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Schwarzwälder Brauchtum
Wenn die Scheibenfeuer brennen

Schwarzwälder Brauchtum: Wenn die Scheibenfeuer brennen
Scheibenschlagen macht nicht nur Spaß - in der Dunkelheit sieht es auch fantastisch aus. FOTO: Patrick Seeger (1); Doris Burger (1)
Glühende Holzscheiben werden ins Tal katapultiert – der 1000 Jahre alte alemannische Brauch wird in Bernau im Südschwarzwald mit großer Leidenschaft gepflegt. Von Doris Burger

In Bernau muss man sich auskennen. Im ausgedehnten Hochtal wird kein kommerzieller Rummel betrieben, es wird kein Fackelzug organisiert und kein Budendorf aufgebaut wie andernorts. Nein, wer in den Schwarzwald zum Scheibenschlagen möchte, muss sich durchfragen. Der Ort ist nicht einfach eine geschlossene Siedlung, sondern eine Ansammlung von Weilern, ursprünglich als Lehen des nahen Klosters St. Blasien gegründet. So heißen die Ortsteile denn auch Ober- oder Innerlehen, Weierle, Riggenbach oder Dorf.

Das Besondere in Bernau ist die Vielzahl der Scheibenfeuer, die in sieben Ortsteilen und an allen Tagen der Fastnachtswoche entzündet werden - bis auf Aschermittwoch, denn an diesem Tag wird nicht gefeiert.

Scheibenschlagen ist ein alter mitteleuropäischer Brauch - glühende Holzscheiben werden von Berghängen ins Tal geschleudert. Mit über Jahre oder gar Jahrzehnte geübtem Schwung und eigens ausgesuchten Stöcken werden die glühenden Holzscheiben weit ins Tal hinaus geschlagen. Sie drehen sich funkensprühend wie ein Diskus, bevor sie im hohen Schnee landen und ihr Feuer verglimmt.

Vor dem Hof des Tischlers Josef Pschera an der Hauptstraße in Dorf hängen einige Scheiben draußen. Vorher anrufen erweist sich als besser, denn wenn der Schreiner sägt, hört er in seiner Werkstatt weder Klopfen noch Rufen. Beim zweiten Anlauf gelingt der Kauf. Er erzählt, dass er schon mehrmals Scheibenmeister war. "Wenn ich das nicht mehr machen könnte, wäre mir nicht wohl", sagt er. Frau Pschera gibt Tipps und rät zu Stirnlampe und Stulpen über den Jeans. Der Weg sei schmal und der Schnee hoch und nass. Am Abend erfährt man von Einheimischen beim Schulhaus weitere Details und fühlt sich wie bei der Schnitzeljagd: An der Bank dort oben vorbei, dem Trampelpfad folgen, bis hinauf zum Waldrand und dann der Nase nach.

Beim Aufsteigen im letzten Tageslicht schimmern malerisch die Lichter unten im Ort, und am gegenüberliegenden Berghang lässt sich ein weiteres Feuer erkennen. Und tatsächlich: Ist man am Waldrand angelangt, steigt einem der Rauch des Holzfeuers bereits in die Nase. Nach zwei weiteren Serpentinen taucht das Feuer auf, mit etlichen Menschen, die im Schneegestöber oberhalb von <Dorf bereits zugange sind.

Das Feuer brennt heiß und hell, am kleinen Unterstand sind Nägel eingeschlagen, an denen die Rucksäcke mit dem Proviant trocken hängen. Sonst gibt es nichts außer rutschigen Pfaden: Die Rampe steht ein Stück oberhalb des windgeschützt angelegten Feuers direkt an der Hangkante. Nun gilt es, die Kunst des Scheibenschlagens zu erlernen: Die Scheibe wird mit dem Loch fest auf den Stecken gedrückt, damit sie sich nicht löst. Dann hält man sie ins Feuer, bis sie ordentlich glüht, und stapft damit zur Rampe. Der alemannische Brauch ist alt: 1000 Jahre mindestens. In einer Urkunde heißt es, dass am 21. März 1090 eine brennende Scheibe ein Nebengebäude des Klosters Lorsch in Brand, gesetzt habe.

Die Bräuche und Sprüche unterscheiden sich von Ort zu Ort, genau wie die Tage der Feier: Mancherorts wird zum Abschluss des Scheibenschlagens noch ein Feuerrad zu Tal gerollt. Bei Haslach im Kinzigtal beispielsweise, wo sich der Brauch selbst im Ortsnamen widerspiegelt: Dort findet das Fest am "Scheibenbühl" in Schnellingen statt. Allerdings erst am vierten Sonntag der Fastenzeit, dem "Lätere".

Meist findet das Scheibenschlagen eine Woche nach dem Fastnachtstermin statt, also am ersten Sonntag in der Fastenzeit, oder auch am Vorabend, damit man das Fest unbeschwert genießen kann. In manchen Dörfern in Tirol werden ebenfalls Scheiben geschlagen - auch in der Steiermark ist der Brauch bekannt. Dass aber an mehreren Abenden hintereinander ganz ursprünglich die Feuer entzündet werden, das ist einzigartig. Und gibt es nur im Hochtal - in Bernau im Hochschwarzwald.

Quelle: RP
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