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Exotisches Vietnam
Endlose Strände und Hupkonzerte

So wunderschön ist Laos
So wunderschön ist Laos FOTO: rpo / Janina Schönrock
Düsseldorf (RPO). Zu beiden Seiten des Mopeds sind acht lebendige Ferkel festgeschnallt. Am Straßenrand radelt eine Bäuerin – ihr Vehikel voll beladen mit Reis. Dazwischen bahnt sich ein Vater mit zwei Kindern auf dem Roller den Weg durch die Menge. Abertausende von Mopeds fahren scheinbar unkontrolliert pausenlos kreuz und quer aufeinander zu. Eine ganz normale Straßenszene in Vietnam. Von Ina Lauer

Der Verkehr in Vietnam ist vieles: laut, dreckig, schnell und scheinbar unüberwindbar. Immer wenn man denkt, jetzt kracht's, tut sich auf wundersame Weise eine Lücke auf und der Unfall bleibt aus. Hupen ist hier wichtiger als Bremsen. Um sicher durch den unaufhaltsamen rollenden Verkehr zu gelangen, sollte man als Erstes lernen wie man eine Straße überquert. Nur nicht stehen bleiben lautet die Devise.

Und obwohl die Verkehrssituation abschreckend klingt und das Reisen manches mal beschwerlich ist: Vietnam ist eine Reise wert. Denn zwischen kommunistischem Norden und westlich-orientiertem Süden, zwischen Zerfall und Aufbau lockt das wahre Indochina. Seit sich das Land nach jahrelangen Kriegen 1990 dem Tourismus öffnete, hat sich vieles zwischen den kapitalistischen und kommunistischen Gegenpolen verändert.

Französischer Jugendstil

Mit ihren schattigen Alleen und ockergelben Jugendstilbauten aus der Zeit der französischen Besatzung, ihrem historischen Stadtkern der "36 Gassen" sowie zahlreichen Pagoden und Tempeln zieht die 2300 Jahre alte Stadt Hanoi die Besucher in ihren Bann. Die Häuser sind viel höher als breit. Das ist zwar nicht ursprünglich vietnamesisch, hat aber mit der Steuer zu tun, die auf die Häuserbreite erhoben wurde.

Ein attraktiver Kontrast dazu zeigt sich im tropischen Süden, gut 1700 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernt. Das ehemalige Saigon, seit 1975 in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt, ist moderner, exklusiver und multikultureller. Neben traditionellen vietnamesischen Garküchen, die an nahezu jeder Ecke Nudelsuppe und Reisgerichte anbieten, halten asiatische und westliche Fastfoodketten Einzug. Für europäischen Standard etwas gewöhnungsbedürftig sind die selbst im Schnellrestaurant parkenden Motorroller der Mitarbeiter.

Feilschen ist ein Muss

In Ho-Chi-Minh Stadt findet das wahre Business des Landes statt. Geschäftstüchtigkeit ist vietnamesische Tugend. Verwunderlich ist es daher nicht, dass der als potentielle Kaufkraft angesehene weiße große Europäer an lokalen Märkten und vielen kulturellen Stätten Vietnams geradezu belagert wird. Feilschen ist an Straßenständen und lokalen Märkten ein Muss - nicht so in Einkaufzentren und Supermärkten. Ein Besuch der öffentlichen Märkte, wie dem "Ben Than" in Saigon oder dem "Cho Dong Xuan Markt" in Hanoi darf man nicht versäumen, um die eigenen Verhandlungskünste zu erproben. Obwohl die lokale Währung der Dong ist, kann man fast überall mit US Dollar bezahlen.

Fernab von Handel und Großstadt liegen unberührte Küstenlandschaften, tiefgrüne Reisfelder sowie jahrtausende alte Zitadellen. Die Halongbucht, westlich von Hanoi, ist ein wahrer Touristenmagnet. Tausende kleine Inseln sowie Kalkfelsen voller Grotten liegen im smaragdgrünen Wasser.

Historisch präsentiert sich dagegen das trockene Zentralvietnam mit der Kaiserstadt Hué. Eine der schönsten Städte Vietnams ist wohl die malerische Künstlerstadt Hoi An, Die gesamte Altstadt ist inzwischen Weltkulturerbe. Hier lässt es sich flanieren, gut essen, sich günstig Kleid und Anzug schneidern oder einfach nur am Strand liegen.

Endloser Mekong

Mit 48.880 Kilometern ist der Mekong dreieinhalb Mal so lang wie der Rhein und durchzieht sechs Länder, zuletzt Südvietnam. Das Delta, wo einst die Kämpfe des Vietcong ausgetragen wurden, besticht heute durch eine Landschaft unendlicher Reisfelder, alte Khmer-Tempel und traumhafter Strände.

Ein Besuch der Tunnelsysteme von Cu Chi, 40 Kilometer außerhalb von Saigon, führt in die Kriegszeit Vietnams zurück. In etwa 250 Kilometer langen Tunneln versteckten sich hier Partisanen vor amerikanischen Besatzern. Heutzutage kriechen Touristen auf allen vieren durch die engen Tunnelsysteme, die bereits zum Teil verbreitert wurden.

Infos:

Fremdenverkehrsamt: Vietnam Travel Information c/o Indochina Services, Enzianstr. 4a, 82319 Starnberg, 08151-770222, 08151-770229

Was man unternehmen kann: Vietnam ist vor allem für Individualtouristen und Kulturreisende interessant. Im Norden kann man Trekkingtouren ins Hochland unternehmen. In der Halong Bay laden Karstfelsinseln und Grotten zu Bootsfahren ein. Einige Badestrände gibt es hier ebenfalls. Im Zentrum des Landes befindet sich mit Hoí An, Hué und My Song mehrere Weltkulturerbe-Stätten. Die Küste bei Nha Trang im Südosten ist ein El Dorado für Wassersportler. Im Süden wartet die Metropole Saigon, die Tunnelsysteme von Cu Chi und der Cao-Dai-Tempel. Das riesige Mekongdelta kann man mit ein bis mehrtägigen Rundfahrten erforschen.

Einreise: Für die Einreise ist ein Reispass notwendig, der mindestens 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültig ist sowie ein Rückflugticket. EU-Bürger benötigen ein Visum, dass sie bei der vietnamesischen Botschaft in Berlin beantragen. Die wichtigsten Flughäfen sind in Saigon und Hanoi.

Klima:  Das tropische Monsunklima sorgt ganzjährig für warme bis heiße Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit. Im Norden (Hanoi) gibt es ausgeprägtere Jahreszeiten, im Winter ist es dort mit etwa 15 Grad deutlich kühler als im Süden. Dort liegen die Durchschnittswerte meist um und über 30 Grad. Die meisten Niederschläge fallen von Mai bis Oktober.

Währung: Die vietnamesische Währung ist der Dong (D, VND), es gibt nur Scheine bis zu einem Wert von 50.000 VND. 1 Euro = ca. 16.000 Dong.

Gesundheit: Das Gesundheitssystem in Vietnam entspricht nicht westlichen Standards. Vietnam gilt zum Teil als Malariagebiet. Im Süden - vor allem im Mekondelta - sollte man sich gegen Malaria schützen.

 
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