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"Gender Pricing"
Frau sein ist ein teures Vergnügen

"Gender Pricing": Frau sein ist ein teures Vergnügen
42 Prozent Aufschlag, nur weil der Rasierer rosa ist? Viele Frauen ärgert dieser Preisaufschlag. FOTO: Radowski
Düsseldorf. Für Produkte wie Einwegrasierer, Rasierschaum oder Parfum zahlen Frauen meist mehr als Männer. Diese Ungleichbehandlung wollen die Verbraucherschutzminister abschaffen. Der Vorstoß kommt aus Hessen. Von Georg Winters

Zu den weitgehend ungeklärten Fragen des Lebens gehört, ob Frau generell lieber Einwegrasierer in pink kauft als in blau. Jene, die das machen, tun das mitunter in dem Bewusstsein, dass sie ökonomisch unvernünftig handeln. Denn die Rasierer in blau (Männerfarbe) sind in der Regel billiger. "Gender Pricing" heißt das Phänomen, und es bezeichnet den Sachverhalt, dass Produkte, die Verbrauchern und Verbraucherinnen gleichermaßen gute Dienste leisten, einen geschlechterspezifischen Preis haben.

Diese Art von Diskriminierung wollen die Verbraucherschutzminister der Bundesländer abschaffen. Das hessische Umweltministerium in Person von Ministerin Priska Hinz hat einen entsprechenden Vorstoß in die jüngste Konferenz der Verbraucherschutzminister in Düsseldorf getragen. Der nächste Schritt ist ein Gutachten, das der Bund in Auftrag geben und das dann beim nächsten Treffen präsentiert werden soll - im November, wenn sich die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) in Münster trifft. Angestoßen worden ist die hessische Initiative durch eine Studie der Verbraucherzentrale Hamburg aus dem vergangenen Jahr (siehe Beispiele in der Info im Kasten). Das zentrale Ergebnis: Gleiches muss nicht gleich teuer sein.

"Das Gender Pricing muss auf den Prüfstand", sagt Priska Hinz. Sie und ihre Länderkollegen wollen die Bundesregierung dazu bringen, sich bei Einzelhändlern und Herstellern für ein Ende der Preisdiskriminierung einzusetzen. Sie verweist auf die Beispiele Österreich, wo es seit 2008 verboten sei, "Menschen wegen ihres Geschlechtes bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen zu benachteiligen", und auf die US-Bundesstaaten Kalifornien und New York, in denen "Gender Pricing" ausdrücklich untersagt sei.

Ob das in jedem Fall ökonomisch sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Preiskalkulation eines Unternehmens hängt natürlich auch an der Nachfrage durch die Abnehmer. Beliebtes Beispiel dafür ist der Besuch beim Friseur, den Frau weitaus häufiger plant als Mann. Die einfache Handlungskette: Längere Haare, mehr Pflegeaufwand, mehr Zeit beim Friseur, höhere Kosten.

Männliche Ebay-Verkäufer nehmen mehr ein

Da klagen Frauen auch eher selten. Bei Einwegrasierern dagegen hört ihr Verständnis für die ungleiche Preisbehandlung auf: "Ich seh doch nicht ein, warum ich für ein Stück rosa Plastik 42 Prozent mehr zahlen soll als für blaue Plastik", klagt eine Betroffene. Gleichzeitig betont die Drogeriemarktkette Rossmann, dass keine Frau daran gehindert werde, ein Männerprodukt zu kaufen - wohl wissend, dass viele es eben nicht tun und doch wieder den unausgesprochenen Gesetzen der geschlechtsspezifischen Farbwahl folgen.

Der Klingenhersteller Wilkinson hat übrigens mal die Tatsache, dass Rasierschaum für Frauen doppelt so teuer sei wie für Männer, mit der Unterschiedlichkeit der Stoffe begründet. Das, so sagen Verbraucherschützer, gelte aber vor allem für Verpackung und Geruch, mit Sicherheit aber nicht für die Funktionsfähigkeit.

Wenn's ums Geld geht, haben es Frauen also offenbar mitunter deutlich schwerer als Männer - nicht nur beim Kauf von Kosmetikprodukten, sondern auch beim Verkaufen. Bei Ebay zum Beispiel sollte man sich lieber als Mann ausgeben. Anbieterinnen bekommen nämlich laut einer israelischen Studie im Schnitt 20 Prozent weniger als männliche Verkäufer.

Quelle: RP
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