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Messer
Zu Besuch in der Messerstadt Solingen

Eindrücke vom Solinger Schleifermuseum
Eindrücke vom Solinger Schleifermuseum FOTO: dpa, lea
Solingen. Schmieden, härten, schleifen, reiden - seit Jahrhunderten entstehen so in Solingen Klingen, Messer und Scheren. Schmiede und Schleifer lassen sich bei ihrer traditionsreichen Arbeit über die Schulter schauen.

Kurz vor dem Ende des langen Fertigungsweges feiern Klinge und Messergriff ihre Hochzeit. "Bei uns in Solingen nennen wir das traditionell Reiden. Das bedeutet wohl: Auf die Reihe bringen", erläutert Ralf Jahn den Besuchern. Im Wipperkotten an der Wupper arbeitet der ausgebildete Maschinenschlosser und Besteckschleifer seit 2008 als Messermacher.

Mit der Wasserkraft der Wupper werden Jahns Schleifsteine und Polierscheiben über das hölzerne Wasserrad wie in alten Zeiten auch heute noch angetrieben. Etwa 1605 wurde der Wipperkotten erstmals historisch erwähnt. Heute ist der stattliche Fachwerkbau eines der letzten gut erhaltenen Handwerkerhäuser - in der Region auch Kotten genannt.

An der Wupper und an den zahllosen kleinen Bachläufen entstanden die Schleiferkotten, in denen die selbstständigen Messer- und Scherenschleifer sich mit ihren Arbeitsplätzen einmieteten. Klingen, Messer und Scheren werden bereits seit dem Mittelalter in Solingen hergestellt, damals vor allem Degen und Schwerter. Das 17. Jahrhundert gilt als Blütezeit der Schneidwaren, mehr als 100 Schleiferkotten gab es 1684 in der Klingenstadt. Das verrät eine Ausstellung im Museum Balkhauser Kotten. Heute produzieren laut Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren etwa 150 Unternehmen mit gut 3000 Beschäftigten in Solingen die Schneidwaren.

"Im Museum Balkhauser Kotten haben sie noch bis in die 1950er Jahre hinein Messer geschliffen. Die Rohlinge kamen als schwarze Ware hierhin, wurden geschliffen, poliert, bekamen den Griff und verließen den Kotten als die weiße Ware, blank und scharf", sagt Nicole Molinari, Vorsitzende des Museumsvereins. Mit einem Team Ehrenamtlicher kümmert sich die Ingenieurin um den Erhalt des Schleiferkottens, in dem die Arbeitsschritte anschaulich dargestellt werden.

Magischer Pfälzerwald FOTO: dpa, jah

Und was macht der Vogelkäfig in der Mauerecke? Molinari erklärt den Besuchern: "Die Finken darin waren die Sensoren für die Luftverschmutzung durch Feinstaub in der Schleiferwerkstatt." Wenn sie die Flügel hängen ließen, sei es höchste Zeit fürs Lüften gewesen. Aus den Steinbrüchen der Eifel kamen die Schleifsteine, meistens zwei Meter im Durchmesser. Bezahlt wurden die Rundlinge erst, wenn sie eine Weile problemlos gelaufen waren. "Brach ein Stein auseinander und verletzte dabei den Schleifer tödlich, wurde er zu dessen Grabstein", erzählt Molinari.

Ingenieur Karl-Peter Born leitet in der vierten Generation die Messermanufaktur Güde in Solingen-Höhscheid. "Wir fertigen aus dem rohen Stahl hochwertige Schneidwerkzeuge." Der Firmeninhaber führt auf Anfrage hin und wieder Besuchergruppen durch seinen 1919 gegründeten Betrieb. Hier wird auf handgefertigte Qualität gesetzt: Fünfzigmal und mehr wird jedes Messer von den Beschäftigten bis zur Fertigstellung in die Hand genommen. Auf Holzschemeln sitzen die Schleifer vor ihren Maschinen, konzentriert und mit geübter Hand halten sie die Messer an die Schleifbänder. Immer feiner werden die Bänder vom Grobschleifen bis zum Pliesten - dem Feinschliff, der dem Metall zu Glanz, Glätte und Schärfe verhilft.

Handwerkliches Geschick und viel Erfahrung bringen die Schleifer mit. Mit seinen 82 Jahren kommt Rolf Weck noch immer stundenweise in den Betrieb, um etwa Weichkäsemesser beim Nassschleifen zu verzahnen. 1951 hatte er hier begonnen. Heute liefert die Manufaktur 200 verschiedene Schneidmesser in die ganze Welt. Die Palette reicht vom kleinen Universalmesser bis hin zu "The Knife": Fünf lange Jahre dauerte die Entwicklung dieses kostspieligen Schneidwerkzeuges.

Von der Gegenwart zurück bis in die Urzeit unternehmen Besucher eine Zeitreise im Deutschen Klingenmuseum in Solingen-Gräfrath. Blanke Waffen, Schneidwaren und Bestecke umfasst die einzigartige Sammlung mit ihren mehr als 30 000 Exponaten. "Wir zeigen die Kulturgeschichte des Schneidens, von der Antike bis zum Design unserer Tage", sagt die stellvertretende Museumsleiterin Isabell Immel.

Im Manuelskotten im benachbarten Wuppertal-Cronenberg fertigt Dirk Fromm in historischen Mauern überdimensionale Kuttermesser für Fleischfabriken. Lederriemen der Transmissionen klappern und hölzerne Zahnräder knarren, wenn er das Wasserrad zum Antrieb des Schleifsteines startet. Seit 31 Jahren schleift Fromm seine Messer und hält seine Werkstatt im Sommer jeden zweiten Sonntag für Besucher geöffnet. "Manch einer meint, der Manuelskotten sei ein Museum. Für mich ist es der Arbeitsplatz: Ich bin ein lebendes Museum."

(dpa)
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