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Auflüge in NRW
Kulturschätze am Niederrhein

Das ist das "neue" Museum Schloss Moyland
Das ist das "neue" Museum Schloss Moyland FOTO: Evers, Gottfried
Kreis. Die Museen Kurhaus Kleve und Schloss Moyland locken mit hochkarätiger Kunst - nicht nur in ihren Räumen, sondern auch in der Natur. Von Matthias Grass

Kleve Ionische Säulen tragen das kleine Ceres-Tempelchen, aus dessen Rund der Blick über die Achse eines Kanals in die Ferne schweift, wo sich Barockpark und niederrheinische Landschaft zu einem großen Ganzen verbinden. In einem der Teiche zu Füßen des Tempels steht eine überlebensgroße barocke Minerva. Auf ihren Speer gestützt schaut die Göttin der Künste und Wissenschaften ihrem Gegner Mars tief in die Augen. Der hält auf der anderen Straßenseite auf einem eisernen Kanonenrohr die Wacht und gibt sich als Bürger: weißes Hemd, schwarze Hose, nur das Schwert hat er nicht aus der Hand gelegt. Der Stuttgarter Bildhauer Stephan Balkenhol stellte den alten Kriegsgott 2004 auf einer goldenen Kugel auf das Kanonenrohr.

Mitten in einem Barockpark, der kurz nach dem Westfälischen Frieden (1648) angelegt wurde, liegt das Museum Kurhaus Kleve. Park und Museum gehen eine wunderbare Symbiose ein. An der Fassade der klassizistischen weißen Bäderarchitektur hängt an einer Peitschenlampe das Mückenhaus des 1979 geborenen bayrischen Bildhauers Michael Sailstorfer und weist den Weg ins Museum.

Ebenfalls mitten in einem Park, keine fünfzehn Autominuten vom Museum Kurhaus Kleve entfernt, liegt Museum Schloss Moyland. Der Park umgibt mit Rosen- und Kräutergarten, mit seinen Skulpturen von unter anderem Heinz Mack, Eduardo Chillida und James Lee Byars, Schloss Moyland. Das ist eine Ende des 19. Jahrhunderts mit Zinnen und spitzen Dächern von Kölns Dombaumeister Zwirner im Tudorstil neogotisch verwandelte viertürmige Barockanlage.

Beide, Kurhaus und Moyland, wurden 1997 als Museen eröffnet. In Moyland, das als Kriegsruine verfiel, fand die Sammlung van-der-Grinten ein Domizil. In Kleve zog das kleine städtische Museum mit seiner Sammlung und dem gerade gewonnenen Nachlass Ewald Matarés von der City hinaus in den Park.

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Schloss Moyland und Museum Kurhaus sind zwei Museen in der Provinz an der deutsch-niederländischen Grenze, die das Zusammenspiel von Natur, Park und Kunst, von Moderne und Gegenwartskunst im Wechselspiel von Barock und Mittelalter zelebrieren und zusammen bis zu 80. 000 Besucher locken, die sich auf den Weg gen unterer Niederrhein machen.

Die Spannbreite der Klever Sammlung beginnt im Mittelalter mit Werken von Arnt von Kalkar und Zwolle, Henrik Douverman oder Dries Holthuis, allesamt herausragende Bildmeister ihrer Zeit. Sie zeigt Barockwerke von unter anderem Hendrik Goltzius, führt über die Nachkriegsmoderne bis in die Gegenwart und präsentiert den Nachlass Matarés. Moyland konzentriert sich auf Grafik des Jugendstils und des Expressionismus und vor allem auf Joseph Beuys. In seinen Mauern beherbergt das als Stiftung mit Landesunterstützung geführte Schloss die größte Sammlung von Beuys-Zeichnungen und versteht sich als eines der wichtigen Beuys-Zentren weltweit. Seit ihrer Eröffnung sind die beiden Häuser die überregionalen kulturellen Aushängeschilder der Region.

Das Haus in Kleve wurde 2004 von einer Kritikerjury zum Museum des Jahres gekürt. Systematisch wurde die Kurhaus-Sammlung ausgebaut, es gelang, Kunstwerke anzukaufen, bevor sie fürs Museum zu teuer wurden - so ist das Kurhaus etwa stolz auf Andreas Gurskys großes Foto eines Gemäldes von Jackson Pollock und auf einen Werk-Komplex des Schweizer Malers Franz Gertsch. Schutz vor politischen Begehrlichkeiten findet das Haus im Freundeskreis: Mit 1600 Mitgliedern sind die Freunde des Museums Kurhaus Kleve der größte Verein der Stadt. Wenn ein Haus so in der Bevölkerung verankert ist, steht die kommunale Politik gerne hinter der Kunst, auch wenn jährlich rund 1,2 Millionen Euro aus dem städtischen Etat für den Museumsbetrieb fließen. Das Haus dankt mit eingeworbenen Mitteln für große Ausstellungen und einer positiven überregionalen Berichterstattung, holt mit dem Projekt Schule-Kunst-Museum Schüler aller Schulformen ins Haus.

Jährlich zieht das städtische Museum der 50. 000-Einwohner-Stadt Kleve bis zu 25. 000 Besucher, lockt mit einem Ausstellungs-Programm zwischen klassischen modernen Positionen und jungen Gegenwartskünstlern. Derzeit zeigt Museumschef Harald Kunde den Amerikaner Stephen Prina als Vertreter der Concept-Art mit raumgreifenden Installationen, begeh- und anfassbaren Werken. Zuvor wurde der Klever Rembrandt-Schüler Govert Flinck gezeigt: die Spanne zwischen Barock und Gegenwart ist da.

Museum Schloss Moyland geriet wenige Jahre nach der Eröffnung in die Kritik: Querelen zwischen Sammler, Land und dem Beuys-Nachlass sowie mehrere Jahre ohne künstlerischen Direktor machten dem Haus zu schaffen. Vor sieben Jahren gelang der neuen Museumsdirektorin Bettina Paust die Umkehr: Das Haus wurde neu eingerichtet und wechselt die ständige Sammlung in "Kunst.Bewegt"-Ausstellungen mehrmals im Jahr. Daneben stehen Ausstellungen, die thematisch auch die Natur aufgreifen: wie derzeit die Gemälde deutscher Romantik und der Schule von Barbizon, die die Natur draußen vor der Tür und die Kunst im Haus zu einem großen Ganzen verbinden sollen.

Quelle: RP
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