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Flüsse in Deutschland
Wo der Main am schönsten ist

Deutschlandreise: Wo der Main am schönsten ist
Der Marktplatz der Stadt Miltenberg mit seinen Fachwerkbauten, dem Marktbrunnen und mit Blick aufs Schnatterloch. FOTO: Cornelia Höhling
Churfranken ist ein Kunstname, unter dem sich 21 Ortschaften im Maintal zusammengeschlossen haben. Ein Besuch. Von Cornelia Höhling

Nachdem die kleine Propellermaschine die Startbahn von Mainbullau in Churfranken verlassen hat, eröffnet sich ein beachtliches Panorama: Streuobstwiesen, bunte Felder, Wälder, Weinberge. Dazwischen geheimnisvolle Gemäuer romantischer Burgen und Schlösser. Auch massive Festungen, Klöster, Kirchen und altehrwürdige Fachwerkbauten, kontrastvoll eingerahmt vom üppigen Grün der Reben und dem Rot des Buntsandsteins, sind zu sehen. Mittendrin schlängelt sich das blaue Band des Mains.

Churfranken, gelegen zwischen Odenwald und Spessart, ist eigentlich ein Kunstname, unter dem sich 21 Ortschaften 2007 zusammengeschlossen haben. Nur 50 Kilometer lang und 20 Kilometer breit, lockt die Urlaubsregion Wanderer, Radler, Wasser- und Flugsportler gleichermaßen. Auch für Kulturfreunde und Burgenbegeisterte ist sie eine Fundgrube - für Weinliebhaber und Genießer geradezu ein Schlaraffenland.

Wandern durch den Spessart FOTO: dpa, lea

Aus der Vogelperspektive ist auf einer Anhöhe im Odenwald Amorbach auszumachen, wo auch der Nibelungensteig entlangführt. Außer dieser Barockstadt mit ihrer Abteikirche und dem hier seit 1803 ansässigen Fürstenhaus zu Leiningen liegen alle Städte im landschaftlich überaus reizvollen Maintal. Der Amorbacher Schafhof, einstmals Schäferei der Benediktiner, besteht seit mehr als einem halben Jahrtausend. Heute ist das Klostergut Landhotel und Restaurant. Schon immer fand die Region reges Interesse bei Bischöfen und Fürsten. Zur Zeit der alten Römer erreichte der Limes hier - von zwei Kastellen geschützt - den Main, den sie Moenus nannten. Bereits damals gewann der Schiffsverkehr auf dem Fluss an Bedeutung für Langstreckentransporte.

Weiter nordöstlich ragt der begehbare Turm der Gotthardsruine mit dem viel gerühmten Sieben-Täler-Blick empor. Unter Kaiser Barbarossa soll die mutmaßliche Raubritterburg aus dem 8. Jahrhundert geschleift und später dort ein Kloster gegründet worden sein. Der im 13. Jahrhundert aus Buckelquadern erbaute Bergfried ist der älteste Teil der Mildenburg, die heute ein Museum beherbergt. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf den Main und die hochromantische Stadt Miltenberg mit dem "Schnatterloch" am oberen Teil des Marktplatzes.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, erklärt Stadtführerin Dorothea Zöller den rätselhaften Begriff. Das mittelalterliche Wort Snade bedeute Schneise. Es sei ursprünglich ein schluchtartiger Entwässerungsgraben aus den Bergen zum Main und gleichzeitig die älteste Stadtgrenze gewesen.

Das sind die schönsten Schlösser in Bayern FOTO: dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Der Marktbrunnen von 1583 wird von hübschen Fachwerkbauten umrahmt, wie die gesamte Altstadt zwischen dem Mainzer und dem Würzburger Tor aus alten Fachwerkgassen besteht. Stets lohnend ist eine Einkehr im Hotel zum Riesen, der ältesten Fürstenherberge Deutschlands. Unten am Main, wo heute die Fahrgastschiffe ankern, erinnert das Sachsengrab an 62 Kämpfer des Freikorps "Banner der freiwilligen Sachsen" und drei Miltenberger Fährleute. Sie ertranken bei der Verfolgung Napoleons, als ihre Fähre am 12. April 1814 im Hochwasser kenterte. Obwohl die "Perle am Main" genannte Stadt durch ihre exponierte Lage und die Stapelrechte immer sehr reich war, wurde erst im Jahr 1900 die erste Brücke über den Fluss gebaut.

Die längsten Flüsse Deutschlands FOTO: dpa, Tibor Rosta

Zu churfränkischen Höhenflügen ganz anderer Art laden allerorten idyllische Landgasthäuser mit fränkischen Spezialitäten, Häcker-Wirtschaften und Weinstuben ein. Unterfranken, einerseits berühmt für seinen auf sonnigen Weinterrassen gereiften Spätburgunder - nicht umsonst führt hier über 70 Kilometer der Fränkische Rotweinwanderweg entlang - verfügt andererseits über eine unvergleichliche Brauereidichte. Ausgerechnet im Weinbauort Groß-ostheim wird mit "Schlappeseppel" angestoßen. Die Geschichte des Bieres reicht bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück. Der Legende nach braute es erstmals der Soldat Joseph Lögler, wegen seines lahmen Beines "schlapper Seppel" genannt, 1631 für König Gustav Adolf von Schweden. Die Redaktion wurde von Mainland Miltenberg-Churfranken e.V. zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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