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Bremerhavener Klimahaus
An einem Tag von der Arktis bis an die Südsee

Zu Besuch im Klimahaus Bremerhaven
Zu Besuch im Klimahaus Bremerhaven FOTO: dpa, gab
Bremerhaven. An einem Nachmittag rund um den Globus reisen: Das Klimahaus in Bremerhaven macht es möglich. Die Besucher erleben hautnah die drückende Hitze in der Sahelzone und die Eiseskälte in der Antarktis.

Die Dame an der Kasse hat einen wichtigen Rat: "Geben Sie ihre Jacke ab, es wird sehr warm." Den Tipp sollten die Besucher des Klimahauses in Bremerhaven beherzigen: Die Hauptattraktion des wissenschaftlichen Ausstellungshauses ist eine Reise um den Globus - und dabei werden alle Sinne angesprochen. Die Tour soll schließlich möglichst echt wirken.

Neun verschiedene Klimazonen auf 40.000 Kilometer

Im Bereich der nachempfundenen Sahelzone sind es bis zu 35 Grad Celsius, bei trockener Luft. In Samoa hat es bis zu 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. In der Antarktis wartet zwischendurch eine kleine Abkühlung bei minus 6 Grad. Neun verschiedene Klimazonen erlebt der Besucher. Was bei einer wirklichen Weltreise knapp 40.000 Kilometer wären, sind in der Ausstellung etwas mehr als ein Kilometer.

Viel hat sich seit der Eröffnung 2009 im futuristisch anmutenden Klimahaus an der Wesermündung getan. Es kamen neue Bereiche hinzu wie die Ausstellung zur Offshore-Windenergie samt Helikopter-Simulation und einer Kochschule für Kinder. Auch die Weltreise selbst wurde erweitert: Weitere Reptilien und Fische fanden in den Aquarien ein neues Zuhause, der Sardinien-Bereich wurde komplett neu gestaltet. Dort erlebt der Besucher Wetter und Klima aus der Käferperspektive.

Doch eines hat sich nicht geändert: Der Besucher folgt dem Filmarchitekten und Kulissenbauer Axel Werner auf seiner Tour. Zu Beginn des Rundgangs sehen die Besucher in einem Film, wie er seine Sachen packt und für ein Jahr loszieht. Er bleibt bei seiner Reise immer auf dem achten östlichen Längengrad - dort wo auch das Klimahaus steht. Er trifft auf Einwohner, die ihm und so auch den Besuchern einen Einblick in ihren Alltag gewähren.

Kühe melken und Weidenduft atmen 

Erste Station ist das Schweizer Isenthal, bei den Milchbauern Hedy und Werner Infanger. Die Besucher steigen in eine Gondel, anschließend empfängt sie ein Felspanorama mit einem Gletscher. Kühe lugen aus einer Wand hervor, die auch gemolken werden können - heraus kommt Wasser. Man hört lautes Vogelzwitschern und den Klang von Kuhglocken, Gräserduft liegt in der Luft.

Doch die Idylle trügt. Auch hier ist die Erderwärmung schon sichtbar: Der Gletscher hat sich ein großes Stück zurückgezogen. "Das Eis hält den Fels zusammen. Wo es schmilzt und wieder gefriert, sprengt es den Fels auseinander", erzählt Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker. "Es gab bereits einen großen Steinschlag im Isenthal, bei dem besonders die Biwaldalp der Infangers in Mitleidenschaft gezogen wurde." Das war 2015 - sechs Jahre nach der Eröffnung des Klimahauses. Der Familie ist zum Glück nichts passiert.

Die Ausstellung zeigt, dass Bewohner anderer Kontinente sogar noch stärker unter den Folgen des Klimawandels leiden. An der Station in Afrika berichtet eine alte Frau in einem Film, wie sehr sich die Steinwüste in der Republik Niger seit ihren Kindertagen ausgebreitet hat. "Jetzt gibt es gar nichts mehr. Jetzt sind die Bäume tot. Die Landschaft ist leer", sagt sie. Auch wenn sich das Klima dort schon immer verändert hat: "Das Problem der Hitze und Trockenheit wird sich in weiten Teilen des Sahels mit dem Klimawandel noch weiter verschärfen", erklärt Dunker.

Die Klimahaus-Besucher können sich auf einer Liegefläche quasi auf dem Wüstenboden ausstrecken und sich auf einer Leinwand an der Decke einen Film über das Leben in der Wüste anschauen. Alle zwölf Minuten wird der heiße Raum dunkel und ein paar Tropfen fallen. Nicht genug, um für Abkühlung zu sorgen. "Wasser ist Leben" wird an die Wand projiziert. Nur wenige halten es lange in dem Raum aus.

In Samoa in der Südsee ist es nicht ganz so heiß, aber immer noch warm. Hier lernt man, wie gefährlich die Meereserwärmung für die Korallenriffe ist. "Eine der sichtbarsten Folgen der Erderwärmung ist das Korallensterben", sagt Dunker. Der Gast kann das nur ahnen, er sieht eine heile Aquarienwelt: Eine Treppe führt in die bunte Unterwasserwelt des Südpazifiks mit Muränen, Clown- und Drückerfischen. Die Station ist mit am beliebtesten. Hier wurden schon Hochzeiten gefeiert und Empfänge gegeben.

Das Leben je nach Klimazone

Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ist die erste Erlebnisschau in Deutschland, die sich dem Thema Klima widmet. Dabei geht es nicht nur um die Erderwärmung. "Wir zeigen, wie Klima und Wetter auf der Erde funktionieren und wie die Menschen ihr Leben den unterschiedlichen Klimazonen der Erde angepasst haben", sagt Dunker.

Bei allen Informationen soll der Spaß nicht verloren gehen, viele Stationen laden zum Mitmachen ein. In der Schweiz kann man sich in einem kleinen Raum einschließen, um einen schweizerischen "Juchzer" (kurzer melodiöser Schrei) aufnehmen zu lassen. Auch für Kinder wird einiges geboten: Sie können an der Kasse einen Reisepass bekommen, an den Stationen warten Stempel und kleine Aufgaben. Das Skelett eines Dinosauriers in einer Sandgrube kann mit Pinseln freigelegt werden. In Sardinien können die Besucher selber Wettergott spielen und so Regen oder Wind in anderen Ausstellungsräumen erzeugen.

Durch die Weltreise ins Nachdenken gebracht, erfährt der Besucher im Bereich "Chancen" an Experimentierstationen, was er im Alltag tun kann, um seinen CO2-Ausstoß zu reduzieren. "Jeder kann helfen, die Folgen des Klimawandels zu mildern", sagt Dunker. Wer sich am Ende seiner Reise noch einmal gedanklich richtig abkühlen will, sollte das im Wetterstudio tun. Dort stehen Extremwetter hoch im Kurs. Diplom-Meteorologe Michael Theusner erzählt, dass der niedrigste je gemessene Temperaturwert bei minus 89,2 Grad lag - im Jahr 1983 in der Antarktis. Das größte Hagelkorn hatte einen Durchmesser von 20 Zentimetern - gemessen in South Dakota in den USA. Nach diesen Erzählungen ist man langsam wieder bereit für seine abgegebene Jacke.

(dpa)
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