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Eisenach
Eisenach erwartet 2017 Touristenansturm

Eisenach. Zu den deutschen Lutherstädten gehört Eisenach. Besser gesagt, die Wartburg. Dass Martin Luther (1483 bis 1546) hier im Winter 1521/22 das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt hat, weiß fast jedes Kind. Etwa 350.000 Besucher kommen jedes Jahr auf die Wartburg. Die meisten hören dann enttäuscht, dass die Geschichte mit dem Tintenfleck nur eine schöne Legende ist: Der Reformator, da verstehen die Experten keinen Spaß, hat gar nicht mit dem Tintenfässchen nach dem Teufel geworfen.

Im nächsten Jahr werden es wohl noch mehr Touristen sein. Unter der Überschrift "Luther und die Deutschen" ist die Wartburg neben Wittenberg und Berlin der dritte Standort für die nationale Ausstellung "500 Jahre Reformation". Da hat es Eisenach schwer, mehr als nur die Stadt unter der Wartburg zu sein.

Dabei wurde hier nicht nur Johann Sebastian Bach geboren, auch der jugendliche Luther verbrachte hier drei wichtige Jahre. 1498 bis 1501 bereitete er sich in Eisenach auf sein Studium in Erfurt vor. 3000 Einwohner lebten damals im Schutz dicker Mauern, erzählt Stadtführerin Alexandra Husemeyer. Eisenach ging es gut. Der Tuchhandel florierte, die Via Regia, die alte Königsstraße, führte durch die Stadt. Sieben Klöster gab es. Doch das waren nicht die Hauptgründe, den 15-Jährigen nach Eisenach zu schicken. Seine Mutter stammte von hier, der Vater aus dem nahen Möhra. Martin sollte wohl bei Verwandten unterkommen.

Doch die Zeugnisse sind äußerst rar. Da redet auch Jochen Birkenmeier nicht drumherum. Er ist der Chef des Lutherhauses, eines modernen Museums, das im Herbst 2015 nach umfangreichen Sanierungen wiedereröffnet wurde: "Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob er in den Lutherstuben unter dem Dach wirklich gewohnt hat."

Die sehr gelungene Dauerausstellung "Luther und die Bibel" präsentiert auf drei Etagen unter anderem Gemälde (von Cranach und aus der gleichnamigen Schule), Prunkstücke des Römhilder Textilschatzes und das Kirchenbuch mit dem Tauf-eintrag Johann Sebastian Bachs. Dazu wird ein interaktiver Zugang zur Bibel und zum Übersetzen geboten. So lässt sich das deutsche Sprachengewirr erlauschen und der Versuch unternehmen, selbst die rechten Worte zu finden.

In wenigen Minuten lässt sich das Bachhaus erreichen. Nicht weniger interessant sind Deutschlands schmalstes historisches Wohnhaus mit 2,05 Meter Breite, der Flüsterbogen am Luther-Gymnasium und der "Luthererlebnispfad" hinauf zur Zugbrücke der Wartburg.

(epd)
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