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Home of Golf
Die Geburtsstätte des Golfsports

In St. Andrews sollen im Jahr 1350 die ersten Bälle geflogen sein. Die britische Königsfamilie hat eine enge Verbindung zu der schottischen Kleinstadt. Doch die Hauptstadt des ehemaligen "Kingdom of Fife" hat noch weit mehr zu bieten. Von Tino Hermanns

Wenn sich der "haar" übers Land legt, wird alles in eine feine, luftige, feuchte, milchigweiße Hülle gelegt. Die Sichtweite im Nebel beträgt dann nur noch rund 150 Meter. Dann ist es "very scottish" in St. Andrews und auch etwas "spooky" (gruselig). Nicht die besten Voraussetzungen, um im "Home of Golf" den kleinen weißen Ball mit den vielen Dellen über die Spielbahnen zu jagen. Dafür steigen aber Schwarz-Weiß-Bilder alter Edgar-Wallace-Filme vor dem geistigen Auge auf und man fühlt sich wie ein Lord aus vergangenen Zeiten. Auch weil man beispielsweise im Fairmont Hotel auf den Gängen immer mit einem "Guten Tag, Sir" begrüßt wird.

St. Andrews beherbergt den "heiligen Rasen" des Golfs. Hier soll der Sport im Jahr 1350 erfunden worden sein, hier entstand 1553 der noch heute bespielte Old Course. Und hier hat 1567 Mary Queen of Scots wenige Tage nach der Ermordung ihres Gatten Lord Darnley gespielt. Außerdem wurde in der schottischen Kleinstadt der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) 1754 gegründet, der bis 2004 das oberste Regulativ des globalen Sports war. Heute befinden sich in der knapp 17.000 Einwohner großen Gemeinde die sieben Plätze umfassenden St. Andrews Links, die übrigens alle öffentlich sind und auf denen sonntags nicht gespielt werden darf, weil dann die Links jedem als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen. Direkt vor den Toren der Stadt liegen noch "The Kittocks", "The Torrance" und "Kingsbarns Links".

Der R&A gehört zu Schottland wie das Königshaus zu Großbritannien. Da wundert es nicht, dass bereits sechs Mitglieder der Royals Kapitän des R&A waren. Zuletzt der Duke of York, Prince Andrews. Doch die Verbindungen zwischen dem "Home of Golf" und der von Queen Elizabeth II. geführten Familie Windsor sind tiefer. Der an Position zwei der Thronfolge stehende Prinz William war einer von mehr als 8000 Studenten an der ältesten schottischen Universität (Gründungsjahr 1413). "Bei einer Modenschau hat ,Wills' Kate Middleton kennengelernt. Sie waren regelmäßig im Northpoint, um gemeinsam Kaffee zu trinken", erzählt Guide Mike Taylor. Inzwischen sind Kate und William verheiratet, haben zwei Kinder und sind zu den beliebtesten Royals avanciert.

Doch St. Andrews hat noch viel mehr zu bieten als Golf. An der mittelschottischen Nordseeküste kann man sich perfekt in eine ganz andere Epoche hineindenken. Dazu braucht man einfach nur durch die Straßen und Gassen der Hauptstadt des ehemaligen "Kingdom of Fife" zu streifen. Überall stehen uralte, aber gut gepflegte Gebäude. Das Zentrum von St. Andrews ist aus einem historischen Guss. "Wir verstecken unsere neuen Häuser möglichst geschickt hinter den alten. Wir wollen die historische Einheit erhalten", sagt Taylor.

Er ist ein wandelndes Lexikon der uralten westschottischen Kleinstadt. Unabhängig vom Wetter, in Schottland scheint durchaus auch mal die Sonne von einem strahlend-blauen Himmel hinab, führt Taylor einen auf Zeitreise durch vergangene Jahrhunderte. Er nimmt einen mit zu Belagerungen des "Castles", dem Zentrum des Katholizismus in Schottland, zu Kirchen- sowie Kathedralbauten und erläutert Hexenverbrennungen. Taylor thematisiert die Geschichte des Golfs, französische Flotten, Queen Mary und James VI., der im zarten Alter von einem Jahr zum schottischen König ernannt und später zu James I. des Vereinigten britischen Königreiches gesalbt wurde. Taylor erzählt indirekt von der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Schotten, die sich im durchaus prächtigen St. Andrews auch in Gebäuden zeigt. Nach einer wechselvollen Geschichte, die zwischen Wohnhaus des katholischen Erzbischofs, Gefängnis und Sitz der protestantischen Polizeigewalt pendelte, verfiel das Castle im 17. Jahrhundert. Daraufhin befahl die Stadtverwaltung die Steine zur Reparatur des bis heute existierenden Hafenpiers zu verwenden.

Diese Art des Recyclings hat in Schottland immer noch Hochkonjunktur. So baute Douglas Clement seine nagelneue Kingsbarns Whisky Distillery aus den Ruinen eines uralten Bauerngehöfts auf. "Als ich noch professioneller Golf-Caddy war, haben mich Golfer gefragt, wo man in der Gegend von St. Andrews eine Destillerie besuchen könne. Aber es gab keine", erzählt Clement. Nun lässt sich die Herstellung des "uisge beatha", so die gälische Bezeichnung für das schottische Nationalgetränk, auch wieder in St. Andrews erkunden.

Die Redaktion wurde von FRHI Hotels & Ressorts zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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