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Wandern in luftiger Höhe
Auf Baumwipfelpfaden durch Deutschland wandern

Die schönsten Baumwipfelpfade in Deutschland
Die schönsten Baumwipfelpfade in Deutschland FOTO: dpa, lea
Markt Ebrach. Es gibt mehr als ein Dutzend Baumwipfelpfade in Deutschland. Ihnen allen gemein ist, dass man sich als Spaziergänger auf ungewohnter Höhe befindet - und eine ganz neue Perspektive auf den Wald bekommt.

Eine ganze Weile geht es auf einem ebenen Wanderweg durch den oberfränkischen Mischwald. Dann zwei kleine Häuschen: der Eintritt zum Baumwipfelpfad Steigerwald. Noch hat man nicht das Gefühl, in großen Höhen zu spazieren - doch der Pfad steigt langsam an. So minimal, dass auch Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit Rollator auf dem 1150 Meter langen Pfad gut vorwärts kommen. Einige ältere Damen bewegen sich gemächlich mit ihren Gehhilfen vorwärts, an jeder Bank machen sie eine Pause und lassen den Wald auf sich wirken.

Die Jüngeren nehmen jedes Abenteuer mit, das sich auf der breiten Holzkonstruktion bietet. Mal balancieren sie über kleine Baumstämme, die scheinbar in der Luft hängen, mal gehen sie auf wackelnden Holzstücken oder in der Kletterröhre. Unter ihnen: nichts. Nur eine Sicherung aus dichtem Netz, durch die auch kein Kinderfuß rutschen kann. Langweilig wird es nicht auf den gut 700 Metern, die es bis zum Höhepunkt des Weges braucht: dem 42 Meter hohen Aussichtsturm, der sich ebenfalls mit maximal sechs Prozent Steigung in die Höhe dreht.

Fotos & Infos: Acht winterliche Aussichtspunkte FOTO: natdesign/Dachstein

Mehr Infos per Wipfel-App

Wer mehr über die Bäume und Tiere erfahren will, kann sich die Wipfel-App runterladen, an verschiedenen Stationen spielerisch mit dem Wald auseinandersetzen und Quizfragen beantworten. Das W-Lan ist kostenlos - praktisch ist das, denn im tiefsten oberfränkischen Wald ist der Handyempfang eher mäßig.

Der Baumwipfelpfad im Steigerwald ist einer der jüngsten einer ganzen Reihe solcher Wege, die es in Deutschland gibt. Ein besonders langer Pfad steht in Neuschönau im Bayerischen Wald: Insgesamt 1300 Meter misst der Steg, der dort auf der Plattform eines Baumturms endet. Aus 44 Metern Höhe kann man in Richtung Lusen schauen. Bei schönem Wetter und klarer Sicht zeigt sich sogar der Alpenhauptkamm am Horizont.

Ebenfalls im Bayerischen Wald liegt der Waldwipfelweg in St. Englmar, auf dem Kinder und Erwachsene die heimischen Waldgeister ebenso kennenlernen können wie die Vögel, die in Niederbayern beheimatet sind. Von der Aussichtsplattform sieht man über die Höhenzüge des Bayerischen Waldes und die Ebenen des Gäubodens bis zu den Alpen.

Skywalk oder Baumkronenweg - luftige Höhen im Allgäu

Auch im Allgäu gibt es zwei Pfade hoch über dem Waldboden: den Skywalk in Scheidegg und den Baumkronenweg Ziegelwies. Der 540 Meter lange Skywalk ist eine Hängebrückenkonstruktion, die Stahlmasten stehen darin wie die Bäume im umliegenden Wald. 14 Masten und 3000 Meter Stahlseile tragen das Bauwerk, von dessen Aussichtsturm man bis über den Bodensee blicken kann. Der Baumkronenweg in Ziegelwies überschreitet auf seinen 480 Metern Länge sogar eine Grenze - man geht von Bayern nach Tirol in Österreich.

Das Allgäu entdecken FOTO: Fedor Selivanov / Lenar Musin

Doch nicht alle Baumwipfelpfade Deutschlands liegen in Bayern - auch im waldreichen Hessen gibt es verschiedene Wege. Am Hoherodskopf im Vogelsberg-Mittelgebirge etwa spazieren Besucher auf Hängebrücken durch den Wald. Am Baumkronenpfad im Nationalpark Kellerwald-Edersee gibt es geführte Touren auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, etwa am frühen Morgen oder am späten Abend, wenn die Tiere besonders aktiv sind.

Im nördlichen Schwarzwald gibt es den Baumwipfelpfad Schwarzwald in Bad Wildbad - erreichbar über Wanderwege oder die Sommerbergbahn. Vom 40 Meter hohen Aussichtsturm kann man bis in die Schweizer Alpen schauen - und in einer 55 Meter langen Tunnelrutsche zurück auf den Boden gelangen. Als architektonische Besonderheit zeichnet den Turm aus, dass er ein wenig verdreht wirkt. Grund dafür ist, hat, dass sich seine Hauptstützen vom Mittelpunkt wegneigen und gekippt sind.

"Panarbora" heißt ein Naturerlebnispark rund 50 Kilometer östlich von Köln am Rande des Naturparks Bergisches Land. Auch hier kann man per App Tiergeräusche hören, außerdem gibt es Geschichten rund um das Waldleben. Filme, Bilder und Spiele zeigen, welche Tiere und Pflanzen im Wald leben. Den 520 Meter langen Pfad mit seinem 40 Meter hohen Aussichtsturm muss man nicht verlassen, wenn es dunkel ist - denn in fünf Baumhäusern können jeweils zwei bis sechs Personen übernachten.

In einem "Urwald mitten in Deutschland" befindet sich, wer über den 546 Meter langen Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich in Thüringen geht, der zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. Der Pfad führt in einen Teil des Waldes, der sonst unzugänglich ist. In den Urwaldbaumkronen leben rund 500 Käferarten und 560 Großschmetterlingsarten. Im Sommer werden nach Sonnenuntergang sogenannte Lichtfangabende angeboten, um Tiere in Ruhe betrachten zu können. Das Licht einer Speziallampe lockt sie an, und sie lassen sich dann auf einem weißen Tuch nieder.

Auf dem Baumwipfelpfad Harz in Bad Harzburg (Niedersachsen) kann man mit der Hexe Tula nicht nur über den Pfad spazieren, sondern auch Geschichten über die Mythen im Harz erfahren. "Baum und Zeit" wiederum heißt ein Pfad in Beelitz in Brandenburg. Auf einem Gelände, auf dem sich früher Lungenkranke auskurierten, wandern Besucher heute auf der Höhe der Baumkronen und erfahren dabei mehr über die Geschichte des Areals, das etwa 50 Kilometer südlich Berlins liegt.

Deutschlands nördlichster Baumwipfelpfad liegt auf der Insel Rügen - der Aussichtsturm ist einem Adlerhorst nachempfunden. Aus 82 Metern über Seehöhe kann man heimische Seeadler bei ihren Flügen beobachten.
Der Pfad hat die Besonderheit, dass man von seiner Lage zwischen dem Kleinen Jasmunder Bodden und der Prorer Wiek drei Ökosysteme sehen und erkunden kann: Wald, Offenland und Feuchtgebiete. Auch der Fernblick lohnt sich hier: Bei gutem Wetter sind die Kirchturmspitzen von Stralsund und die Pylonen der Rügenbrücke am Horizont zu sehen.

(dpa/ ham)
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