| 21.17 Uhr

Deutschlandreise
Das Land der 1000 Hügel

Deutschlandreise: Das Land der 1000 Hügel
FOTO: RP, Ferl
Düsseldorf. Das Bergische Land hat nicht die höchsten Gipfel in NRW, bietet aber mit Fachwerkhäusern, zahlreichen Talsperren und Höhlen zwischen sich stetig abwechselnden Wäldern und Wiesen eine Landschaft mit viel Industriegeschichte.

Eine Geschichte über das Bergische Land beginnt man am besten, indem man ein Jahrhunderte überdauerndes Missverständnis ausräumt: Der Name Bergisches Land hat nichts, aber auch gar nichts mit Bergen zu tun - die gibt es dort, und im Vergleich zu den Erhebungen im Rheinland und am Niederrhein sind sie auch recht hoch, doch leitet sich der Begriff von den Grafen von Berg ab. Herrschaftssitz war zunächst Altenberg, ab 1133 Schloss Burg und ab dem späten 14. Jahrhundert Düsseldorf. Das frühere Herzogtum Berg war riesig, es entsprach in weiten Teilen dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Mit den Grafen von Berg aus dem Haus Limburg kam das heute noch gebräuchliche Wappen des rot-blau gefärbten zweischwänzigen Löwen auf silbernem Grund in das Herzogtum Berg an den Rhein. Es handelte sich ursprünglich um den Limburger Löwen.

Zwar hat das Bergische Land nicht die höchsten Gipfel in NRW, doch sind die Tausenden sanften Hügel prägend für die Landschaft, die sich zwischen den Flüssen Rhein und Sieg erstreckt. Dazwischen schmiegen sich Ansammlungen von Fachwerk- und Schieferhäusern. Wer den ein oder anderen Ort des Bergischen Landes besucht, kommt sich vor, als sei die Zeit stehen geblieben. Ein Großteil der Fachwerkhäuser im Bergischen Land stammt aus dem 19. Jahrhundert, aber es finden sich auch welche, die bereits im 16. Jahrhundert entstanden sind.

Es gibt ganze Dörfer wie Bruch bei Nümbrecht, die fast ausschließlich aus Fachwerkhäusern bestehen und wie ein Freilichtmuseum wirken. Viele der schwarz-weißen Häuser stehen zwar unter Denkmalschutz, werden aber bis heute bewohnt und sind auch bei jungen Familien begehrt. "Fachwerkhäuser mit den vielen kleinen Zimmern, den Sprossenfenstern und dem sichtbaren Gebälk sind einfach sehr gemütlich", sagt Claudia Rubbel, die sich mit ihrem Mann Ralf Schneider für ein Fachwerkhaus als Zuhause entschieden hat. Die beiden gebürtigen "Ober-Berger" bewohnen in Bruch mit ihrer siebenjährigen Tochter Viktoria ein 170 Quadratmeter großes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1790. Das Haus ist komplett restauriert und renoviert worden - natürlich unter Einhaltung aller Denkmalschutzauflagen. Die Familie mag das Ambiente auf dem Dorf: "Wir haben nie bereut, unsere moderne Wohnung aufgegeben zu haben", sagt die 46-jährige Claudia Rubbel. Wenn es der Job erfordert hätte, wären sie auch weggezogen aus dem Bergischen, aber dann würde ihnen viel fehlen: "die Hügel, die Wiesen und Wälder und die Talsperren", schwärmt Rubbel. "Da kann man auch akzeptieren, dass es hier etwas öfter regnet als in anderen Landesteilen."

Blau und Grün, Wald und Wiesen - das ist das Bergische Land. FOTO: Klaus stange (4), Sabine König Photodesign/Das Bergische

Und überhaupt sorgt dieser Regen ja auch dafür, dass die Talsperren immer gut gefüllt sind und die Wasserqualität so gut ist. Alle zwölf Talsperren im Bergischen Land wurden künstlich angelegt. "Die größte natürliche Wasseransammlung im Bergischen Land ist eine Pfütze", sagt David Bosbach vom Tourismuszentrum. Den Rekord hält die Dhünntalsperre mit 82 Millionen Kubikmetern Wasser.

Die rauschenden Bäche haben es begünstigt, dass sich eine wichtige Industrie ansiedeln konnte. So finden sich bis heute an der Wupper Spuren der frühen Industrialisierung, in Form von so genannten Kotten mit Wasserrädern, in denen die "Schlieper" (Schleifer) Messer und Scheren fertigten, die Solingen weltweit als Klingenstadt bekannt machten. Dieser Industriegeschichte kann man in Museen in Solingen oder Engelskirchen nachspüren, und noch immer werden ab und an Vorführungen gegeben, bei denen man das alte Handwerk beobachten kann.

Das Fachwerkdorf Bruch (Nümbrecht) steht teils unter Denkmalschutz. FOTO: Sabine König Photodesign

Den Bewohnern des Bergischen Landes eilt ein miesepetriger Ruf voraus. Sie gelten als muffig, verschlossen und pessimistisch. Aber das ist Quatsch, meint Schneider. "Der Ober-Berger braucht vielleicht etwas länger als der Rheinländer, bis er auftaut, aber dann ist er ein sehr guter Freund."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Deutschlandreise: Das Land der 1000 Hügel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.