| 07.42 Uhr

Glücksspielmarkt Deutschland, Teil 3
Mit drei Klicks ins Casino

Düsseldorf. Im Internet ist der Teufel los – der Spielteufel. Das World Wide Web hat sich binnen weniger Jahre zum größten Spielcasino der Welt entwickelt. Millionen Spieler sind jeden Tag im Netz unterwegs auf der Jagd nach dem großen Geld. Risiko eingeschlossen. Wer sich auf dieses Online-Abenteuer einlässt, sollte gut informiert sein. Im Netz gehen die Uhren anders. Von Klaus Krause

Legal oder illegal?

Streng genommen macht sich hierzulande jeder strafbar, der im Internet aktiv an Glücksspielen teilnimmt. Wie das? Nach § 285 StGB wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft, wer sich öffentlich an illegalem Glücksspiel beteiligt. Illegal, weil rund 95 Prozent der Betreiber von Online-Glücksspielen von deutscher Seite keine behördliche Erlaubnis besitzen. Diese Lizenz sei aber erforderlich, um staatlicherseits den mit dem Glücksspiel verbundenen Suchtgefahren vorbeugen zu können.

Der wahre Grund ist natürlich anderer Natur. Der Fiskus und seine staatlich zugelassenen Glücksspiel-Betreiber sehen im Internet ihre Felle davon schwimmen. Als illegal gilt, was die eigenen Steuererlöse beeinträchtigen könnte. Aber keine Bange. Spieler und Wettende, die im Internet fremd gehen, werden vom Gesetzgeber bisher nicht verfolgt. Es wäre auch ein schlechter Witz, wegen vermeintlich illegalen Glücksspiels Personen zu verfolgen, die auf der anderen Seite jederzeit willkommene Gäste in einer staatlichen deutschen Spielbank sind. Wichtiger für die Teilnehmer an Online-Glücksspielen und Sportwetten sind andere Fragen.

Im Dschungel der Geschäftsbedingungen

Wer sich an Online-Glücksspielen beteiligt, betritt eine andere Welt. Vieles daran ist zunächst neu und ungewohnt. Es fängt an mit der Registrierung. Prüfbare Personalien werden verlangt, Erklärungen zur Geldwäsche, ein Konto muss eingerichtet, das Startkapital überwiesen werden. Über diese und viele, viele andere Fragen wie Vertragsstörungen, Haftung, Gewährleistung, Datenschutz, Gerichtsstand usw. geben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Veranstalters Auskunft. Bei Kauf- oder Dienstleistungsverträgen innerhalb Deutschlands hat es sich eingebürgert, bei der Bestätigung der AGB einfach ein Häkchen zu setzen.

Bei Online-Glücksspielen hat man es aber überwiegend mit ausländischen Veranstaltern zu tun, die ihren Geschäftssitz vorwiegend auf der Mittelmeerinsel Malta, in der britischen Kronkolonie Gibraltar oder auf der Isle of Man haben. Für die Vertragsbeziehungen gelten die dortigen Gesetze. Wer Ärger oder böse Überraschungen vermeiden möchte, ist gut beraten, sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen genau anzusehen. Das erfordert Zeit und Konzentration, denn ihr Umfang beträgt manchmal umgerechnet 20 Seiten. Einige Veranstalter bieten auf Ihrer Website auch kurz gefasste Antworten in der Rubrik FAQ (Frequently Asked Questions). Aber die wirklich kritischen Fragen werden dort meistens übergangen.

Ein kleiner Leitfaden der wichtigsten Punkte
Wo befindet sich der Geschäftssitz des Veranstalters?
Welche Gerichtsbarkeit ist im Streitfall zuständig?
Welche Zahlungsmöglichkeiten werden angeboten? Bei welcher Bank wird mein Konto geführt?
Wie erfolgt die Gewinnauszahlung?
Wie ist der Veranstalter zu erreichen?
Sind bestimmte Dienstleistungen kostenpflichtig?
Sind Steuern, Abgaben oder Gebühren zu entrichten?
Wie ist der Datenschutz gewährleistet?
Was passiert, wenn der Veranstalter Konkurs anmeldet?

