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Klosterurlaub in Bayern
Erholung für Körper, Geist und Seele

Eindrücke vom Klosterurlaub in Bayern
Eindrücke vom Klosterurlaub in Bayern FOTO: dpa, zeh
Bad Wörishofen . Er bringt nicht nur Entspannung, sondern auch Abwechslung und wird immer populärer: der Klosterurlaub. In Bad Wörishofen im Allgäu können Gäste zwischen Gottesdiensten und Kneippgängen abschalten.

Es ist 4.00 Uhr in der Früh. Draußen ist es tiefste Nacht. Eine kleine, gebückte Frau, weiße Ordenstracht und schwarzer Schleier, tritt ein ins Zimmer, kurz danach steht sie am Bett. Es ist Schwester Johanna. Die 78-Jährige legt mir, während ich noch völlig schlaftrunken bin, einen kalten Lappen aufs Herz. "Damit der Kreislauf nicht zusammenbricht." Dann schiebt sie sachte ein warmes Heukissen unter meinen Nacken. "Das entgiftet", erklärt die Schwester und lächelt. Im Herausgehen sagt sie: "Gelobt sei Jesus Christus." Vierzig Minuten später steht sie erneut im Raum. Die Schwester holt das Kissen. Die Bettanwendung nach Sebastian Kneipp ist für heute abgeschlossen.

Ins Kloster gehen: Für manche Menschen hat das etwas Abschreckendes. Sie denken an Askese und Entbehrung. Dennoch werden Klosterurlaube immer populärer. Mehrere Hundert der etwa 3000 katholischen Klöster in Deutschland öffnen ihre Pforten mittlerweile für ein Programm "Kloster auf Zeit", bei dem normale Gäste für einige Tage Klosterluft schnuppern können. Eines von ihnen ist das Dominikanerkloster im Herzen der Kneipp-Stadt Bad Wörishofen im Allgäu. Ein Kloster wie aus dem Bilderbuch: mit jahrhundertealten Gebäudetrakten, Kreuzgang, Kapelle und einer barocken Klosterkirche.

Bereits 1718 trafen die ersten Ordensschwestern aus Augsburg ein. Weil sich allerdings immer weniger Nachwuchs fand, ging das Kloster im Jahr 2005 in weltliche Hände über. Seitdem wird es vom Kolpingwerk als "Kuroase im Kloster" und Kneipp-Hotel mit 65 Zimmern im Gästetrakt betrieben. Es bietet eine ungewöhnliche Mischung aus Geistlichkeit und Körperbewusstsein: Zwar leben die Schwestern abseits des Gästebetriebs, sie sind jedoch offen für Gespräche, Gebet und Begegnung. Zusätzlich lässt sich beim Wassertreten und den Heupackungen der Körper in Schwung bringen. Fasten und Ausgehverbot sind längst nicht mehr an der Tagesordnung. Wer will, kann bei den Dominikanerinnen dreimal täglich üppig am Tisch zugreifen, sich durchmassieren lassen und auf idyllischen Waldpfaden die Umgebung erkunden.

Europas schönste Pilgerorte FOTO: JeniFoto / Shutterstock.com

Nach dem Frühstück um 7.00 Uhr folgt Kneippanwendung Nr. 2. Anschließend Bettruhe. Lesen. Mittagessen um 12.00. Ruhe. Kneippanwendung Nr. 3 zwischen 13.00 und 14.00 Uhr. Wieder Bettruhe. Spaziergang an der frischen Luft im Kräutergarten, Kurpark oder Wald. Meditation. Gottesdienst. Gespräche mit der Schwester. Abendessen um 18.00 Uhr. Bettruhe oder Ausgehen. Jeder wie es ihm beliebt. Die meisten hier halten sich aber an den Ablauf der Ordensleute. Wiederkehrendes vermittelt Ruhe und Festigkeit. Genau das versprechen sich die meisten Besucher, egal ob sie gläubig sind oder nicht, vom Klosteraufenthalt. Ruhe in stressigen Zeiten.

"Wir sind ein Haus der Ruhe und Stille", sagt Schwester Martina, als sie mich durch das riesige Gebäude führt. "Die Menschen sind heute sehr ausgelaugt. Das nimmt zu. Der Mensch wird krank, wenn er keine Stille mehr hat." Daher stehen keine Fernseher auf den Zimmern. Es gibt zwei Fernsehräume für alle. Die Gäste sollen aber lesen, Bücher finden sie in einer großen Bibliothek.

Das Besondere des Lebens in einem Kloster macht seine Andersartigkeit aus. Das fängt schon bei den Zimmern an. Untergebracht wird der Gast in einfachen Zimmern mit Bett, Tisch, Schrank. In jedem Zimmer hängt dezent ein Kreuz, in ausgewählten auch ein kleines Weihwassergefäß an der Tür. Wir spazieren über steinerne, glattpolierte Böden und durchqueren lange Gänge, die Schritte hallen. Dominikanerschwestern huschen vorbei, daneben normales Hotelpersonal.

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1855 war Sebastian Kneipp als Beichtvater in das Dominikanerinnenkloster gekommen. Über 40 Jahre hat der Pfarrer in Wörishofen gelebt und gewirkt. Neben der Seelsorge entwickelte er sein Naturheilverfahren, das noch heute aktuell ist. Im Kloster kann man nach der Lehre von Sebastian Kneipp für den Körper etwas tun: Wassertreten, Wickel und kalte Güsse stehen nach Absprache mit dem örtlichen Kurarzt mehrmals täglich in der klostereigenen Badeabteilung im Erdgeschoss auf dem Programm.

Und es stimmt. Schon nach wenigen Tagen macht sich ein Ruhegefühl breit. Die dicken Klostermauern sind wie eine Art Dämmstoff. Sie halten die komplette Hektik, das Schnell-Schnell des Lebens fern. Innerhalb des Klosters herrscht ein anderer Takt, der vom Werden und Vergehen. Von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Von Morgenmesse und Abendgebet. Feste Zeiten. Feste Rituale geben Halt und Geborgenheit. Selbst wenn das Handy vibriert - es lässt einen erstaunlich kalt.

Auf fünf Säulen ruht Sebastian Kneipps Lehre: Wasser, Bewegung, Heilkräuter, Ernährung, Lebensordnung. Letzteres bedeutet, dass der Körper nicht gesund sein kann, wenn es die Seele nicht ist. "Vergesst mir die Seele nicht", soll Kneipp entschieden angemerkt haben. "Der Pfarrer wusste: Vieles frisst sich von innen fest. Ein paar Tage sich fragen: "Warum lebe ich eigentlich?", kann schon helfen, die innere Ordnung wiederzufinden", sagt Schwester Martina.

(dpa)
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