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Urlaub in Deutschland
Auf Planwagenfahrt an der Müritz

Mit dem Planwagen durch die Mecklenburgische Schweiz
Mit dem Planwagen durch die Mecklenburgische Schweiz FOTO: dpa, zeh
Alt Falkenhagen . Bei einer Planwagenfahrt durch die Mecklenburgische Schweiz können Urlaubsgäste ihr eigener Kutscher sein. Ein Familienurlaub zum Entschleunigen - wenn nicht das Pferd durchgeht.

Ernst ist aufgeregt. Die Nüstern sind gebläht, die Ohren nach vorne gerichtet. Dann schnaubt er und springt mit einem großen Satz los. Hinter mir, im Planwagen, kreischen die Kinder. Vor mir, angeschirrt, galoppiert ein 900 Kilogramm schwerer Kaltblüter genau auf den Zaun zu. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und die Regeln beherzigen, die mir in einem zweitägigen Crash-Kurs über Kutsch- und Planwagenfahrten beigebracht worden sind.

Der Planwagen wackelt bedenklich und droht im Baum hängen zu bleiben. Nur noch zwei Meter bis zum Zaun. In dem Moment springt mein Mann an das Halfter, das Ernst vorsichtshalber noch unter dem Zaumzeug trägt, und bringt Pferd und Wagen zum Stillstand. Ernst lässt erst einmal ein paar Pferdeäpfel fallen und blickt uns mit unschuldigem Blick an.

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"Eigentlich", sagt mein Mann, "sollte das ja ein entschleunigter Urlaub werden. Der uns zur Ruhe kommen lässt." Eine knappe Woche lang sind wir mit dem Planwagen in der Mecklenburgischen Schweiz unterwegs. Im gemächlichen Tempo mit einem PS. Maximal 18 Kilometer legen wir am Tag zurück. Mit dem Auto eine Strecke von 20 Minuten, mit dem Pferd dauert es rund vier bis fünf Stunden, Graspausen für das Tier inklusive. Genug Zeit, um die Landschaft zu genießen, dem Klappern der Hufe zu lauschen und mit unseren Töchtern, sieben und vier Jahre alt, zu plaudern. Wenn das Pferd nicht gerade losstürmt.

Zum Glück ist der holprige Start am dritten Tag die Ausnahme - vor dem uns Klaus Dittrich gewarnt hatte. "Das Heikelste ist immer der Start", hatte der studierte Tierpsychologe uns während der Einweisung erklärt. Wenn der Kaltblüter mit einem halben Eimer Hafer im Magen vor den Wagen gespannt ist, strotzt er noch vor Kraft und will sich bewegen. Hat sich das Pferd nach ein paar freudigen Sprüngen in Gang gesetzt, geht es aber im gemächlichen Schritttempo weiter. Eigentlich ein Kinderspiel. Deshalb dürfen beim Anbieter Pferdecamper, der - ebenso wie einige Unternehmen in anderen Teilen Deutschlands - die Pferde und Planwagen vermietet, auch Laien auf den Kutschbock.

Auch unsere Töchter haben beschlossen mitzuhelfen. Die Vierjährige versucht, das Pferd zu putzen, das mit 1,72 Meter Stockmaß fast doppelt so groß ist wie sie selber. Ihre große Schwester kratzt die kuchentellergroßen Hufe aus. In den ersten beiden Tagen brechen wir zunächst zu Tagestouren auf und kehren nachmittags zurück zum Basislager in Alt Falkenhagen. Das Dorf liegt knapp acht Kilometer nördlich der Müritz, also genau zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und der Mecklenburgischen Schweiz, umringt von Feldern und sanften Hügeln, Wäldern und Seen.

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Schon nach einigen Minuten Fahrt lässt die Aufregung nach, und die Entspannung setzt ein. Das Tempo ist so gemütlich, dass uns nicht nur Radfahrer spielend überholen, sondern auch die Kinder neben dem Wagen herlaufen können, um Kornblumen am Feldrand zu pflücken. Wir haben Zeit, den Raps zu betrachten, der sich leuchtend gelb bis zum Horizont erstreckt, können blühenden Flieder riechen, Schmetterlingen hinterhersehen. Vor uns schwankt das braun-weiß melierte Hinterteil des Pferdes, gleichmäßig klappern die Hufe. Ab und zu schnaubt Ernst und blickt sich um, als ob er schauen will, wie es uns geht.

Die Wege, die wir auf unserer Tour zurücklegen, hat der Veranstalter sorgfältig ausgewählt: keine Bundesstraßen, stattdessen Wald- und Wiesenwege sowie wenig befahrene Dorfstraßen. Die Routen und Ortsnamen sind detailliert in nach Tagen geordneten Tour-Beschreibungen aufgeführt: Groß Gievitz, Hungerstorf, Clausdorf, Sorgenlos. Auf unübersichtliche Kreuzungen, an denen einer besser absteigt, um das Pferd zu führen, wird in den Wegprotokollen ebenso hingewiesen wie auf Orientierungsmarken, etwa "ein Briefkasten links" oder "ein weißes Holzhaus mit grüner Tür", wo wir abbiegen müssen.

Übernachtet wird im Planwagen, der mit Betten für vier Personen, Herd, Kühlschrank und Heizung ausgestattet ist. Dabei kooperiert Pferdecamper mit Bauernhöfen in der Umgebung, auf denen wir unseren Wagen abstellen können und das Pferd über Nacht versorgt ist. So wie beim Bio-Milchbauern, der unseren Kindern frische Milch gibt und uns mit Ernst eine Weide zuteilt, die direkt neben dem Hof liegt.

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Doch hier ist Vorsicht angesagt. "Zäunt Euren Wagen unbedingt ein, sonst bekommt ihr kein Auge zu", hatte uns Klaus Dittrich geraten. Denn Ernst ist anhänglich. Genüsslich schubbelt er mit dem Bauch am Wagen entlang, so dass dieser leicht zu schwanken beginnt. Und beim Abendessen hängt sofort sein großer Kopf über unseren Tellern.

"Ohne seine Pferdefreunde sind wir ja seine Herde", erklärt uns unsere Siebenjährige und steckt ihm heimlich ein Stück Apfel zu. Auch mein Mann und ich haben uns an den Kaltblüter gewöhnt und an die Handhabung mit Leinen, wie die Zügel bei Kutschfahrten genannt werden. Am fünften Tag unserer Fahrt schirren wir Ernst im Handumdrehen an und reagieren routiniert auf kleine Sprünge.

Wir manövrieren den Wagen souverän um Hindernisse und nehmen unsere Stammsitze auf dem Bock ein. Die Kinder sitzen auf der Hinterstufe des Wagens, während wir einen ruhigen Waldweg entlangfahren. Als wir am Abend wieder am Basislager in Alt Falkenhagen ankommen, wiehert Ernst freudig seiner Herde entgegen.

(dpa)
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