Riesenangebot an Glücksspielen

Dass Online-Glücksspiele einen Boom auslösen werden, war zu erwarten. Die Zahl der Anbieter ist mittlerweile aber derart gewachsen, dass ein Überblick kaum noch möglich ist. Suchmaschinen liefern zwar jede Menge Adressen, aber damit fängt die Arbeit erst richtig an. Was fehlt, ist eine Art Stiftung Warentest für Glücksspiele. Fürs Erste kann es reichen, die Fülle der Angebote in drei Kategorien zu sortieren, wobei viele Anbieter mehrere Kategorien abdecken:
1. Casinospiele
2. Sportwetten
3. Pferdewetten

Sportwetten sind eigentlich keine Glücksspiele, weil sie primär nicht vom Zufall abhängen. Aber der Gesetzgeber hat Rennwetten und Lotterien bereits1922 in einen Topf geworfen. Dabei ist es bis heute geblieben.

Las Vegas im PC

Beim Stichwort Casinospiele denkt jeder sofort an Las Vegas mit seinen strahlenden Palästen, den riesigen Sälen mit Roulette- und Baccarat-Tischen und den endlosen Reihen von Spielautomaten. Aber das ist alles Kleinkram gegenüber dem virtuellen Las Vegas im Internet. Das einzige, was in dieser Online-Welt noch fehlt, sind die Shows.

Dafür locken die Veranstalter mit Geld. Wer sich als Neukunde anmeldet und ein Konto einrichtet, bekommt zur Begrüßung seinen ersten Einzahlungsbetrag verdoppelt. Zurzeit sind das bis zu 100 Euro. Alle Glücksspiel-Websites bieten Demoversionen Zig verschiedener Spiele, die unter realen Bedingungen ohne Geldeinsatz getestet werden können. Zur Auswahl und zum Kennenlernen hier die Adressen einiger bekannter Casino-Betreiber (ohne Wertung und ohne Gewähr).
www.casino770.com, www.eurogrand.com, www.spinplace.com, www.casinoriva.com, www.crowneurope.com, www.winner.com, www.casinoelegance.com, www.casinoclub.com, www.intercasino.com, www.casinoeuro.com, www.casinoclub.com, www.sunmaker.com, www.stargames.com

Hilfreich für Einsteiger sind auch Websites, die in privater Initiative Testberichte veröffentlichen:
www.casinotestberichte.com, www.onlinecasinotest.com, www.casinopilot.net

Der Run auf Pokerturniere

Seitdem Pokerturniere im Fernsehen übertragen werden und der erst 22jährige Kölner Pius Heinz im November 2012 als Poker-Weltmeister (Gewinn 6,3 Millionen Euro) in der Öffentlichkeit gefeiert wurde, hat ein wahrer Run auf die Pokerturniere im Internet eingesetzt. Aber Vorsicht! Poker erfordert fundierte Kenntnisse, hohe Spielintelligenz, viel Erfahrung und eiserne Nerven. Gut beraten ist, wer vor dem Einstieg eine Online-Pokerschule besucht, um dort anhand von Videos die Spielregeln und die Umgangssprache zu lernen. Zwei bekannte Adressen hierzu::
www.pokerschule.de und www.pokerstrategy.com

Einige Online-Casinos haben sich auf Pokerturniere spezialisiert. Besonders bekannt geworden ist www.pokerstars.de, der größte Pokerraum der Welt. Was da täglich abgeht, illustriert eine fast unglaubliche Zahl: An einem normalen Montag im Februar um 22 Uhr waren bei pokerstars 260.028 Personen online. Zu diesem Zeitpunkt wurden gleichzeitig 8.846 Pokerturniere ausgetragen.

Weitere bekannte Adressen für Online-Poker (ohne Wertung und ohne Gewähr):
www.partypoker.com, www.poker770.com, www.williamhill.com, www.bwin.com, www.bet365.com, www.betfair.com, www.everestpoker.com, www.unibet.com, www.pokerheaven.com, www.titanpoker.com

Wetten beim Buchmacher

Wie bereits gesagt: Sportwetten sind kein Glücksspiel. Dass sie im Internet großen Zuspruch finden, verdanken sie ihren einfachen Regeln und den sicheren Quoten. Sportwetten sind so genannte Buchmacherwetten. Der Buchmacher garantiert dem Wettenden für jeden Spielausgang eine feste Gewinnquote. Der Wettpartner weiß im Voraus, wie viel Geld er im Gewinnfall zurück erhält.

