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Ringkampf
Wenn der "Hagmoar" an der Hose lupft

Alpen Sehenswürdigkeiten: Die Ringkämpfe der Ranggler
Der Wettkampfplatz liegt auf dem 2117 Meter hohen Gipfel des Hundsteins im Salzburger Land. Die jüngsten Ranggler sind gerade mal acht Jahre alt, die ältesten Mitte 30. Sie alle kämpfen nach strengen Regeln. FOTO: Peter Zangerl
Die archaischen Ringkampfturniere der Ranggler werden noch in vielen Alpentälern gepflegt. Aber nirgendwo sind sie so spektakulär und populär wie am Hundstein im Hochköniggebiet. Von Georg Weindl

"Auf gehts Seppi, greif eini, pack ihn!" Der stämmige Mann mit Vollbart und Lederhosen steht breitbeinig auf dem Gras und brüllt mit tiefer Stimme. Keine drei Meter entfernt kniet der Seppi, ein schmächtiger Achtjähriger in seinem weißen Anzug, und ringt mit seinem Kontrahenten, will ihn am Hosenbund packen und auf den Rücken wuchten. Doch der hält dagegen. Sie schnaufen, stöhnen, drücken. Seppi klammert und schiebt, aber der Gegner ist einige Kilo schwerer, und irgendwann geht ihm die Kraft aus, und er landet nach einem judoähnlichen Hüftwurf auf dem Rücken. Das ist das Ende des Kampfes. Die Tränen laufen Seppi über die Wangen, er rennt zu seinem Trainer und verkriecht sich am Rand des Kampfplatzes.

Es wird einem nichts geschenkt am letzten Julisonntag auf dem 2117 Meter hohen Gipfel des Hundsteins im Salzburger Land. Hier haben sie keine Augen fürs Bergpanorama. Das Gelände beim Gipfel ist eine Naturarena und wie geschaffen für das Ranggeln. Für die Einheimischen ist es eine wichtige Tradition, bei der nach strengen Regeln und in weißen Anzügen gekämpft wird. Seit einigen Jahren gehört es zum Unesco-Kulturerbe Österreichs.

FOTO: Peter Zangerl

Viele Techniken sind dem mittelalterlichen Ringen ähnlich. Nachvollziehen lässt sich das in einem Fecht- und Ringbuch von Albrecht Dürer von 1512. Hinweise auf keltische Ursprünge finden sich im Naturhistorischen Museum in Wien, wo auf einer 2400 Jahre alten Schwertscheide ein Ringkampf abgebildet ist. Sicher ist, dass das Ranggeln auf Revierkämpfe von Bauernburschen zurückgeht, die den jungen Frauen imponieren wollten. Der Sieger beim Ranggeln war der Platzhirsch, der "Hagmoar". "Hag" hieß der Kampfplatz, und der "Moar" war der Chef am Platz. Auch heute verschafft dieser Titel, den nur Einheimische gewinnen dürfen, großes Ansehen. Ambitionierte Ranggler sind jedes Wochenende unterwegs. Wettkämpfe gibt es im Salzburgischen, in Tirol, im südlichen Bayern sowie in Südtirol.

Die Ranggler sind allesamt keine Schmächtlinge. Athletisch durchtrainierte Bodybuilder-Figuren sind genauso dabei wie kugelrunde Kraftpakete mit unübersehbarem Bierbauch. Beim Ranggeln kommt es nicht nur auf die Kraft an. Wer siegen will, der sollte die Technik gut beherrschen. Der Hufen ist ein Hüftwurf, bei dem der Gegner aus der Hüfte gehoben wird. Beim Aufdrehen greift man durch die Beine des Gegners hindurch und hebt ihn aus. Beim Stieren werden die Arme des Gegners umschlungen, um ihn auf den Rücken zu drehen. Früher sehr populär war der Hosenlupf, eine Technik, bei der sich die Gegner am Hosenbund festhielten.

An diesem Sonntag sind wie jedes Jahr einige Tausend Besucher hinaufgepilgert. Der Landesbischof aus Salzburg liest die Messe. Dann spielen die Alphornbläser auf, kommen die Auftritte der Goaßlschnalzer und der Blasmusik. Und dann wird es ernst. Die jüngsten Kämpfer sind acht Jahre alt. Bei den Erwachsenen gibt es vier Leistungsklassen. Der Kampf dauert maximal sechs Minuten. Wenn vorher keiner gewinnt, scheiden beide aus. "Heute kommen viele Ranggler aus dem Judo. Da sieht man viele Einflüsse", sagt Albert aus Maria Alm. Die ältesten Ranggler sind Mitte 30. Danach wird es schwer, mit den jungen, kräftigen Burschen mitzuhalten.

In den Nachmittagsstunden wird der Hagmoar ausgeranggelt. Beim Finale fordert ein übergewichtiger Nachwuchskämpfer den vergleichsweise schmächtigen Seriensieger. Der Herausforderer will den Favoriten rasch aufs Kreuz legen. Der aber kontert flink, und das Finale ist nach zwei Minuten vorbei. Nach der Siegerehrung ist das offizielle Programm beendet. In den Hütten wird freilich weitergefeiert. "Nächsten Sonntag", verspricht Albert, "da sehen wir uns alle wieder beim Vierländerranggeln in Mittersill." Da sind dann wohl noch einige alte Rechnungen offen.

Die Redaktion wurde von Hochkönig Tourismus zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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