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Reiseinfos
Astana - Stadt der Rekorde

Spektakuläre Bauprojekte zeichnen die kasachische Hauptstadt aus. Dafür lieben viele Bewohner ihren Präsidenten, der immer neue Superlative erschafft. Von Dirk Engelhardt

Mit Borat, der sich in seinem Kinofilm im Jahr 2006 über die ach so hinterwäldlerischen Kasachen lustig machte, hat man sich heute weitgehend versöhnt. Als der Film in Europa in die Kinos kam, wurde er in Kasachstan auf die schwarze Liste gesetzt. Sogar die Internetseite von Schauspieler Sacha Baron Cohen wurde gesperrt. Sechs Jahre später bedankte sich Kasachstans Außenminister überraschend bei Borat. Denn der Film hatte dem aufstrebenden Land einen unerwarteten Tourismusboom beschert. Die Zahl der Visaanträge verzehnfachte sich. Man sollte sich aber überlegen, ob man im Winter einreist, denn Astana ist die kälteste Hauptstadt der Welt - es wird bis zu minus 52 Grad kalt.

Ein weiterer Rekord dürfte die Zahl der Baukräne sein. Wenn man vom Flughafen in Richtung Stadt fährt, kommt es einem vor, als ob ganz Astana eine einzige Baustelle wäre. Die meisten Bauprojekte sind zehn- bis 15-stöckige Wohnhäuser, gewerbliche Bauten sucht man fast vergebens. Nach einigen Kilometern kommt man in die Innenstadt, die weitgehend fertig bebaut ist. Astana, der Name bedeutet übrigens "Hauptstadt", hat eine interessante Geschichte. Bis 1961 hieß die Stadt Akmolinsk und gehörte zur Sowjetunion. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1992 erhielt sie ihren alten kasachischen Namen zurück, Akmola. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt rund 300.000 Einwohner. Dann begann der rasante Aufstieg Astanas und mit ihm setzte der Bauboom ein.

"Diese Seite von Astana, nördlich des Jessil, nennen wir die Altstadt", erklärt die 20-jährige Studentin Akerke Dinzhumanova. Südlich des Flusses liegt die Neustadt, wo kein Haus älter als 20 Jahre ist. Aber auch in der "Altstadt" gibt es kaum Häuser, die vor mehr als 40 oder 50 Jahre gebaut worden sind. Dinzhumanova ist, wie fast alle Bewohner Astanas, unglaublich stolz auf ihre Stadt - und auf den Präsidenten des Landes. Nursultan Nasarbajew beschloss 1997 in einem Handstreich, Astana zur Hauptstadt zu machen - und legte gleichzeitig einen 97 Meter hohen Turm an, dessen Spitze eine goldene Kugel krönt. Sie liegt in einem Geäst aus weißen Metallstangen und soll die Legende des mystischen Wundervogels Samruk verkörpern, der sein goldenes Ei auf einem Baum ablegte. An der Spitze des Turms arbeitet Nasarbajew an seiner eigenen Mystifizierung: Denn wer seine rechte Hand in den goldenen Handabdruck des Präsidenten legt, hat einen Wunsch frei. Dementsprechend groß ist der Andrang der Kasachen.

Dass die touristische Infrastruktur allerdings noch in den Kinderschuhen steckt, merken Besucher daran, dass es weder an dem bekanntesten Wahrzeichen noch an anderen Orten der Hauptstadt Postkarten oder Souvenirs zu kaufen gibt. An Einkaufszentren herrscht dagegen kein Mangel. Sie werden rund um die Uhr auf Hochglanz geputzt, eines hat sogar einen Strand mit Meeresschwimmbad im Obergeschoss. "Wir schauen uns andere Städte an und kopieren von überall das Beste", sagt Dinzhumanova. So entdeckte Astana auch sein Verleihsystem für Fahrräder, die an vielen Straßenkreuzungen mit einer Plastikkarte entliehen werden können. Auch Radwege wurden angelegt. Allerdings bleiben sie bisher weitgehend ungenutzt. Die Kasachen fahren lieber Auto.

An weiteren Prestigebauten wie dem Turm mit der goldenen Kugel wurde in der Stadt der Rekorde indes nicht gespart - nur das Beste ist gut genug für Astana. Durch den immensen Rohstoffreichtum des Landes kann die Regierung in Astana klotzen. Die Skyline kann es mit der von Chicago aufnehmen. Es gibt eine neue Oper, die der Mailänder Scala in nichts nachsteht. Sie wurde mit Wandgemälden von italienischen Meistern geschmückt und ihr 1600 Kilogramm schwerer Kronleuchter ist aus böhmischem Kristall gefertigt.

Stararchitekt Norman Foster baute eine gläserne Pyramide und das "Khan Shatyr" - mit 150 Metern das höchste Zelt der Welt. In dem riesigen Kegel mit dem schrägen Mast gibt es Shops, Cafés, Kinos, mehrere Ebenen mit grünen Terrassen und einen Wasser-Park. Auch die größte Moschee Zentralasiens liegt in Astana. Die Hazrat Sultan Mosque bietet Platz für 10.000 Gläubige. Studentin Dinzhumanova, die selbst Muslimin ist, legt aber Wert auf die Feststellung, dass in Astana "viele Religionen friedlich nebeneinander leben".

Rekordverdächtig geht es gerade auch auf der neuesten Baustelle der Stadt zu, wo die Bauten für die Expo 2017 entstehen. Kasachstan präsentiert einen Pavillon in Form einer riesigen Kugel - natürlich der größten der Welt. Der nächste Rekord. Denn das ist in Astana gerade genug.

Quelle: RP
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