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Insekten-Gift
Skandal um Eier weitet sich aus

Insektizid Fipronil: Eier-Skandal weitet sich aus
Als Ursache für den Eier-Skandal gilt das Desinfektionsmittel Dega-16. (Archiv) FOTO: dpa
Düsseldorf. Bei der Supermarktkette Kaufland wurden Eier mit dem Insektizid Fipronil verkauft – viele Betriebe in NRW reagieren. In Folge des Skandals wurden 180 Betriebe in den Niederlanden und fünf Höfe in Niedersachsen gesperrt. Von Susanne Hamann, Franziska Hein und Merlin Bartel

Mit dem Insektizid Fipronil verseuchte Eier aus den Niederlanden tauchen in immer mehr Bundesländern auf. Hessen, Bremen und Bayern sind nach Erkenntnissen von Mittwochabend möglicherweise auch betroffen. Es gebe mehrere Hinweise darauf, teilte das hessische Umweltministerium mit.

Die Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt und das Lebensmittelüberwachungsamt seien gebeten worden, "unverzüglich" Maßnahmen zu ergreifen, um die möglicherweise belasteten Eier aus dem Verkehr zu ziehen. Die Bremer Verbraucherschutzsenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) empfahl, die Eier nicht zu essen, sondern sie zu entsorgen oder zurückzugeben.

Das in Millionen Eiern gefundene Insektizid Fipronil soll auch in mindestens fünf Geflügelzuchtbetrieben in Deutschland zum Einsatz gekommen sein, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte. Die Betriebe seien nun gesperrt, erklärte der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT), der Zertifizierungsbehörde für Eier ist. Die Betriebe wollte er nicht nennen.

27 Ei-Prüfnummern

In einem Betrieb waren Spuren des Stoffes in den Eiern gefunden worden. Zuvor war das Insektizid bereits in 17 weiteren Betrieben in den Niederlanden nachgewiesen worden. So gelten nun 27 Ei-Prüfnummern als gesundheitsschädlich. Experten erwarten, dass die Zahl noch steigt, da nicht alle Testergebnisse der 180 gesperrten Betriebe vorlagen.

Welche Supermärkte mit verseuchten Eiern beliefert worden sind, wollte das NRW-Umweltministerium nicht sagen. Eine Umfrage unserer Redaktion unter Supermarktketten ergab, dass bei Kaufland vereinzelte Filialen mit den verseuchten Eiern aus den Niederlanden beliefert worden sind. Alle Eier seien umgehend aus dem Verkauf genommen worden. Rewe und seine Discount-Tochter Penny nehmen Eier aus den Niederlanden vorsorglich aus dem Verkauf, wie der Konzern mitteilte. Damit wolle man für den Kunden Transparenz schaffen.

Aldi Süd bezieht seit Anfang der Woche keine Eier, bei denen Fipronil verwendet wurde oder bei denen unklar ist, ob sie verseucht sind. Aldi Nord bezieht nach eigenen Angaben aktuell keine Eier aus den gesperrten niederländischen Betrieben. Es gebe derzeit keinen Rückruf von Eiern, vorsorglich würden jedoch "in einzelnen Gesellschaften Eier aus den gesperrten niederländischen Betrieben aus dem Verkauf genommen", hieß es. Edeka erklärte, der Konzern beziehe seine Eier allesamt aus Deutschland – diese seien "nach jetzigem Kenntnisstand unbelastet". Real teilte mit, keine gesundheitsschädlichen Eier verkauft zu haben.

Hintergrund: Die schlimmsten Lebensmittel-Skandale FOTO: Ewa Studio/ Shutterstock.com

Pestizid Fipronil im Reinigungsmittel

Als Ursache für den Eier-Skandal gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Läuse in Hühnerställen bekämpft werden sollen. Die 180 gesperrten Betriebe sowie mindestens fünf Höfe in Niedersachsen hatten das Mittel von einem Unternehmen im niederländischen Barneveld bezogen. Das Reinigungsmittel war mit dem Pestizid Fipronil gemischt worden. "Den Legehennenhaltern ist absolut kein Vorwurf zu machen. Hier war an anderer Stelle kriminelle Energie im Spiel", sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident der Deutschen Geflügelwirtschaft, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Stempelaufdrucke der neu hinzugekommenen, belasteten Betriebe lauten 0-NL 4392501 und 0-NL 4385501. Bereits am Sonntag waren in NRW Eier mit den Stempelnummern 1-NL 4128604 und 1-NL 4286001 zurückgerufen worden. Die Legedaten dieser Eier liegen zwischen dem 9. und 21. Juli 2017. Insgesamt etwa 2,9 Millionen Eier mit diesen Stempelnummern wurden nach NRW geliefert, davon gelangten etwa 875.000 Eier in den Handel.

"Die Niederländer sind gerade erst dabei, zu analysieren, welche Eier betroffen sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen noch etwas nachkommt", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums.

 
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