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Urlaub an der Nordsee
Schietwedder oder Mützenwedder?

Urlaub an der Nordsee: Schietwedder oder Mützenwedder?
Im Norden Sylts passiert gerade etwas: In drei Jahren soll dort der Lanserhof eröffnen. Mitinvestor ist TV-Moderator Johannes B. Kerner. FOTO: Sylt Marketing/Holger Widera
Die Nordsee entwickelt sich immer mehr zu einem Ganzjahresziel. Das haben auch die Touristiker festgestellt und bewerben alle Orte von Januar bis Dezember - egal ob es stürmt oder schneit. Es gibt einige Neuheiten an der See. Von Anke Kronemeyer

Es gibt nur die eine Entscheidung am Morgen: Gummistiefel und Regenjacke oder Gummistiefel und Regenjacke? Denn es stürmt, weht, pustet und bläst draußen, dass man sich kaum traut, den Kopf vor die Tür zu stecken. Aber: Es lohnt! Kopf und Bronchien werden frei, man ist nur mit sich und der Natur beschäftigt. Und genau das ist das Schöne im Winter im Norden von Deutschland. Eine Rundreise:

Anderthalb Stunden von Hamburg entfernt landet man in Büsum, das sich als bodenständiger, ursprünglicher Ferienort präsentiert, der ein wenig an frühere Familien-Urlaube erinnert. Die Krabbenfischerboote scheinen schon Jahrzehnte im Hafen zu liegen, verströmen Charme und Authentizität. Aber Büsum verordnet sich immer wieder Frischzellenkuren: Für 15 Millionen Euro wurde der Deich mitsamt Promenade erneuert und aufgehübscht, fast die gleiche Summe hat eine Privatfamilie in die Hand genommen, um das Strandhotel Küstenperle zu bauen. Das ist jetzt das neueste Hotel in der Familienlagune mit Blick auf die Nordsee und das Weltkulturerbe, das Wattenmeer. Denn Büsum ist stolz darauf, das größte zusammenhängende Wattenmeer der Welt vor der Haustür zu haben. Als Indoor-Aktivitäten empfehlen sich an den grauen und stürmischen Tagen unterschiedliche Museen. Herausragend ist dabei das "Phänomania" mit seinen 200 Erlebnisstationen für wissenschaftshungrige Kinder.

Das sind Deutschlands schönste Strände FOTO: shutterstock/ papillondream

Weitere anderthalb Stunden Richtung Norden landet man in Niebüll. Die Stadt, ansonsten nur den hartgesottenen Nordsee-Fans und Sylt-Fahrern bekannt, positioniert sich zurzeit neu als touristische Station. Ein Beispiel ist ein ganz besonderes Hotel: das Ein-Zimmer-Hotel im historischen Wasserturm. Der Wasserturm stand lange leer. Bis sich engagierte Handwerker ihm annahmen und ihn mühselig restaurierten. Jetzt wird er von Boy Oldigs vom Hotel Insel Pension vermietet. Die Gäste wohnen auf 50 Quadratmetern - und erfreuen sich der morgendlichen Durchsage am darunterliegenden Niebüll-Bahnhof. Der Turm soll Attraktion und Blickfang für den ganzen Tourismus der Niebüller Region sein. Schließlich nutzen viele den Ort mit seinen Unterkünften als Start für Tagesausflüge nach Sylt, Amrum oder Föhr.

Von Niebüll führt der Zug über den Hindenburgdamm nach Sylt. Ganz im Norden dieser Insel passiert gerade etwas: List hat sich selbst aus dem Dornröschenschlaf geküsst. 2010 eröffnete dort das Arosa-Hotel - begleitet von zahlreichen Protesten. Geht das denn? Ein so großes Hotel mitten in den Dünen? Es ging - und funktioniert seitdem. Ausgebuchte Zimmer nicht nur in der Hauptsaison - ein Ort, der dadurch belebt worden ist. Mit der Folge, dass nebenan ein weiteres großes Projekt entsteht: Der Lanserhof will dort in etwa drei Jahren mit 68 hochwertigen Zimmern auf den Markt gehen. Spatenstich auf dem Gelände eines alten Offiziersheims aus den 30er Jahren war Ende November - in Anwesenheit unter anderem von TV-Moderator Johannes B. Kerner, einem Mitinvestor.

Die Nordsee von oben FOTO: vidicom

Architekt des 100 Millionen-Euro-Projekts ist Christoph Ingenhoven aus Düsseldorf, der auch schon den Lanserhof am Tegernsee gebaut hat. Investor Christian Harisch reserviert bereits seit Jahren das nötige Reet als Abdeckung für die Haus-Dächer seines neuen Medical-Spa-Resorts, in dem sich ab 2020 gut verdienende Manager erholen sollen. Für Ronald Benck, Bürgermeister von List, ein Grund zum Jubeln. Er freut sich über steigende Touristenzahlen und auf mehr als 100 neue Arbeitsplätze.

In List passiert noch mehr, entstand hinter dem Hafen mit dem Strand am Königshafen ein neues schickes Hotel. Seit letztem Jahr gibt es dort zudem ein Einkaufscenter: den Lister Markt mit Hotel, Café, Supermarkt, Einrichtungsgeschäften - klein, aber fein. Daneben hat sich Alexandro Pape, Ex-Neusser, mit seiner Salz-, Nudel- und Bier-Manufaktur etabliert.

(RP/ham)
 
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