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Europäisches Parlament
Umweltausschuss ist gegen die Neu-Zulassung von Glyphosat

EU-Parlament: Umweltausschuss gegen die Neu-Zulassung von Glyphosat
Über 40 Prozent der deutschen Ackerflächen werden mit Glyphosat behandelt. FOTO: Fotokostic/ Shutterstock.com
Düsseldorf . Glyphosat ist ein umstrittener Unkrautvernichter, der intensiv in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Die Krebsforschungsagentur der WHO hält ihn für wahrscheinlich krebserregend, das Bundesinstitut für Risikobewertung, hält ihn für unbedenklich. Nun hat sich erstmals der Umweltausschuss des Europa-Parlaments gegen Glyphosat ausgesprochen. 

Bereits Anfang März wurde eine Entscheidung des Europäischen Parlaments zu dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat erwartet. Die Zulassung des Pestizids läuft in der EU im Juni aus. Entschieden werden muss, ob es für die nächsten 15 Jahre ein Neu-Zulassnung erhält, oder nicht. 

Nun hat sich erstmals der Umweltausschuss des Europa-Parlaments negativ zu Glyphosat geäußert. "Solange ernsthafte Bedenken über die krebserregenden und hormonellen Auswirkungen des Herbizids Glyphosat nicht ausgeräumt sind, sollte die Zulassung durch die EU-Kommission nicht verlängert werden", heißt es in der offiziellen Mitteilung. "Stattdessen sollte eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben und alle wissenschaftlichen Erkenntnisse offengelegt werden, die dem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugrunde lagen."

Der zuständige Fachausschuss hatte die Entscheidung über Glyphosat von Anfang März überraschend vertagt, da sich weder für eine Verlängerung noch für ein Verbot von Glyphosat eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten abzeichnete. Widerstand gegen eine weitere Zulassung kam unter anderem aus Frankreich, Schweden und Italien. Die deutsche Position war bis zuletzt nicht klar.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist das deutschland- und weltweit am meisten verkaufte Pestizid und wird sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten sehr häufig verwendet. Etwa 40 Prozent der Ackerfläche wird in Deutschland mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Mittels sind schwer umstritten. 

Im Juli 2015 stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsagentur Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Die Bewertung erfolgte auf der Basis von mehr als 200 Studien und wissenschaftlichen Bewertungen. Das bedeutet, dass der Wirkzusammenhang nicht gewiss ist, Wissenschaftler des IARC verweisen jedoch auf Tierversuche, die Hinweise auf Erbgut verändernde Prozesse geben.

Demgegenüber steht die Einschätzung des Deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Dieses kommt nach der Einschätzung verschiedener Studien zu dem Ergebnis, "dass nach derzeitiger wissenschaftlicher Kenntnis bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist". Demnach werde die toxische Wirkung nur durch eine sehr hohe Dosis von Glyphosat ausgelöst. Entsprechend sieht das BfR keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Das Problem: Glyphosat-Rückstände finden sich in vielen anderen Lebensmitteln. Damit summiert sich die Belastung.

 

 

 

 

(ham)
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