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Auswertung von Verbraucherportal
Die besten Eigenmarken im Handel

Lidl, Aldi, Rewe – die besten Eigenmarken im Handel
FOTO: rp
Düsseldorf. Die Produkte sollen für Verbraucher günstig sein und den Herstellern dennoch gute Margen bescheren. Aber welche Eigenmarken bieten wirklich gute Qualität? Ein Verbraucherportal hat Warentest-Untersuchungen ausgewertet. Von Susanne Hamann und Georg Winters

Wenn im medizinischen Bereich herausgefunden werden soll, ob ein Verfahren oder ein Medikament wirkt, dann wird im besten Fall eine sogenannte Meta-Analyse erstellt. Darin werden die größten Studien, die bislang zu einem Thema gemacht worden sind, auf ihre Ergebnisse untersucht. So kristallisiert sich schnell heraus, welches Urteil, welche Kritik und welche Erkenntnisse sich häufen - und somit, welches Qualitätsurteil letztlich zu vergeben ist.

Diese Methode haben die Tester vom Verbraucherportal vergleich.org angewendet, um herauszufinden, welche Eigenmarken der großen deutschen Handelsunternehmen die beste Qualität bieten. Dafür nahmen sie sich 60 Tests zu den verschiedenen Produktserien vor, die in den vergangenen vier Jahren von der Stiftung Warentest durchgeführt worden waren. Testsieger der Meta-Analyse ist der Discounter Lidl geworden, der sich vor Aldi Nord und Rewe durchsetzte. Am schlechtesten schneidet in dieser Untersuchung die Metro-Tochter Real ab.

Eigenmarken sind im Lebensmittelhandel längst von zentraler Bedeutung. Das zeigt eine Nielsen-Studie aus dem Jahr 2013. Demnach kauft ein Drittel der deutschen Verbraucher Eigenmarken, um die Ausgaben für Lebensmittel-Einkäufe so niedrig wie möglich zu halten - Tendenz steigend.

2013: "Goldener Windbeutel" für dreiste Werbungen FOTO: foodwatch

Das Schnäppchen indes dürfte den Verbrauchern nicht immer gelingen. Denn die Analyse von Vergleich.org zeigt: Eine Eigenmarke ist nicht zwingend kostengünstig für den Kunden. Die Unterschiede sind gewaltig - besonders, wenn man Waren aus dem mittleren Preissegment einer genauerer Prüfung unterzieht. Die Untersuchungen des Verbraucherportals ergaben unter anderem, dass "Rewe Beste Wahl"-Produkte durchschnittlich um 73,3 Prozent teurer waren als ihre billigeren "Ja!"-Pendants. "Real,- Quality"-Waren fielen im Schnitt sogar um rund 110 Prozent teurer aus als die preiswerten "Tip"-Artikel vom gleichen Anbieter. "Dabei erhöhte sich aber nicht unbedingt die Qualität", ist in der Meta-Analyse zu lesen. "Häufig stammen sowohl Billig- als auch Mittelmarken-Produkte aus ein- und derselben Produktion." Der Mönchengladbacher Handeslexperte Gerrit Heinemann findet das nicht ungewöhnlich: "Wenn ein Kunde nicht vergleichen kann, weil es keinen Wettbewerber vor Ort gibt, dann kann ich auch einen höheren Preis nehmen. Und wenn Kunden dann nicht vergleichen, warum soll der Händler das nicht machen?"

Nachteile für das Geschäft hat die Preispolitik jedenfalls nicht. Die Eigenmarken werden insgesamt immer beliebter, ihr Anteil am Umsatz der großen Handelskonzerne wächst stetig. Auf etwa 20 Prozent beziffert der Mönchengladbacher Handelsexperte Gerrit Heinemann den Anteil im deutschen Lebensmittelhandel. "Ein ähnlicher Wert dürfte auch bei Non-Food erreicht werden", so Heinemann, der die Bedeutung der Eigenmarken weiter wachsen sieht: In den nächsten Jahren könne der Anteil auf 25 Prozent wachsen - wenn es den Konzernen gelinge, mit den Eigenmarken auch in höhere Preissegmente vorzudringen. Dazu muss dann aber auch die Qualität stimmen. " Deswegen betreibt zum Beispiel Lidl derzeit eine Qualitätsoffensive", sagt der Handelsexperte.

Wenn sich das alles bewahrheitet, wird es für die Markenhersteller immer schwieriger, mit ihren Produkten den Weg in die Supermarkt- und Discounter-Regale zu finden. Noch schneiden in der Analyse der Stiftung Warentest ausschließlich die klassischen Markenhersteller wie Knorr, Dr. Oetker oder Alete wirklich gut ab. Sie erhielten eine Durchschnittsnote von 2,05 - lagen mit ihren Noten also deutlich über den Eigenmarken der Supermärkte (siehe Grafik). Aber einfacher wird es nicht: "Sicherlich ist die Konzentration und Marktmacht tendenziell bei Handelskonzernen größer und vor allem den mittelständischen Herstellern tut die Macht der Konzerne weh", sagt Heinemann. Allerdings zeige sich immer wieder, dass "ein Händler auf starke Marken angewiesen ist und da kaum Verhandlungsspielraum hat - so wie man neulich wieder bei Real sehen konnte, wo die Kunden wegblieben, als wichtige Hersteller nicht lieferten."

Quelle: RP
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