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Zahlen des Statistischen Bundesamts
Überschuldung ist meist einfach Pech

Schulden: Überschuldung ist meistens einfach Pech
Für viele Betroffene ist der Weg in die Privatinsolvenz die letzte Chance. FOTO: dpa, his hpl tmk
Düsseldorf. Eine überraschende Kündigung, ein schwerer Unfall, der plötzliche Tod des Partners: Wer in Deutschland unter hohen Schulden ächzt, kann häufig nichts für die schwierige finanzielle Situation. Dies belegen neue Statistiken.

Die verbreitete Meinung "Wer überschuldet ist, ist selbst schuld" sei falsch, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Dieter Sarreither, am Freitag in Berlin. Im vergangenen Jahr sei jeder fünfte Kunde (19 Prozent) einer Schuldnerberatungsstelle wegen des Verlusts des Arbeitsplatzes in die Misere gerutscht.

15 Prozent waren wegen gesundheitlicher Probleme überschuldet. Nahezu ebenso groß (14 Prozent) war der Anteil derer, die wegen einer Trennung oder des Tods des Partners hohe Schulden machten. "Es fällt auf, dass in der Regel unplanbare und gravierende Änderungen der Lebensumstände als Hauptauslöser genannt werden, die außerhalb der unmittelbaren Kontrolle der Überschuldeten liegen", sagte Sarreither.

Nur 11 Prozent können nicht mit Geld umgehen

Die Zahlen basieren auf Einschätzung der Schuldnerberater. Nur nahezu jeder zehnte Überschuldete konnte demnach nicht mit Geld umgehen: 11 Prozent häuften wegen unangemessenen Konsumverhaltens Schulden an.
Bei 7 Prozent der Überschuldeten sei die auf lange Sicht unzureichende Einkommenssituation trotz einer wirtschaftlichen Haushaltsführung der Grund für die Schwierigkeiten gewesen.

Insgesamt suchten 2015 rund 647.000 Privatleute professionelle Unterstützung bei den rund 1400 Schuldnerberatungsstellen. Die Zahl der tatsächlich Überschuldeten in Deutschland dürfte jedoch um ein Vielfaches höher liegen: Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände sind bundesweit 3,1 Millionen Haushalte überschuldet, in denen 6 bis 7 Millionen Menschen leben.

34.400 Euro Schulden im Schnitt

Nach Angaben des Statistikamts häuften die Betroffenen im Durchschnitt 34.400 Euro Schulden an. Das entspricht etwa dem 33-Fachen ihres monatlichen Nettoeinkommens von durchschnittlich knapp 1034 Euro. 18- bis 24-Jährige standen im Schnitt mit 7900 Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide, bei den 45- bis 54-Jährigen lag die durchschnittliche Schuldenlast bei 51.100 Euro.

Wichtigste Gläubiger waren Banken: Ihnen standen insgesamt 44 Prozent der Schulden zu. Mit größerem Abstand folgten öffentliche Gläubiger wie Finanzämter und Inkassobüros.

Auffallend sei, dass alleinlebende Männer überproportional häufig unter einer massiven Schuldenlast litten, sagte Sarreither. Sie stellten 30 Prozent der Kunden der Beratungsstellen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt jedoch nur 18 Prozent. Ebenfalls stark vertreten sind alleinerziehende Frauen. Bei einem Bevölkerungsanteil von 6 Prozent machten sie im vergangenen Jahr 14 Prozent der beratenen Kunden aus.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Große Unterschiede stellten die Statistiker zwischen Stadt und Land fest: Überschuldete in Großstädten hatten Verbindlichkeiten von durchschnittlich 34.800 Euro. Betroffene, die auf dem Land wohnen, standen mit im Schnitt 24.900 Euro in der Kreide. Letztere hatten häufig Schulden bei Versandhändlern und Energieunternehmen. In der Stadt waren Schulden aus Dispokrediten und bei Inkassobüros weit verbreitet.

(dpa)
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