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Österreich
Auf dem Weg an die Spitze

Österreich: Auf dem Weg an die Spitze
Das Kitzsteinhorn ist schon jetzt ein beliebtes Skigebiet. Ab Dezember 2019 soll es möglich sein, die Gipfelstation in 3029 Metern Höhe vom Kapruner Ortszentrum aus mit einer zwölf Kilometer langen Perlenkette von sechs Seilbahnen zu erreichen. FOTO: Zell am See-Kaprun Tourismus GmbH
Im Salzburger Land entstehen das größte Skigebiet Österreichs und eine Ganzjahresdestination im ewigen Eis. Von Björn Lange

Es wird geplant, gebaut und investiert, was das Zeug hält in den Alpen. Überall schließen sich die ohnehin schon großen Ferienorte zu Mega-Skigebieten zusammen, um Touristen mit Schneesicherheit und noch mehr Pistenkilometern zu locken. Bereits zur Skisaison 2014/2015 wurde Warth-Schröcken über den Auenfeldjet mit Lech Zürs verbunden. Zwei Jahre später folgte der nächste Zusammenschluss zum Gebiet Ski Arlberg. In Frankreich gibt es Les Trois Vallées und Les Portes du Soleil mit über 600 Pistenkilometern, und in Tirol werden nächstes Jahr Sölden und der Pitztaler Gletscher miteinander verbunden - höher, schneller, weiter.

Mit gleich zwei Großprojekten bläst jetzt Zell am See-Kaprun zum Angriff. Die Tourismusdestination im Salzburger Land kann sich in nächster Zukunft mit Saalbach-Hinterglemm über zwei Seilbahnen zum größten Skigebiet Österreichs verbinden. 340 Kilometer präparierte Pisten werden den Wintersportlern dann auf dem Zeller Hausberg Schmittenhöhe und auf der anderen Seite des Glemmtals zur Verfügung stehen. "Es gibt einen Verdrängungswettbewerb", sagt Markus Wallner, Skilehrer der Skischule Zell am See. Er rechnet vor, dass vom Wettrüsten ein Drittel der Skigebiete profitieren, ein Drittel kaum Veränderungen spüren und ein Drittel verlieren werde. "Kleinere und tieferliegende Skigebiete werden mittelfristig aufgeben müssen."

All diese Zusammenschlüsse verfolgen in erster Linie das Ziel, sich langfristig im Werben um die Skifahrer zu positionieren. Denn die Winter werden kürzer - und der Kampf ums profitable Geschäft härter. Zell am See und Kaprun aber verfolgen forschere Ziele und wollen zur globalen Ganzjahresdestination aufsteigen. Im Winter kommen Skifahrer, Snowboarder, Tourengänger und Freerider verlässlich in großen Zahlen an die Zeller Schmittenhöhe sowie an den Kapruner Maiskogel und den nahegelegenen Gletscher Kitzsteinhorn. Deutsche, Engländer, Niederländer, Russen, Tschechen und zunehmend auch Schweizer und Dänen schätzen die Schneesicherheit des Gletschers von November bis Anfang Juli und den riesigen Funpark mit Halfpipe.

Der Sommer zieht mittlerweile ähnlich viele Touristen an. Neben den Deutschen schätzen vor allem Urlauber aus arabischen Ländern die Kombination aus Berg, Dorf und See - sommerliche Rodelpartien auf dem Gletschereis, Shoppingtouren in Zell und Salzburg sowie Bootstouren auf dem rund vier Kilometer langen und einen Kilometer breiten Zeller See inklusive. Luft nach oben gibt's trotzdem noch, insbesondere in der Zwischensaison im Mai und Juni sowie im Oktober. Und da soll ein 81,5-Millionen-Euro-Projekt helfen, das alles andere in den Schatten stellt.

Norbert Karlsböck kann sich einfach nicht sattsehen an diesem Alpenpanorama. Der Vorstandsdirektor der Gletscherbahnen Kaprun AG sitzt im Gipfelrestaurant am Kitzsteinhorn in über 3000 Metern Höhe, schaut auf die schneeweißen Gipfel am Horizont und wirkt so, als könne er es selbst nicht glauben, was hier entstehen soll. Eine neue Seilbahn der Superlative haben sie geplant. Ab Dezember 2019 soll es möglich sein, vom Kapruner Ortszentrum über den Maiskogel die Gipfelstation am Kitzsteinhorn (3029 Meter) mit einer zwölf Kilometer langen Perlenkette von sechs Seilbahnen zu erreichen - ein Höhenunterschied von 2261 Metern.

Die Bahn soll neue Tourismus-Märkte erschließen, vor allem in Fernost. Die neue Mittelschicht aus China, Korea und Indien soll nicht länger zwischen 100 und 150 Schweizer Franken für eine mühsame Bergfahrt aufs Jungfrauenjoch berappen, sondern für 41 Euro bequem aufs Kitzsteinhorn kommen. Und wenn die Asiaten kommen, rechnet Karlsböck vor, amortisiert sich die investierte Summe nach 15 bis 17 Jahren.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr kamen rund 800.000 Skifahrer und 250.000 Wanderer auf den Gletscher. Für beide Gruppen rechnet Karlsböck mit Zuwächsen von mindestens zehn Prozent. Denn unterhalb des Gipfels können die Gäste nicht nur in der Ice-Arena übers Gletschereis bis zum Schneestrand rodeln, sondern auch einen 360 Meter langen Bergstollen durchschreiten, an dessen Ende eine Aussichtsplattform kühn über der steil abfallenden Südflanke hängt und atemraubende Blicke auf den Nationalpark Hohe Tauern und Österreichs mächtigste Berge eröffnet - darunter der Großglockner. Auch der Zeller See und selbst die Zugspitze in 200 Kilometern Entfernung sind an klaren Tagen sichtbar.

Diese Reise wurde unterstützt von der Zell am See-Kaprun Tourismus GmbH.

(RP/ham)
 
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