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Fipronil-Skandal
Stark belastete Eier in Belgien – Regierung berät Konsequenzen

Fipronil-Skandal um belastete Eier in Belgien: Regierung berät Konsequenzen
Eier mit belgischen Seriennummern, aufgenommen im belgischen Helecine (Symbolfoto). FOTO: dpa, wal
Brüssel. Erst Wochen nach einem ersten Fipronil-Verdacht bei Eiern hat Belgien andere EU-Staaten informiert. Durfte das so lange dauern? Und warum gibt es zu einer Eierprobe zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse? Damit beschäftigt sich nun das belgische Parlament.

Einen Tag nach Bekanntwerden einer Aufsehen erregend hohen Fipronil-Messung in Belgien ist der Eier-Skandal an diesem Mittwoch Thema im Parlament des Landes. Agrarminister Denis Ducarme und Gesundheitsministerin Maggie De Block stellen sich den Fragen der Abgeordneten der beiden Fachausschüsse. 

Die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass bei einer am 18. Juli entnommenen Probe ein Fipronil-Wert von 0,92 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) gemessen wurde. Die Anwendung des Insektengifts ist in der EU für Tiere verboten, die Lebensmittel liefern. Ab 0,72 mg/kg geht die EU von einer Gesundheitsgefahr aus.

Hintergrund: Die schlimmsten Lebensmittel-Skandale FOTO: Ewa Studio/ Shutterstock.com

Ursprünglich war bei dem fraglichen Test ein niedriger Wert von 0,076 mg/kg festgestellt worden. Der Betrieb nutzte jedoch sein Recht, ein Gegengutachten erstellen zu lassen – das wiederum den deutlichen höheren Wert von 0,92 mg/kg ergab. Die FASNK versucht nun, den Grund für die unterschiedlichen Messungen zu ermitteln. Noch am Montagabend hatte die FASNK erklärt, der bis dahin höchste gemessene Fipronil-Wert in Belgien liege bei 0,096 mg/kg.

Der hohe Fipronil-Wert sei vorsorglich auch an die anderen EU-Staaten gemeldet worden, so die FASNK. Die Eier wurden nach ihren Angaben schon am 18. Juli beschlagnahmt und haben den Verbraucher nicht erreicht.

Belgische Regierung sperrt Betriebe und kündigt Rückruf an

Die belgische Regierung kündigte derweil eine Reihe neuer Vorsichtsmaßnahmen an. So sollen unter anderem alle Legehennen-Betriebe gesperrt werden, deren Proben von jenem Labor ausgewertet wurden, das den niedrigeren Wert gemessen hatte. Dies dürfte drei zusätzliche Höfe betreffen. Außerdem soll es einen Rückruf der Eier aus diesen Betrieben geben, Verbraucher sollen über Chargennummern informiert werden und können betroffene Eier in den Laden zurückbringen.

Im Fipronil-Skandal haben auch fünf weiterverarbeitende Betriebe in Frankreich Eier erhalten, die mit dem Insektizid belastet sind. Das sind drei mehr, als bislang bekannt gewesen war. Die Eier seien ihnen aus den Niederlanden und Belgien geliefert worden, teilte das Landwirtschaftsministerium am Dienstagabend in Paris mit. Auch in Luxemburg sind mit Fipronil belastete Eier aufgetaucht. Die Regierung teilte am Dienstag mit, in Läden des Discounters Aldi seien zwei Chargen von Fipronil-Eiern gefunden worden. Auch in Deutschland waren zahlreiche mit Fipronil belastete Eier aufgetaucht.

Erster Fipronil-Verdachtsfall in Belgien bereits Anfang Juni

Ein weiteres Thema der Ausschuss-Sitzung in Brüssel ist das Verhalten der Lebensmittelaufsichtsbehörde FASNK. Eine Sprecherin der FASNK sagte am Wochenende, dass die FASNK schon Anfang Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall wusste. Erst am 20. Juli wurden andere EU-Staaten informiert. Minister Ducarme forderte einen Bericht der FASNK an – eigentlich noch bis zur Anhörung.

Die Landwirte-Organisation Boerenbond, die in Bauern in Flandern und im Osten Belgiens vertritt, schätzt den Schaden für die Geflügelbranche durch die Fipronil-Krise derweil auf mindestens zehn Millionen Euro. Die Organisation forderte staatliche Unterstützung für betroffene Betriebe. In der Wallonie im Süden des Landes will der regionale Landwirtschaftsminister René Collin Ansprechpartner für Landwirte einsetzen, die Entschädigungen beantragen wollen.

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Es wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller das Insektizid einem Reinigungsmittel beimengte und es an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte.

Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen. Aus Expertensicht sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein.

(das/dpa)
 
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