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200 Jahre Waterloo
Auf den Spuren der letzten Schlacht Napoleons

Erinnerung an die Schlacht von Waterloo
Erinnerung an die Schlacht von Waterloo FOTO: dpa, lea gab
Waterloo. 5000 Statisten und 22 Tonnen Schwarzpulver - zum 200. Jahrestag findet die bislang größte historische Nachstellung der Schlacht von Waterloo statt. Die Schlachtfelder liefern Besuchern eindringliche Zeugnisse der blutigen Gefechte.

Gerstenfelder, soweit das Auge reicht. Vor 200 Jahren versteckten sich darin die Soldaten Napoleons vor den alliierten Truppen von General Wellington und den Preußen. Die Gräser bedecken ein Stück Land, auf dem sich etwa 180 000 Soldaten blutige Kämpfe lieferten. Innerhalb weniger Stunden starben am 18. Juni 1815 schätzungsweise mehr als 40 000 Soldaten. Bei Waterloo, rund 15 Kilometer von Brüssel entfernt, führte Napoleon Bonaparte sein letztes Gefecht. Mit mehr als 5000 Statisten, 300 Pferden und 22 Tonnen Schwarzpulver wird Mitte Juni noch einmal die Schlacht geschlagen, die das Ende von zwei Jahrzehnten Krieg in Europa brachte.

Das Schauspiel hat Tradition. Fast jedes Jahr treffen sich vor den Toren der wallonischen Stadt Geschichtsfans, um die Schlacht wieder erlebbar zu machen, die das Ende der Herrschaft Napoleons besiegelte. Doch dieses Jahr findet das bislang größte Reenactment statt.

Auf den Hügeln bei Waterloo wollte Wellington vor 200 Jahren mit seinen alliierten Truppen aus Engländern, Belgiern, Niederländern, Braunschweigern, Hannoveranern, Nassauern und den Preußen unter Gebhard Leberecht von Blücher den Kaiser von Frankreich auf seinem Marsch nach Brüssel stoppen. Napoleon hatte Anfang des 19. Jahrhunderts mit blutigen Kriegen große Teile Europas unterworfen.

Napoleon zähle zu den bedeutendsten Geschichtsfiguren weltweit, erklärt Etienne Claude vom Tourismusbüro der heutigen Gemeinde Waterloo. Und Waterloo sei sofort bekanntgeworden. Den Beweis findet man im Wellington-Museum im Zentrum der Stadt, sagt Claude. In einem der Ausstellungssäle sind die mehr als 120 Städte aufgeführt, die den Namen Waterloo tragen, von Australien bis Kanada. Doch der 200. Gedenktag ist nicht nur wegen der Größenordnung des Spektakels ein Ereignis. Die Schlacht von Waterloo feiert erstmals einen Jahrhundertgeburtstag. Der 100. Gedenktag fiel aus, denn im Jahr 1915 tobte in Europa der Erste Weltkrieg.

Ein Besuch auf den Schlachtfeldern ist eine eindringliche Zeitreise in die Vergangenheit, auch wenn die Spuren der Kämpfe heute weitgehend verschwunden sind. Zwar wurde erst vor drei Jahren ein erstaunlich gut erhaltenes Skelett eines Soldaten entdeckt, doch der Großteil der Menschenleichen und Pferdekadaver wurde in Massengräbern verscharrt oder verbrannt. Die Scheiterhaufen sollen noch acht Tage nach der Schlacht gebrannt haben und das menschliche Fett bis auf die angrenzende Chaussee de Charleroi geflossen sein. So erzählt es Daniel Boydens, der seit fünf Jahren Touristen über die Schlachtfelder führt. Die Chaussee war damals ungefähr drei Meter breit.

Heute herrscht auf der ausgebauten Verbindungsstraße zwischen Waterloo und dem etwa 20 Kilometer entfernten Charleroi zu den Hauptverkehrszeiten regelmäßig Stau. Von Charleroi aus machte sich Napoleon im Juni auf den Weg nach Waterloo. In der Ferme du Caillou, einem alten Bauernhof am Rande der Chaussee, richtete er sein letztes Hauptquartier ein. Heute befindet sich in dem weiß getünchten Haus ein kleines Museum, auf dem Vorplatz gleich daneben steht eine Statue Napoleons. Sie zeigt den Kaiser im Feldherrenmantel, in seiner rechten Hand ein Fernrohr, mit dem er womöglich die letzten Stunden seiner Niederlage verfolgt hat.

Auf der Anhöhe, hinter der Wellington mit seinen Soldaten auf die Franzosen wartete, erhebt sich seit 1826 der 40 Meter hohe Löwenhügel. Wilhelm I. von Oranien, König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, ließ ihn in Gedenken an seinen Sohn errichten, der wahrscheinlich an dieser Stelle an der Schulter verletzt wurde. Mehr als 220 Stufen führen auf die Plattform hinauf, auf der ein 28 Tonnen schwerer Löwe aus Bronze steht und seine Zähne fletscht - nach Süden in Richtung Frankreich.

Von dem Tumulus aus hat man den besten Blick über die Schlachtfelder, die zu den kleinsten jener Zeit zählen. Sie erstrecken sich auf rund 2 500 Hektar über die Gemeinden Braine-l'Alleud, Genappe, Lasne und Waterloo. Auf einer Fläche, die knapp siebenmal so groß ist wie der Englische Garten in München, starben vor 200 Jahren Tausende Menschen. Ein Nahkampf, den der französische Dichter Victor Hugo (1802 - 1885) als "Erdbeben" bezeichnete. In seinem Buch "Die Elenden" schreibt er: "Nie haben sich zwei Heere mit einer solch schmalen Front und solcher Tiefe gegenüber gestanden, als bei Waterloo. Daher denn auch das furchtbare Gemetzel."

Die Schlachtfelder sind seit 1914 per Gesetz geschützt. Das Panorama, das unterhalb des Löwenhügels liegt, wurde zwei Jahre zuvor eingeweiht. In dem Gebäude im neoklassischen Stil stellt eine 110 Meter lange und 12 Meter hohe Leinwand die Kämpfe mit Hilfe spezieller Effekte fast hautnah dar. Das Rundblick-Kunstwerk stammt von dem Franzosen Louis Dumoulin.

Vor wenigen Wochen wurde auf der Anhöhe das Mémorial 1815 eröffnet. Das Gedenkstätten-Museum liegt wegen des Gesetzes von 1914 unter der Erde. In dem 6 000 Quadratmeter großen Gebäude am Fuß des Löwenhügels wartet eine weitere Zeitreise auf den Besucher. In einem 3D-Film geht es an der Hand eines jungen Trommlers mitten in das Kampfgeschehen, das am 18. Juni als die Schlacht von Waterloo in die Weltgeschichte einging.

(dpa)
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