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Zauchensee: Skifahren wie die Weltmeister
Zauchensee: Skifahren wie die Weltmeister FOTO: dpa, lea
Zauchensee. In Zauchensee geht ein früherer Abfahrts-Profi mit seinen Gästen auf die Piste: In dem Skigebiet im Salzburger Pongau hat Michael Walchhofer die ersten Schwünge gemacht. Jetzt bloß mithalten mit dem Weltmeister!

Langsam kann er nicht. Zwar spricht Michael Walchhofer immer wieder davon, die Pisten in Zauchensee gemütlich hinunterzufahren. So, dass jeder seiner Mitfahrer ihm hinterherkommt - nicht nur die furchtlosen Rennfahrer, die seit Kindertagen auf den Skiern stehen. Doch Walchhofer ist Profi im Ruhestand, Abfahrts-Weltmeister, Weltcup-Sieger. Von weiten Bögen hält er nichts. Seine Disziplin ist der Speed. Und: Er kennt das Skigebiet im Salzburger Land wie seine sprichwörtliche Westentasche. Denn hier hat er das Skifahren gelernt.

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Im Winter geht er gelegentlich mit den Gästen auf die Piste. Manchem Skifahrer, der sich auf der Piste ein Päuschen gönnt, bleibt der Mund offen stehen, wenn er den schlaksigen Mann mit der verspiegelten Skibrille an ihm vorbeirauschen sieht. "Jetzt ist gerade der Weltmeister hier runtergefahren", raunt ein Mann seiner Frau zu. Die versucht noch, die Hinteransicht des 1,92 Meter großen Promis unter den vielen bunt gekleideten Skifahrern auszumachen - doch vergeblich. Walchhofer hat sich bereits in fast gerader Linie Richtung Tal begeben. Gemütlich für ihn. Unerreichbar für den durchschnittlichen Skifahrer.

Lange Zeit hat er sich auf Geschwindigkeit getrimmt - zwölf Jahre dauerte seine Profi-Karriere. Heute schaut er von außen auf das Renn-Geschehen. Viel Zeit zum Skifahren bleibt ihm nicht, denn gerade im Winter ist er oft verplant: Er berät etwa österreichische Spitzenfahrer und engagiert sich beim Österreichischen Skiverband.

Die Familie Walchhofer gehört zu den Urgesteinen in dem kleinen Ort. Das ganze Jahr über wohnen exakt 51 Menschen hier auf 1350 Metern Höhe. Im Winter stehen gut 1800 Hotelbetten für die Wintersportgäste bereit. Viel los ist trotzdem nicht. Wer bummeln gehen will oder einen Supermarkt sucht, muss ins nahe gelegene Altenmarkt fahren. Vor 50 Jahren standen in Zauchensee nur ein paar Almhütten.

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"Da hatten ein paar Leute eine Vision, als sie den Ort für den Wintersport erschlossen", sagt Veronika Scheffer, die Geschäftsführerin der Zauchensee Liftgesellschaft. Einer davon war ihr Vater, auch die Walchhofers waren dabei. "Hier gab es keine Infrastruktur, keine Straße und keinen Strom", sagt sie. Trotzdem gab es einen Lift, der zu Beginn jeden Sommer wieder abgebaut wurde. Dann entschloss man sich, eine feste Bergbahn zu bauen.

Heute werden die rund 82 Pistenkilometer von 33 Liftanlagen bedient - in Zauchensee, Flachauwinkl und Kleinarl sowie in Radstadt und Altenmarkt. Auf diesen Pisten sind neben Michael Walchhofer auch Annemarie Moser Pröll und Hermann Maier groß geworden. Aber nur Walchhofer lebt inzwischen mit seiner Familie wieder hier. Immer wieder halten Skifahrer den Weltmeister auf, bitten um ein Foto mit ihm. Walchhofer nimmt das alles gelassen. Er hat Wege gefunden, sich von den Pisten fernzuhalten. "Ich gehe privat inzwischen mehr Touren, da sind nicht so viele unterwegs", sagt er. "Pisten habe ich in meinem Leben schon mehr als genug gesehen."

Dennoch kennt er sich auch auf der steilsten Piste in Zauchensee bestens aus - obwohl sie nicht zum Repertoire der Männer gehört. Die Weltcup-Piste ist einzig den Damen im Rennzirkus vorbehalten. Und die brauchen einen langen Atem auf der drei Kilometer langen Strecke, die auf 2176 Metern losgeht und 796 Meter niedriger endet. "Oben stürzt man aus dem Starthaus heraus, da ist man fast im freien Fall", sagt Walchhofer. Nur fünf Sekunden dauert es bei 70 Prozent Neigung, bis die Rennfahrer auf 100 Stundenkilometer beschleunigt haben.

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Für die Profis werden verschiedene Sprünge präpariert, in denen sie mitunter die Richtung wechseln müssen. Und dann kommen sie zur Schmalzleit'n. "Wissen Sie, warum die so heißt?", fragt Walchhofer bei einer seiner wenigen Pausen in die Runde. Keiner traut sich so recht aus der Deckung. "Hier beginnt der Endspurt der Weltcup-Strecke", sagt der Weltmeister. "Da zeigt sich, wer noch Schmalz in den Waden hat."

Skifahrer und Wanderer können heute mit einer kleinen Standseilbahn auf das Plateau fahren, auf dem alle zwei Jahre das Starthaus für den Weltcup aufgebaut wird. Das erste Stück der Piste wird nur für diesen Zweck präpariert. Sonst ist hier ein Felsen, von dem es den Schnee bläst. Der Blick von hier oben ist einzigartig. Bis zum Großglockner im Süden, über die gesamten Berge, die das zusammengeschlossene Skigebiet Ski amadé ausmachen mit seinen 760 Kilometern Pisten. Hier oben spielt Geschwindigkeit dann einen Moment lang mal keine Rolle.

(dpa)
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