfreies Futtermittel. Zu kaufen ist die Milch bei bekannten Supermarktketten - ebenso wie die Milchprodukte von "Ein Herz für Erzeuger". Bei dieser Initiative werden, laut Webseite, allerdings nur 10 Cent pro Liter an die Milchbauern abgegeben. "Natürlich ist das nicht viel", sagt Burdick, "aber es ist besser als nichts." Die Milchprodukte von "Ein Herz für Erzeuger", sind vor allem in den Märkten von Netto und Edeka zu finden. 

  6. Bio-Produkte sind die bessere Wahl: Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch erhielten die Bio-Milchbauern in den letzten Monaten um 48 Cent pro Liter. Der Kostenfaktor für den Verbraucher liege bei Bio-Milch derzeit zugleich bei knapp über einem Euro. Wer Bio-Milch kauft, unterstützt also, dass die höheren Supermarktpreise auch an die Landwirte weitergereicht werden.

  7. Probieren Sie Food Assembly aus: Der wohl ungewöhnlichste Vorschlag kommt von der Verbraucherzentrale NRW. Burdick rät Verbrauchern, "Food Assembly" auszuprobieren. "Bei dem Konzept vernetzen sich Landwirte und Konsumenten direkt miteinander über einen kleinen Bauernmarkt, der in der Nachbarschaft des Konsumenten stattfindet. Dort kann man dann die Landwirte auch persönlich treffen."

(ham)
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