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Urlaub in Deutschland
Wandern mit Blick über den Rhein

Wandern auf dem Rheinsteig
Wandern auf dem Rheinsteig FOTO: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Gabriele Frijio
Koblenz. Der Rheinsteig schlängelt sich zwischen Wiesbaden und Bonn über die Höhenzüge. In diesem Jahr besteht der populäre Wanderweg zehn Jahre. Von Jens Albes

Romantische Flussschleifen, Schlösser und Burgen, Höhenblicke auf Züge und Schiffe wie in einer Spielzeuglandschaft: Der Rheinsteig gilt vielen als einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands. 320 Kilometer lang geht es rechtsrheinisch zwischen Wiesbaden und Bonn durch viele Seitentäler bergauf und ab. In diesem September ist der zertifizierte Premiumwanderweg zehn Jahre alt. Eine exakte Statistik fehlt zwar, aber der Leiter des Rheinsteig-Büros der Romantischen Rhein Tourismus GmbH in Koblenz, Frank Gallas, schätzt die Zahl der Wanderer auf mindestens 250.000 pro Jahr - und somit auf rund 2,5 Millionen seit der Eröffnung des Premiumwegs. Dem lokalen Gastgewerbe habe die Eröffnung des Rheinsteigs 2005 in den drei Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen eine Umsatzsteigerung von vermutlich zehn bis 30 Prozent gebracht.

Vor allem das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal zwischen Rüdesheim und Koblenz mit der höchsten Burgendichte der Welt hat eine internationale Sogwirkung. Michael Jarmuschewski, Vorstandsmitglied des Deutschen Wanderinstituts in Marburg, sagt: "Ich höre da auch öfters englische und spanische Töne."

Impressionen aus dem Oberen Mittelrheintal FOTO: Dominik Ketz/ Rheinland-Pfalz Tourismus

Bundesweit sei Wandern wieder beliebter geworden. "Es gibt mehr Premiumwanderwege. Und persönliche schöne Wandererlebnisse können sich heute über das Internet rasend schnell unter Tausenden verbreiten", erklärt der Diplom-Geograf. "Auch bei unter 30-Jährigen gilt es mittlerweile nicht mehr als uncool zu sagen: ,Ich gehe wandern.'"

Einer, der gerne zum Rheinsteig aufbricht, ist etwa der im hessischen Eltville wohnende Bankmitarbeiter Oliver Dillmann (46). "Der Weg ist landschaftlich einfach schön. Und man kann immer ins Tal absteigen und mit dem Zug zurückfahren. Damit habe ich die doppelte Reichweite." Dillmann ergänzt mit Blick auf die vielen Gaststätten: "Und die nächste Riesling-Schorle ist auch nie weit." Viele Hotels bieten zudem Gepäcktransporte von einer zur anderen Etappe an.

Ein als Flusslauf stilisiertes "R" und der Schriftzug "Rheinsteig" dienen als Wegmarkierung an den Pfaden über Weinberge und Wiesen und durch Wälder und Felsen. Mehr als 1000 große Schilder gibt es. Von den kleineren Zeichen hätten Souvenirjäger schon Hunderte stibitzt, sagt Gallas. Daher seien mittlerweile sehr viele Markierungen mit Forstfarben auf Bäume gesprüht worden.

Rheinsteig - Von Bonn bis Wiesbaden FOTO: Projektbüro Rheinsteig

Wanderbücher teilen die 320 Kilometer in 17 bis 24 Tagesetappen ein. "Viele erwandern sich eine Etappe nach der anderen über mehrere Jahre hinweg", erklärt Gallas. Die etwas anachronistisch anmutenden Stempelhefte zur Dokumentation der absolvierten Abschnitte würden allmählich von einer digitalen Schnitzeljagd mit einer Handy-App abgelöst. Dabei erfasst das Smartphone beim Wandern automatisch Pins, also virtuell definierte Punkte am Weg. Dafür können Wanderer Belohnungen einheimsen - je nach Zahl der Pins vom Schlüsselband bis zur Schifffahrt.

Nicht alles aber ist positiv am Rheinsteig, auch nicht nach zehn Jahren. Manche Gasthäuser verharren sichtlich noch im 20. Jahrhundert, statt sich an die jugendlichere Klientel anzupassen und angefallenen Sanierungsstau zu beseitigen. Auch das Felsplateau der weltberühmten Loreley wirkt leidlich altbacken - soll allerdings nun mit einer höheren Millionensumme aufgewertet werden. Störend kann gelegentlich zudem der Verkehrslärm sein: Europas meistbefahrene Güterzugstrecke führt rechtsrheinisch durch das Flusstal, hinzu kommen die zweite Bahnstrecke am anderen Ufer und die beiden Bundesstraßen. Das tiefe Tal verstärkt noch den Schall.

Meist verläuft der Rheinsteig jedoch auf den Höhen - und dann ist der Krach weniger zu hören. Gallas hat noch einen Tipp für die Wanderer: "Schön ist es auch, nach einer Etappe mit dem Schiff zurückzufahren. Mit einem Glas Wein auf Deck lässt sich die erwanderte Landschaft viel besser sehen als mit dem Zug vorbeizurauschen. Das ist ein schöner Abschluss."

(dpa)
 
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