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Hawaii - USA
Big Island: Schlaraffenland für Rinder und Boys

Waimea (rpo). Im Norden Big Islands zeigt sich Hawaii von einer anderen Seite als die üblichen Klischees. Hier leben Kühe, viele Kühe und zu Kühen gehören in den USA auch die Cowboys.  Wer hier lebt oder Urlaub macht reitet nicht auf Wellen, sondern erkundet auf dem Rücken der Pferde die Höhen zwischen den Vulkanen Kohala und dem 4.208 Meter hohen Mauna Kea. Durch den Passatwind geht immer ein frisches Lüftchen und so sind die Hänge mit dem saftigen Gras ein Paradies für Rinder und Kuhjungen.  

Nach dem von amerikanischen Plantagenbesitzern angezettelten Sturz von Königin Liliuokalani gehört Hawaii seit 1898 zu den USA. Und da sind "Kuhjungs" bekanntlich niemals weit, wo immer Rinder weiden. Braungebrannte Surfer in Aloha-Hemd und Blümchen-Shorts sind im Ranching-Zentrum Waimea die Ausnahme. In den grünen Highlands begann Hawaiis Cowboy-Tradition um 1800 - gut 50 Jahre bevor im Wilden Westen Lassos ausgerollt wurden.

Keoki Wood sieht ein bisschen wie John Wayne aus: blond und stattlich, mit breiten Schultern, blauen Augen und großem Hut mit breiter Krempe. Raubein Keoki ist einer von zwölf Paniolos, die für Waimeas größte Rinderfarm, die Parker Ranch, arbeiten. Paniolo ist Hawaiian für "espanol" (spanisch), erklärt Keoki. So wurden hier die ersten Cowboys genannt, die King Kamehameha 1832 aus Mexiko ins Land holte, um marodierende Rinderherden in den Griff zu bekommen.

Cowboy-Vater: John Palmer Parker

Dabei hatte es George Vancouver, der 1778 mit James Cook Hawaii für die westliche Welt entdeckte, gut gemeint mit seinem Gastgeschenk an den König. Bei einem Zweitbesuch brachte der Kapitän acht Langhorn-Rinder mit. Damit sich die Tiere schnell vermehrten, ordnete der König an, sie streunen zu lassen. Doch die verwilderten Ungetüme fraßen den verängstigten Hawaiianern bald die Grasdächer über den Köpfen weg. Einem schlecht gelaunten Stier im Dunkeln zu begegnen, konnte lebensgefährlich sein. Der Amerikaner John Palmer Parker war der erste, den Kamehameha mit der Jagd auf die Rinder beauftragte.

Als Lohn behielt der mit seiner Muskete auf Hawaii hängen gebliebene Seemann die besten Zuchttiere für sich, heiratete eine hawaiianische Prinzessin und startete eine Ranching-Dynastie. Dank seiner blaublütigen Ehefrau durfte er große Ländereien erwerben, und seine 1847 gegründete Ranch wuchs zu Hochzeiten bis auf 910 Quadratkilometer. Damit war Parkers Imperium streckenweise die größte von einem Privatmann besessene Rinderfarm in den USA.

35.000 Rinder und eine Kunstsammlung

Auch wenn die Ranch heute etwas kleiner ist, können Cowboy-Ponys bei den enormen Entfernungen schon mal schlapp machen. Darum haben Keoki und Kollegen jeder gleich sechs Pferde plus ein vierrädriges All-Terrain-Vehikel zur Verfügung, um rund 35.000 Rinder und 250 Mustangs zu hüten. Inzwischen verwaltet ein Trust den Betrieb, einschließlich der zwei historischen Farmhäuser.

Mana Hale, ein kleines Cottage aus kostbarem Koa-Holz, war das erste Heim des Parker-Clans. Das mondäne zitronengelbe Herrenhaus Puuopelu wurde 1862 gebaut und beherbergt heute die Kunstsammlung des 1992 verstorbenen letzten Besitzers. Richard Smart war nicht nur ein mächtiger Rinderbaron, sondern auch gefeierter Broadway-Schauspieler.

Schlaue Rinder

An jeder Ecke stolpert man in Waimea über die Parker Ranch. Teile des Ortes liegen sogar auf Ranchland. Zweimal im Jahr findet ein Parker Ranch Rodeo statt. Ein Parker Ranch Shopping Center gibt es hier, einen Parker Ranch Andenkenladen und natürlich ein kleines Geschichtsmuseum. Schwarzweißfotos von schwimmenden Kühen sind dort ausgestellt, die links und rechts an Rettungsboote angeleint sind und dann mit Bauchschlingen auf wartende Dampfschiffe gehievt werden.

Zeitweise deckte die Ranch ein Drittel des gesamten Fleischbedarfs der Inseln. Und noch bis vor kurzem, so ist nachzulesen, seien Rinder auf diese abenteuerliche Weise zum Schlachthof verfrachtet worden. Kein Wunder, dass sich die armen Viecher bei diesen trüben Aussichten nicht gern aus ihrem sonnigen Paradies wegfangen ließen. Ganz gewiefte Exemplare halten sich angeblich noch immer im Tropen-Dickicht versteckt. "Unsere Rinder sind schlau", sagt Keoki stolz und zwinkert mit den Augen. "Schlauer als mancher Cowboy."

Ausritte zu den wilden Rindern

Vor dem Museum startet die Kohala Carriage Kutschentour von Isaac Haworth. Zwei schnaubende Kaltblüter ziehen einen Planwagen vorbei an steinernen Korrals und Pferdeställen. Die durchgeschüttelten Passagiere fühlen sich ein bisschen wie auf Safari. Aber von wilden Rindern keine Spur auf dieser wenig spektakulären Tour.

Hoch zu Ross sind die Chancen vielleicht besser: "Cowboys of Hawaii" bieten Ausritte über das Ranchgelände an. Hier bekommt man tatsächlich Kühe zu sehen, allerdings nur die domestizierte Sorte. Im Trab geht es über die weiten Hügel. Kakteen wachsen zwischen den Präriegräsern. Beinah könnte man vergessen, dass man nicht durch Texas reitet, sondern über eine polynesische Trauminsel mitten im Stillen Ozean. Wenn da nicht der Stallbursche wäre, der das Pferd wieder an den Zügeln entgegennimmt und dann als Abschiedsgruß seinen Cowboyhut lüftet - mit bunten Hibiskusblüten bedruckt und zu besonderen Anlässen mit einer duftenden Blumengirlande bekränzt.

(gms)
 
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