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Reisen wie Harry Potter
Mit dem Hogwarts-Express durch die schottischen Highlands

Reisen wie Harry Potter: Der Jacobite Steam Train
Reisen wie Harry Potter: Der Jacobite Steam Train FOTO: dpa, pla
Fort William. Jeder der Harry Potter gesehen hat kennt ihn: den eindrucksvollen Hogwarts-Express, der von Gleis 9 3/4 am Kings-Cross Bahnhof abfährt. Außerhalb von Harry Potter ist der Zug als Jacobite Steam Train bekannt und fährt seit über 30 Jahren durch die schottischen Highlands. Er ist der letzte schottische Dampfzug und befördert Eisenbahnliebhaber, Touristen, Technikfreaks und Harry Potter Fans aus aller Welt.

Peter James lässt das Feuer nicht aus den Augen. Es brennt glutrot in der schwarzen Lokomotive des Jacobite Train. "Die Flamme darf nicht ausgehen, dann haben wir ein Problem", sagt James, der den historischen Dampfzug befeuert. Gut dreieinhalb Tonnen Kohle wird er geschaufelt haben, wenn der Zug am Abend wieder in den Bahnhof von Fort William eingefahren ist.

Ein Spektakel ist es schon, wenn die Bahn in der Station der größten Stadt der westlichen schottischen Highlands steht. Es pfeift und zischt auch im Nieselregen, immer wieder hüllt der Wind die neugierigen Passagiere in Dampfwolken ein. Die meisten gehen lange vor Abpfiff an Bord.

Eisenbahnliebhaber aus aller Welt sitzen in den sieben Waggons, Technikfreaks und Touristen, die auf ungewöhnlichem Weg durch die einzigartigen schottischen Highlands fahren wollen. Und dann sind da noch die Harry-Potter-Fans. Der Jacobite ist nämlich der Zug, der in den Filmen über den weltberühmten Zauberlehrling den Hogwarts Express darstellt. Jenen Zug, der vom Gleis 9 3/4 des Londoner Bahnhof King's Cross abfährt und die Zauberschüler im Internat Hogwarts abliefert.

"Einmal im Jahr kommt eine Gruppe von Amerikanern, die sich wie die verschiedenen Charaktere aus dem Buch verkleiden, in voller Montur in den Zug", sagt Florence. Sie ist der Guard im Jacobite, und das schon seit 19 Jahren. "Mein Job ist es, auf den Zug und die Passagiere zu achten", sagt die blonde Frau. Und zwar in dieser Reihenfolge.

Die Highlands in Schottland FOTO: tmn

Vom späten Frühjahr bis in den Herbst hinein fährt der Zug die rund 40 Meilen von Fort Williams nach Mallaig, einem der westlichsten Fischerdörfer Großbritanniens. Von dort aus starten die Fähren, die nach Skye und auf die kleinen Inseln der Inneren Hebriden fahren. Ansonsten ist in dem Dorf nicht viel los - die eineinhalb Stunden Aufenthalt reichen, um jedes Haus mehrfach gesehen zu haben. Und einen Platz in einem der Fish-and-Chips-Shops zu ergattern, die innerhalb kürzester Zeit nach Ankunft des Jacobite komplett voll sind. Im Sommer allerdings, wenn es auch im schottischen Hochland warm und sonnig ist, hat Mallaig seinen ganz eigenen Charme: "Man kann während der Pause einfach ins Meer springen", sagt Florence.

Während der Hochsaison fahren zwei Züge täglich über die spektakuläre Strecke, vorbei an Süß- und Salzwasser-Lochs, an hohen Bergen, weiten Tälern und tiefblauen Fjordlandschaften. Schafe sieht man hier, aber sonst nicht viel. Etwa eine Stunde nach der Abfahrt in Fort William allerdings kommt Bewegung in den Zug: Florence sagt den spektakulärsten Abschnitt der Strecke durch die Lautsprecher an und öffnet die paar Fenster, die sich öffnen lassen. Kurz vor dem Bahnhof Glenfinnan nämlich fährt der Zug über ein 380 Meter langes Viadukt.

Danach dauert es nur wenige Minuten, bis der Zug in den Bahnhof Glenfinnan einfährt. Dort, im West Highland Railway Museum direkt auf dem Bahnsteig, gibt es Interessantes über die bis heute einspurige Linie zu erfahren. Iren haben die Eisenbahnstrecke errichtet, mit deren Bau bereits 1897 begonnen wurde. Der Jacobite war in seinen frühen Jahren kein Passagierzug, die Fischindustrie brauchte die Eisenbahn, um ihre Ware zu transportieren.

Ein Abteil gibt es, das so aussieht wie in den Hollywood-Filmen um den jungen Zauberschüler - und das ist abgesperrt. Die anderen Wagen sind eher spartanisch eingerichtet. Bis auf den ersten. Da ist es so plüschig wie vor vielen Jahrzehnten. Während der Fahrt werden Tee und Shortbread serviert, ein Mürbteiggebäck.

Bald ist der Zug am Ziel - und nun kommt der Punkt, der Florence auf der rund 60 Kilometer langen Strecke am meisten begeistert. "Die meisten Gäste sehen ihn wahrscheinlich nicht mal", sagt sie. Kurz vor Mallaig liegt ein Loch, ein See, in einer Lichtung. "Er sieht jeden Tag anders aus, je nach Witterung und Tageszeit", sagt sie. Aber immer an derselben Stelle schaue ich aus dem Fenster und bewundere den Ausblick", sagt sie.

Auch die Passagiere in den sieben Wagen sind begeistert von der etwa zwei Stunden langen Tour: "Es ist einfach toll, in einem alten Dampfzug zu sitzen und so zu reisen wie früher", sagt Helen, die südlich von Edinburgh zu Hause und mit ihrer Freundin unterwegs ist. Nicht so begeistert sind die zwei, als der Zug auf dem letzten Abschnitt der Strecke immer wieder durch Tunnel fährt und Dampf durch Fenster und Ritzen zieht. "Es hat schon etwas für sich, dass die Züge heute mit modernen Loks angetrieben werden."

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(dpa)
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