Wie das System funktioniert, kann am Beispiel des deutschen Veranstalters www.tipico.com (Geschäftssitz auf der Insel Malta) dargestellt werden. tipico bietet auf seiner übersichtlich gestalteten Website ständig eine Vielzahl von Wetten aus mehr als einem Dutzend Sportarten an, von König Fußball angefangen (aktuell 4437 Wetten) bis hin zu Snooker (16 Wetten).

Bei der klassischen Fußballwette kann der Teilnehmer auf Sieg der Heimmannschaft, auf Unentschieden oder auf Sieg der Gastmannschaft wetten. Für das Spitzenspiel der 2. Bundesliga am 13. Februar zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt zahlte tipico zum Beispiel für einen Fortuna Sieg 2,40:1, bei einem Unentschieden 3,30:1 und für einen Frankfurter Sieg 3,00:1. Lukrativer war es einen Tag später in der Champions League bei Bayer Leverkusen gegen FC Barcelona trifft. Für einen Sieg der Leverkusener gab es 8,50:1, bei Unentschieden 4,50:1, bei einem Sieg von Messi & Co. aber nur 1,42:1.

Aber auch Livewetten, bei denen während eines Spiels noch auf das Endergebnis gewettet werden kann, zählen zum Programm. Das Prickelnde an Buchmacherwetten sind die unterschiedlichen Gewinnquoten unter den Anbietern. Die Fixquote für einen Sieg von Bayer Leverkusen im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund reichte beispielsweise von 5,00:1 bei Oddset bis zu 8,00:1 bei tipico und williamhill.

Pferdewetten weltweit Nummer 1

Die Pferdewette ist die Mutter aller Sportwetten. Als Fußball noch in den Kinderschuhen steckte, strömten schon Zehntausende Zuschauer auf die Pferderennbahnen, um dort Wetten abzuschließen. Auch heute noch verzeichnen Pferdewetten weltweit den höchsten Umsatz unter den Sportwetten. Typisch für den Pferderennsport ist die so genannte Totalisatorwette. Gewettet wird hier nicht gegen den Buchmacher, sondern untereinander.

Die Einsätze wandern alle in einen Pott, der dann nach einem bestimmten System unter den Gewinnern aufgeteilt wird. Im einfachsten Fall der Wette auf Sieg errechnet sich die Quote für ein bestimmtes Pferd als Quotient aus der Nettosumme aller Einsätze und der Summe der Einsätze auf das gesetzte Pferd. Beispiel: Bei einem Rennen wurden insgesamt 60.000 Euro gewettet, davon 16.000 auf das siegreiche Pferd. Netto kommen 56.000 Euro zur Auszahlung. Die Gewinnquote errechnet sich aus 56.000 : 16.000 = 3,50. Wer 30 Euro auf das siegreiche Pferd gesetzt hat, erhält 105 Euro ausgezahlt (3,50 x 30).

Einen guten Einstieg in die faszinierende Welt der Online-Pferdewetten bietet die Website von www.winrace.de. Win Race ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg, das sich auf Pferdewetten spezialisiert hat. Rund um den Globus finden täglich bis zu 500 Pferderennen statt mit 4000 bis 5000 Startern. Bis zum Start der Rennen können Wetten platziert werden. winrace informiert aktuell über die Form der Pferde, über ihre Siegchancen und die voraussichtliche Siegquote (Eventualquote).

Die meisten Rennen werden auf der Website per Livestream übertragen, Ergebnisse und Quoten unmittelbar nach dem Zieleinlauf übermittelt. Neben den klassischen Wetten auf Sieg, Platz oder Einlauf stehen auch noch besonders hoch dotierte Spezialwetten auf dem Programm. Dem Gewinner von Quinté+, einer täglich veranstalteten Wette aus unserem pferdesportbegeisterten Nachbarland Frankreich, winken mehr als 1 Million Euro.

Die letzte Folge der Artikelserie über den Glücksspielmarkt Deutschland wird sich mit dem Thema "Spielsucht - Ursachen, Prävention, Therapie" beschäftigen.

(chk)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Glücksspielmarkt Deutschland, Teil 3: Mit drei Klicks ins Casino


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.