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Franken
Ein Land zum Entdecken

Willkommen im schönen Frankenland
Willkommen im schönen Frankenland FOTO: Fränkisches Weinland Tourismus / Andreas Hub; Ulrike Adam, AK
Bayreuth. Franken ist eine besondere Region - und das sehen nicht nur Franken so. Anke Kronemeyer hat sich umgesehen und Winzer, Schlossherren und die Markgräfin getroffen.

Erste Station: Bayreuth

Die Stadt ist ein wenig eine unentdeckte Perle in der fränkischen Region. Wer an Bayreuth denkt, hat sofort Richard Wagner und die sommerlichen Festspiele im Kopf. Aber das ist nicht alles in dieser 70.000 Einwohner großen Stadt. Und ein kleines Problem für den Stadtmarketingbeauftragten Manuel Becher. Denn der will Bayreuth mit seiner hübschen Innenstadt, den Bierbrauereien und seinen Parks und Gärten ganzjährig vermarkten. Kleiner Erfolg: Die Übernachtungszahlen steigen stetig. Natürlich kann man sich das Festspielhaus ansehen, natürlich kann man im "Haus Wahnfried" auf die Spuren von Richard Wagner, seiner Cosima, ihrem Vater Franz Liszt und den Wagner-Nachfahren gehen. Viel prägender für Bayreuth war aber viele Jahre Markgräfin Wilhelmine, Schwester von Friedrich dem Großen. Denn sie wollte es Bruder Fritz nachmachen und ähnlich wie er in Potsdam mit Sanssouci eigene architektonische Akzente in ihrer Zwangs-Heimat Bayreuth setzen.

Sie war im Jahr 1731 dorthin verheiratet worden, arrangierte sich gleichwohl mit ihrem Mann, dem Erbprinzen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth und dem neuen Wohnsitz in der Provinz und ließ zum Beispiel das Markgräfliche Opernhaus bauen. Und genau das soll zum Wahrzeichen von Bayreuth werden. Seit fünf Jahren ein Unesco-Weltkulturerbe, wird es zurzeit saniert und soll im April wieder eröffnet werden und von Bayreuth in die Welt strahlen. Wilhelmine plante aber auch die Eremitage um und baute dort in der Nähe das Ruinentheater auf, in dem heute noch gespielt wird. Und so lädt Bayreuth ein, auch auf den Spuren der Wilhelmine zu wandeln, unbedingt eines der zahlreichen in der Nähe gebrauten Biere zu verkosten oder sich bei einem der Handwerksbäcker mit Kümmel gewürztes Brot schmecken zu lassen.

Einblicke von Franken bis nach Holstein FOTO: dpa, pla gab

Zweite Station: Weinland

Wenn das Lieblingsgetränk der Bayreuther das Bier ist, dreht sich 100 Kilometer weiter alles um den Wein: Im fränkischen Weinland wird traditionell Silvaner angebaut, der nach wie vor meistens im klassischen Bocksbeutel abgefüllt wird. Verkostungsmöglichkeiten - nicht nur für den Silvaner - gibt es genug: In Franken arbeiten rund 5000 Winzer, 2000 davon sind in Genossenschaften zusammengeschlossen. Volkach - auch anerkannter Luftkurort - gilt als das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet. Wer sich auf einen Rundgang durch die zauberhafte Altstadt von Volkach macht, sollte einfach mal im Weingut Max Müller klingeln, oder ein paar Häuser weiter im Weingut Schwane vorbeigucken und sich ein Glas einschenken lassen. Und sich auf jeden Fall in der Tourist-Info weitere Auskünfte organisieren - allein, um dort das hübsche Rathaus aus dem Jahr 1544 zu besichtigen. Oder auf dem Weg einen Blick in die schöne Barockkirche zu werfen.

"Hauptstadt" des fränkischen Weinlands aber ist Würzburg mit seiner Alten Residenz, der kleinen Innenstadt, dem Juliusspital mit seinem historischen Keller, in dem jahrhundertealte Holzfässer lagern. Das Juliusspital ist in Besitz des zweitgrößten Weinbergs (180 Hektar) Deutschlands - nach dem Kloster Eberbach mit seinen 200 Hektar Rebfläche. 1,3 Millionen Flaschen werden pro Jahr abgefüllt - zumeist Silvaner (43%) und Riesling (20%). Privatführungen durch den Keller werden gerne arrangiert, selbst ohne Voranmeldung kann man an einer der Führungen teilnehmen.

