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Original Unverpackt
Zu Besuch im ersten Supermarkt ohne Verpackungen

So sieht der erste Laden ohne Verpackung aus
So sieht der erste Laden ohne Verpackung aus FOTO: Daniel Fiene
Berlin. Von ihrem Erfolg waren die Jungunternehmerinnen überrascht: Ihnen fehlten 20.000 Euro, doch über das Netz sammelten sie über 100.000 Euro für ihre Start-Up Idee: Ein Supermarkt ohne Verpackungen. Jetzt hat der Laden in Berlin eröffnet. Wir haben vorbei geschaut. Von Daniel Fiene

Milena Glimbovski steht hinter dem Tresen ihres Supermarktes. Am vergangenen Samstag war die Eröffnung von dem kleinen Laden in Berlin Kreuzberg. Sie bedient eifrig die Kunden, die ihre frischen Waren in mitgebrachten Verpackungen mit nach Hause nehmen möchten. Während sie die Einkäufe wiegt, flüstert eine Mitarbeiterin, dass der Adrenalin-Pegel immer noch sehr hoch liege. Neben den Kunden schauen regelmäßig Journalisten vorbei und auch andere Geschäftsleute kommen unangekündigt. Sie interessieren sich für Franchising. Tatsächlich wollen die Gründerinnen Milena Glimbovski und Sarah Wolf langfristig ihr Konzept an andere Unternehmer lizensieren.

Kein Wunder: Die Idee und die Crowdfunding-Aktion haben im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Doch der erste Blick in den fertigen Laden zeigt: Es ist am Ende doch ein normaler Supermarkt. Hohe Decken, viele Fliesen, simple Regale in denen die Produkte in großen Behältern angeboten werden. Die Kunden wiegen zu Beginn ihre mitgebrachten Behälter, füllen sie mit den Lebensmitteln und bezahlen das Gewicht am Ende an der Kasse.

Keine Kondome, dafür Whiskey

"Original Unverpackt"-Mitarbeitern Sarah Boeck erzählt, dass es für einige Produkte gar nicht so einfach war, sie ohne Verpackung in das Sortiment aufnehmen zu können. Für Whiskey ist schließlich eine Lösung gefunden worden, während Kondome nicht in die Palette aufgenommen werden konnten. Wer seinen Chardonnay kaufen möchte, zapft diesen aus einem Holzfass ab. 

Obwohl der Laden erst einige Tage geöffnet hat, bewegen sich die Kunden im Laden, als ob sie nichts anderes gewohnt sind. Wie selbstverständlich ziehen zwei junge Studenten ihre Tupperdosen aus dem Rucksack und füllen ihren Wocheneinkauf ab: Nudeln, Cornflakes, Gewürze, und der Griff in die Gemüsekiste fehlt auch nicht. 

Beobachtet man die Kunden, kann dies ein faszinierendes Schauspiel sein: Der typische Berliner Kreuzberg-Hipster steht vor den Produkten, schaut, riecht und setzt sich mit den Lebensmitteln richtig auseinander. Während die Mutter mit dem Baby in der Umhängetasche mit der Freundin vor dem Süßigkeiten-Regal plauscht, kommt der Selbstständige Single vorbeigeradelt, um eben schnell ein paar Bio-Eier und frische Milch zu holen. Alles ganz normal. 

Funktioniert dieses Konzept auch außerhalb von Berlin Kreuzberg? Die Unternehmerinnen Milena Glimbovski und Sarah Wolf setzen darauf. Dazu müssen aber genug Kunden bereit sein ihre Einkäufe genau zu planen, um entsprechende Verpackungen schon von zu Hause mitzubringen. Die Dosen lassen sich bei Spontaneinkäufen zwar auch im Laden kaufen, aber sind deutlich teurer als die Plastiktüte im Supermarkt. Ob die Bequemlichkeit eines normalen Supermarkts am Ende den Kunden nicht doch überzeugt? Wenn das Umweltgewissen vieler Kunden stärker ausgeprägt ist, könnte dann vielleicht auch schon in Ihrer Nähe einen "Original unverpackt"-Laden eröffnen.

Eindrücke aus dem ersten "Original Unverpackt"-Laden, gibt es hier.

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