| 14.43 Uhr
Biosphärenzentrum in Münsingen
Alb-Cowboy und Schneckenzüchter
Das Biosphärenreservat in der Rhön
Das Biosphärenreservat in der Rhön FOTO: dapd
Düsseldorf (RP). Stopp! Erst Pantoffeln anziehen! Der Hinweis gilt nicht einer Kinderschar mit schmutzigen Gummistiefeln, sondern den Besuchern des Biosphärenzentrums in Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Von Petra S. Hardt

Die überdimensionalen Filzpuschen liegen griffbereit am Boden. Schlurfend treten die Gäste ins Innere des Kreises, den Blick fest auf den Boden gerichtet, auf die großformatige, gestochen scharfe Satellitenaufnahme des "Biosphärengebietes Schwäbische Alb".

Sie ist das Zentrum einer Ausstellung über das erste Biosphärenreservat in Baden-Württemberg, das 2009 als einzigartige Kultur- und Naturlandschaft von der Unesco ausgezeichnet wurde. Sie gibt einen Vorgeschmack auf die landschaftlichen Schönheiten mit den charakteristischen Hang- und Schluchtenwäldern in tiefen Tälern, auf schroffe Felsen, eine weite Wacholderheidelandschaft und auf das größte Streuobstwiesengebiet Europas.

Die Informationen sind spielerisch und spannend verpackt. Eine Entdeckungsreise führt über mehr als 30 interaktive Ausstellungsstationen zu Sehenswürdigkeiten, Mythen, Sagen und Traditionen, Dörfern und Städten. Wichtigster Begleiter: ein Kopfhörer. Denn überall gibt es etwas zu hören: Auf "sprechenden Steinen" die Geschichte der Alb, am Stammtisch das Geschwätz der Älbler, am Köhlerhaufen die Waldmärchen oder aus einem Baum den Herrn Merkle als Landschaftsführer und Biosphärenbotschafter. Die Hauptdarsteller in Film, Ton und auf Fotos sind Menschen aus der Region. Zum Beispiel Alb-Cowboy und Büffelzüchter Willi Wolf oder die Schneckenzüchterin Rita Goller.

Truppenübungsplatz als Keimzelle

In der Realität ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz bei Münsingen die Keimzelle des Projekts. Das Barackenlager der Truppenunterkünfte blieb in seiner äußeren Gestalt nahezu unverändert erhalten. Zwei der denkmalgeschützten Gebäude (Zielbaukommandobaracke und Wachgebäude) wurden aufwendig saniert und umgebaut und beherbergen die Dauerausstellung "Biosphärenzentrum Schwäbische Alb". Wo einst Panzer rollten, weiden heute Schafe. Als Sperrbezirk blieb das Gelände von Straßenbau, Besiedelung, intensiver Landwirtschaft und Flurbereinigung weitgehend verschont. So konnten sich Flora und Fauna nahezu ungestört entwickeln.

Das Gelände mit strengen Schutzauflagen für Landschaft, Tiere und Pflanzen darf auf gekennzeichneten Wegen zu Fuß oder mit dem Rad erkundet werden. Ein beliebtes Ziel ist das "Geisterdorf" Gruorn, das anlässlich der Erweiterung des Truppenübungsplatzes 1937 geräumt werden musste. Heute stehen und liegen dort nur noch die kleine Stephanuskirche samt Friedhof, das alte Schulhaus und einige Gärten. Ehemalige Beobachtungstürme, der höchste misst 42 Meter, werden als Aussichtspunkte genutzt.

"Die Alb ist wie eine spröde Geliebte, die erobert werden will", erklärt Gisela Sautter in einer Verschnaufpause am Nordrand des Biosphärengebiets auf dem Weg zur Limburg. Sie ist eine von 13 Gästeführerinnen der "Schwäbischen Landpartie" und unternimmt mit Urlaubern Wanderungen und Exkursionen, zu traditionellen Handwerkern wie Korbmachern oder zum "Marmorkugel-Müller", wandelt auf kulturgeschichtlichen Pfaden oder spaziert durch die "Schwäbische Savanne" im Alb-Vorland, wie die lichten Streuobstwiesen mit den mächtigen alten Bäumen auch genannt werden.

Urgetreide wie Emmer, Einkorn und Dinkel

Seit 1976 zeichnet die Unesco einzigartige Natur- und Kulturlandschaften mit dem Prädikat Biosphärenreservat aus. Weltweit gibt es 580 Biosphärenreservate, 15 davon in Deutschland. Sie pflegen ökologische Landwirtschaft und sanften Tourismus. Auf den Feldern im Biosphärengebiet reifen wieder Alb-Leisa (Alblinsen) und Urgetreide wie Emmer, Einkorn und Dinkel. Früchte der Streuobstwiesen werden nicht nur zu Säften, sondern auch zu edlen Bränden, Likören und Schaumweinen vergoren. Schafe haben durch Büffel Konkurrenz bei der Landschaftspflege bekommen.

Engagierte Gastronomen und Hoteliers haben sich zur Gemeinschaft der Biosphärengastgeber zusammengeschlossen. Die "Albhof-Tour" leitet Wanderer, Radler und Reiter von Bauernhof zu Bauernhof. 18 Höfe engagieren sich, einige bieten Übernachtungs-Möglichkeiten in urigen Schäferkarren, Ferienwohnungen oder im Bio-Hotel.


Info:

Allgemein Das Biosphärenreservat Schwäbische Alb liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart und dehnt sich von Nord nach Süd über 40 Kilometer aus, vom Alb-Vorland über Albtrauf und -hochfläche bis an die Donau.
Informationszentrum Dauerausstellung Biosphärenzentrum Schwäbische Alb, Von der Osten Str. 4, in 72525 Münsingen, Tel. 07381/932938-31, www.biosphaerengebiet-alb.de und www.biosphaerenzentrum-alb.de; Dort gibt es auch Hinweise auf Infozentren und Tourist-Informationen im Biosphärengebiet sowie den GeoPark Schwäbische Alb.
Öffnungszeiten Biosphärenzentrum, tgl. außer Di, bis zum 31.Oktober 10-18 Uhr, ab 1. November 10-16 Uhr; Eintritt: Erw. 4 Euro, erm. 3 Euro, Kinder (7-15 Jahre) 2 Euro, Familien (2 Erw. + Kinder) 10 Euro.
Termine Wanderungen, Exkursionen, Ausflüge mit Führern des Truppenübungsplatzes organisiert die Tourist-Information Münsingen (Tel. 07381-182-145); Gästeführerinnen der "Schwäbischen Landpartie" vermittelt Christel Mühlhäuser, Tel. 07161/12559.
Wanderungen von Bauernhof zu Bauernhof mit der "Albhof Tour", Pauschalarrangements mit Unterbringung, Vollpension, Transfers und Gepäcktransport, Ausflugs- und Aktivprogramm auf den Höfen und in der Natur; Kontakt: Pia Münch, Tel. 07373/915218.
Naturschutzzentrum Schopflocher Alb in Lenningen-Schopfloch, Tel. 07026/950120. Öffnungszeiten: noch bis 31. Oktober Di-Sa 10-17, So 11-17 Uhr, Mo geschlossen.
Transport Mit dem Rad- und Wanderbus auf einer Schleife durch das Biosphärengebiet, von Oberlenningen über Gutenberg auf die Albhochfläche. (www.vvs.de/os) Oder mit dem Biosphärenbus des Landkreises Reutlingen, der direkt am Biosphärenzentrum hält. Auskünfte dazu unter www.naldoland.de

Quelle: RP
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