Das fränkische Weinland wird vor allem von Radtouristen besucht. Sie haben gut ausgebaute Radwege entlang des Mains, durch die Weinberge über zumeist nur kleinere Erhebungen. Wer will, kann bis in den Steigerwald radeln - wer das E-Bike nutzt, findet viele Aufladestationen. Ausflugsziel kann auch Sommerach sein, das man mit der Fähre von Nordheim erreicht. Ein hübscher Ort, der von Touristen geliebt wird. In Iphofen fragt man am besten Claudia Bellanti und Evelyn Hatzung um touristischen Rat: Die eine ist für Tourismus, Kultur und Wirtschaftsförderung zuständig, die andere macht interaktive Führungen für die ganze Familie. Beide erklären dann, auf welchem Gestein der Wein wächst, welches Lebensgefühl der Franke im Allgemeinen oder der Iphofener im Besonderen pflegt oder steigen mit ihren Gästen hoch in den historischen Weinberg und köpfen einfach mal eine Flasche Wein oder Sekt - made in Iphofen, versteht sich.

Dritte Station: Schloss Dennenlohe

Weiter geht es Richtung Ansbach, es lockt die Natur. "Grüne" Gastgeber sind in Unterschwaningen Robert und Sabine von Süsskind. Das adlige Ehepaar, seit mehr als einem Vierteljahrhundert verheiratet, engagiert sich für die beeindruckende Parkanlage rund um Schloss Dennenlohe. Das ist seit 1823 im Besitz der Familie von Süsskind.

Robert und Sabine leben dort seit Anfang der 90er Jahre, und seitdem wird das 26 Hektar große Parkgelände auch als Garten gestaltet. Seit 20 Jahren ist die Anlage öffentlich, kommen pro Jahr mehr als 30.000 Besucher, um sich vom "grünen Baron", wie er auch genannt wird, wortgewandt und leidenschaftlich durchs Grün führen zu lassen. Dann erfährt man die Geschichte der Familien, die im Schloss gelebt haben, hört Details über Rosen und Hecken, über zum Teil 300 Jahre alte Bäume, kanadischen Flieder, Hortensien, Astern, Chrysanthemen, Pfingstrosen, Birnenquitten oder die 6000 Narzissen, die im Frühjahr blühen. Robert von Süsskind hat das Areal in Eigenregie angelegt, hegt und pflegt es mitsamt dem Team tagtäglich. Ehefrau Sabine hat sich ebenfalls dem umfassenden Thema Garten angenommen, hat den Deutschen und Europäischen Gartenbuchpreis und den European Garden Photo Award ins Leben gerufen und das Bayerische Gartennetzwerk als Verband Bayerischer Parks und Gärten initiiert, dessen Präsidentin sie auch ist. Außerdem findet einmal jährlich eine große Gartenmesse rund um das von der Familie bewohnte Schloss statt. Öffentliche Führungen gibt es regelmäßig, bei großer Nachfrage auch mehrmals am Tag.

Zum Schlosspark-Team gehört mit Nadine Scheel zudem eine "Pferdeflüsterin": Sie reitet und bildet Pferde aus und gibt als "Natural Horseman" auch Besitzern Tipps zum Umgang mit den Vierbeinern. Weitere Mitbewohner der Anlage: drei Pferde, sechs Hunde, drei Pfauen, zwei Gänse, 13 Hühner und - zum Leidwesen des Schlossherrn - auch 15 Biber, die alles annagen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Zum Areal gehören außerdem ein Oldtimer-Museum, die Schlossbibliothek mit Tausenden von auch internationalen Gartenbüchern und Bildbänden, das eigene Archiv mit Dokumenten der Vergangenheit. Schloss Dennenlohe ist zudem Station für Wanderreiter: Pferd und Reiter gleichermaßen werden dann versorgt. Ebenso wie die Gäste, die sich in einem der 17 Zimmer unter anderem im Schloss einquartieren: Geschlafen wird in Betten aus dem 19. Jahrhundert, gegessen mit der Familie derer von Süsskind.

Quelle: RP
 
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