Leuchtturm Roter Sand
Deutschlands einsamstes Hotel

125 Jahre Leuchtturm Roter Sand
125 Jahre Leuchtturm Roter Sand FOTO: dapd
Bremerhaven. Bremerhaven (RPO). Fast 30 Seemeilen von Bremerhaven entfernt ragt er aus der See. 125 Jahre wies der Leuchtturm Roter Sand den Schiffen den Weg. Heute kann man hier umtost von Nordseewellen übernachten. Vorausgesetzt, man übersteht die dreistündige Anreise im Bergungsschlepper.  

 

Der Bootstrip ist schon das erste Abenteuer für die Gäste. "Der Schlepper kann nur bei ruhiger See am Leuchtturm anlegen", sagt Harald Kirbach, der zusammen mit Freunden eine Nacht auf dem Turm verbracht hat. Am 1. November wird das weltweit erste Bauwerk auf offener See 125 Jahre alt.

Anders als vor hundert Jahren, als der Leuchtturmwärter bei der Dienstablösung noch mit einem Korb abgeseilt wurde, erklimmen die Gäste den Roten Sand heutzutage über eine sechs Meter hohe Außenleiter. Innen erwartet sie: ein gemeinsamer Schlafraum mit Etagen-Kojen für bis zu sechs Übernachtungsgäste, eine Küche, die zugleich Aufenthaltsraum ist, sowie ein Waschraum. Schlafsäcke und Handtücher müssen mitgebracht werden. Strom und Heizung gibt es nicht.

Gekocht wird selbst

"Dafür gibt es aber eine umfassende Verpflegung", sagt Kirbach. Sie besteht aus Trinkwasser, einigen frischen Lebensmitteln und Konserven. Gekocht wird selbst. Auf das Glas Wein zum Essen müssen die Gäste allerdings verzichten, denn Alkohol ist auf dem fast 30 Meter hohen Turm verboten. Der 58-jährige Verlagsmanager aus Bremerhaven kann das nachvollziehen. "Zwischen dem Aufenthaltsraum und der Toilette liegen etwa 70 ausgetretene Stufen, da muss man schon aufpassen auch ohne etwas getrunken zu haben", sagt er.

Fast 80 Jahre lang diente das Leuchtfeuer Seeleuten auf dem Weg von und nach Bremen und Bremerhaven als Orientierung. So war der Rote Sand das letzte Bauwerk, das Millionen von Auswanderern bei ihrem Aufbruch in die Neue Welt von Europa gesehen haben. Dabei war das Bauwerk selbst damals eine technische Pionierleistung. Das Fundament, auf dem die Stahlkonstruktion errichtet wurde, wurde 22 Meter in den Meeresgrund eingegraben.

1964 wurde der Leuchtturm von der Schifffahrt aufgegeben, nachdem das Fundament stark geschädigt und der Turm nicht für die neue Technik geeignet war. "Der Turm gammelte vor sich hin", sagt Christiane Feulner von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die das bekannteste maritime Wahrzeichen an der deutschen Nordseeküste betreut.

1999 erste Gästefahrt

In einer spektakulären Rettungsaktion wurde dem Roten Sand 1987 eine Manschette übergestülpt, um dem desolaten Fundament neue Stabilität zu verleihen. Nachdem auch das Innere des Turms restauriert worden war, prüften die DSD und die Bremerhaven Touristik die Möglichkeiten, den unter Denkmalschutz stehenden Leuchtturm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie fanden einen Weg: 1999 gab es die erste Gästefahrt zum Roten Sand. Seitdem haben 800 Übernachtungsgäste und 5500 Tagesbesucher den Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Leuchtturm nachgespürt.

"Ich selbst habe mich über die Stimmung außerhalb des Turms gefreut", sagt Kirbach. Es sei "sehr emotional" gewesen, auf der Außenbalustrade zu sitzen und Meeresrauschen und Möwengeschrei zuzuhören. Beeindruckt sei er auch von der Vielzahl der Schiffe gewesen, die am Leuchtturm vorbeigefahren seien. "Die Besatzung hat mir zugewunken und ich habe zurückgewunken. Das war einfach gigantisch", schwärmt der Bremerhavener.

Abends um 21 Uhr muss sich die Turmbesatzung bei der Seenotleitung melden. "Dies dient der Sicherheit der Gäste", sagt Tanja Albert von der Bremerhaven Touristik, die die Tages- und Mehrtagesreisen koordiniert. Saison sei in der Regel von Mitte Mai bis Mitte September. "Die Übernachtungstermine sind schnell ausgebucht", berichtet Albert.

Sanierung im kommenden Jahr geplant

Zum 125. Geburtstag sollte das Bauwerk in diesem Jahr eigentlich in frischem Glanz erscheinen. Denn das raue, salzhaltige Klima auf offener See macht alle acht bis zehn Jahre einen Neuanstrich erforderlich. Doch die geplanten Arbeiten mussten wegen des schlechten Wetters verschoben werden. Für die bis 14 Tage dauernden Konservierungs-, Schweiß- und Malerarbeiten müsse es trocken sein. Jetzt solle die rund 150.000 Euro teure Sanierung 2011 ausgeführt werden.

Schlechtes Wetter sorgt in seltenen Fällen auch für eine unfreiwillige Verlängerung des Aufenthalts. "Die Gäste bleiben dann so lange auf dem Leuchtturm, bis die Wetterlage eine Abholung ermöglicht", sagt Albert. Entsprechend erleichtert war Kirbach am Morgen der Abreise. "Ich habe mich gefreut, den Schlepper zu sehen", erinnert sich der 58-Jährige.

Infos: Buchungen unter www.bremerhaven-tourism.de

Preise: 2 Tage, 1 Übernachtung, inkl. Überfahrt, 488 Euro pro Person, 3 Tage, 2 Übernachtungen, inkl. Überfahrt, 573 Euro pro Person. Tagesfahrten zum Leuchtturm finden von Anfang  Juni bis Anfang September statt und kosten 74 Euro.

Internet: www.roter-sand.de

(DDP/mais)
 
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