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Altmark
Wenn Sie im Urlaub niemanden sehen wollen

Havelberg. Die Altmark ist nicht gerade eine aufstrebene Region, viele Menschen ziehen weg. Die Tourismuswirtschaft macht aus der Not eine Tugend - und wirbt mit Ruhe und Einsamkeit. Von Nicole Jankowski

Die Stiefel graben sich in den tiefen Schnee am Havelufer in Schollene bei Havelberg in Sachsen-Anhalt. Das Wasser schwappt an Land, Bäume säumen die gegenüberliegende Flussseite, ein Hausboot fährt vorbei. Teilen muss man diesen Ort nur mit ein paar Einheimischen, die bei wolkenlosem Himmel die Abendsonne genießen.

Nicht umsonst wirbt die dünn besiedelte Region mit dem Slogan "Wenn Sie mal niemanden mehr sehen wollen". Gerhard Faller-Walzer von der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark drückt es so aus: Das Weite und Ruhige der Gegend zwischen Salzwedel und Stendal sei ein Pfund, mit dem man wuchern müsse. "Grüne Wiese mit Zukunft" heißt die Kampagne, die nicht nur Touristen, sondern auch Investoren und Neubürger in die Altmark locken möchte. Ein Motiv zeigt einen Angler, der ganz allein am Ufer hockt. Diese Art der Selbstironie erntete viel Kritik. Doch Faller-Walzer weiß: "Gerade bei gestressten Großstädtern kommt das an." Warum also nicht mal Arendsee statt Bodensee? Der Luftkurort im Nordwesten der Altmark schmiegt sich an den größten natürlichen See Sachsen-Anhalts. Mit dem Fahrrad lässt sich das Gewässer in einer guten Stunde umrunden. Der Weg führt durch idyllische Wälder aus Schwarzerlen, Eichen und Kiefern. Stetiger Begleiter ist ein würziger Duft in der Nase. Kleine Stege und Buchten laden dazu ein, die Füße baumeln zu lassen. Und die Seele dazu.

An einer solche Stelle entstand auch das Angler-Motiv der Tourismuskampagne. Der bekannteste Fischer vom Arendsee ist allerdings Wilfried Kagel vom Maränenhof in Zießau. "Was darf's sein, meine Gute?", fragt der 74-Jährige. Fangfrisch genießt der Gast den goldgelben Räucherfisch im schattigen Garten. Auch für Sarah Selzer und Robert Neumann aus Rostock ein Muss. Das junge Pärchen macht Urlaub im Bungalow der Eltern in Schrampe. Heute steht eine Rundfahrt mit der "Queen Arendsee" auf dem Programm. Start und Ziel ist das Strandbad des Ortes, mit Sandstrand und Riesenrutsche.

Als lebendiges Städtchen präsentiert sich Salzwedel, 15 Minuten von Arendsee entfernt. Die Hansestadt prägen 570 Fachwerkhäuser entlang der mittelalterlichen Gassen. Unweit vom Schollener Strand lockt Havelberg mit seiner historischen, schmuck restaurierten Stadtinsel.

Auch Tangermünde am Ufer der Elbe hat sich herausgeputzt. Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert bilden im Altstadtkern einen reizvollen Kontrast zu Denkmälern der Backsteingotik und der herrschaftlichen Burganlage. Mit Blick auf eines der mächtigen Stadttore genießt man ein kühles Kuhschwanzbier, eine Tangermünder Spezialität. Ein paar Straßen weiter zieht Kaffeeduft aus der örtlichen Rösterei in die Nase. Auch auf dem Rathausplatz kann man es sich gemütlich machen und die Zeit damit vertreiben, die Störche auf den Spitzen des Rathauses zu zählen.

Nicht überall zeigt sich die Altmark so idyllisch. In manchen Dörfern blättert Farbe von den Häusern, die Straßen sind noch gepflastert, nicht geteert. Viele große Gehöfte stehen leer und sind verfallen. Auch der "Klosterkrug" in Kloster Neuendorf bei Gardelegen hat schon lange keine Gäste mehr. Ein Besuch in dem kleinen Örtchen lohnt sich dennoch.

(dpa)
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