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Joghurt, Putzmittel, Bildschirme
In diesen Produkten stecken Reste von Tieren

Diese E-Nummern sind tierischen Ursprungs
Diese E-Nummern sind tierischen Ursprungs FOTO: Shutterstock/ Monkey Business Images
Düsseldorf. Tier- oder sogar Menschenbestandteile im Brötchen, tierische Fette in der Kosmetik und sogar im Computer-Bildschirm? Was absurd klingt, entspricht der Praxis der Industrie. Vor allem für Veganer ist das ein Problem. Denn: Oft werden Tierbestandteile schlecht oder gar nicht gekennzeichnet. Von Saskia Nothofer

Durch Massentierhaltung, Gammelfleisch und Antibiotika im Hähnchen ist vielen Verbrauchern in den vergangenen Jahren der Appetit auf Fleisch vergangen. Einige Menschen verzichten sogar vollkommen auf tierische Produkte. Neben Milch, Käse und Eiern sind damit auch sämtliche Lederwaren und Honig tabu. Der Vegetarierbund Deutschland geht derzeit (Januar 2015) von rund 7,8 Millionen Vegetariern (rund 10 Prozent der Bevölkerung) und 900.000 Veganern (1,1 Prozent) in Deutschland aus. 

Aufgrund der fehlenden Transparenz bei einigen Artikeln des täglichen Gebrauchs, fällt es Verbauchern, die einen vegetarischen oder veganen Lebensstil pflegen, jedoch schwer auf tiereische Stoffe zu verzichten. Sind die Inhaltsstoffe doch nicht auf der Verpackung angegeben. Wir haben die wichtigsten Beispiele zusammengestellt:

Schwein und Mensch in Backwaren

Um Mehl elastischer und leichter knetbar zu machen, verwenden viele Bäckereien die Aminosäure L-Cystein. Diese wird zum Beispiel aus Schweineborsten oder Vogelfedern gewonnen. Bis vor wenigen Jahren wurden in Deutschland zur Herstellung des Mehlbehandlungsmittels sogar noch Menschenhaare verwendet. Zwar ist dies seit April 2001 durch eine EU-Richtlinie untersagt, in China beispielsweise ist die Verwendung des aus menschlichem Haare hergestellte L-Cysteins aber noch gängige Praxis.

Und es sind noch weitere tierische Produkte in Backwaren versteckt: Brezeln und Croissants werden oftmals mit Schweineschmalz hergestellt. 

Gelatine in Wein und Fotopapier

Wer glaubt, Gelatine werde vor allem zur Herstellung von Gummibärchen benutzt, der täuscht. Viele Saft- und Weinhersteller nutzen sie, um die Getränke zu klären. Gelatine wird aus Schweineschwarten, Knochen und Haut hergestellt. Gekennzeichnet werden muss sie nach deutschem Gesetz nicht. Bio-Saft-Hersteller kommen bei der Klärung in der Regel aber ohne Gelatine aus. Beim Weißwein ist es allerdings schwieriger. Lediglich das Siegel "Vegan-Blume" weist dabei auf den Verzicht von Gelatine hin.

Auch bei der analogen Fotografie wurde Gelatine genutzt. Sie diente als farbtragende Schicht auf Negativen und Fotopapieren. Bis heute können einige Fotopapiere tierischen Reste enthalten. 

Tierprodukte in Joghurt und Chips

Oft sind es nicht die Beeren oder Kirschen, die den entsprechenden Joghurt rot färben, sondern chemische Färbemittel. Versteckt werden sie hinter der Kennzeichnung E120. E120 wird aus getrockneten weiblichen Schildläusen gewonnen und ist für viele Lebensmittel zugelassen. Zerriebene Laus findet sich also beispielsweise in Süßwaren, Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen und Wurst sowie in verschiedenen Getränken.

Auch in Kartoffelchips verstecken sich tierische Bestandteile. Dabei handelt es sich entweder um tierische Aromen vom Wild, Fisch, Geflügel, Rind, oder Schwein, oder aber um Lab, also Kälbermagen. 

Tierfette in Putzmitteln und Kosmetik

Waschmittel, Weichspüler und Reinigungsmittel kommen nicht ohne Schmutzlöser aus. Es handelt sich dabei um sogenannte Tenside, die oftmals tierischen Ursprungs sind. Genauer gesagt können sie aus tierischen Fetten gewonnen werden. Auch in einigen Kosmetikartikeln können Tenside enthalten sein.

Doch auch andere Zusätze können tierischen Ursprungs sein. So werden beispielsweise in Ölen, Nervengeweben, Eigelb und Blut von Tieren vorkommende Naturstoffe als Emulgatoren oder Stabilisatoren in Shampoos, Cremes und anderen Kosmetikartikeln verwendet.

Cholesterin im LCD-Bildschirm

In technischen Geräten, wie LCD-Bildschirmen, kann tierisches Cholesterin stecken. Cholesterin ist in den Membranen, also der Haut, vieler Tierzellen enthalten. In Form von flüssigen Kristallen verwenden Unternehmen dieses Cholesterin oft für Farbthermometer zur Farbindikation oder aber für LCD-Displays. In ihrem Fernseher, Computer, Handy oder der Digitalkamera kann sich also Cholesterin verstecken.

Knochenmehl und Schildläuse in Zahnpflegeprodukten

Laut der Tierschutzorganisation Peta enthält Zahnpasta gleich vier undeklarierte Inhaltsstoffe: Neben Knochenmehl kann sie demnach tierisches Glycerin, Bienenpollen und -wachs enthalten. Bei der Produktion von Kaugummis dagegen kommt oftmals Schellack zum Einsatz. Es handelt sich dabei um die Ausscheidungen der Schildlaus. Diese sind allerdings auch in anderen Produkten enthalten. So wird der Schellack für die Herstellung von Farben, Lacken und Polituren benutzt, kommt in der Tinte für Tattoos vor und dient als Klebemittel in der Zigarettenproduktion. 

 

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