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Zypern
Die Insel der Liebesgöttin

Zypern: Die Insel der Liebesgöttin
An der Schnellstraße zwischen Limassol und Paphos ragt ein Felsen aus dem Meer. Geboren aus dem Schaum, soll hier die Schönste aller Schönen aus dem Meer entstiegen sein: Aphrodite. FOTO: Thinsktock/Tony Baggett
Wo Aphrodite dem Meer entstieg und blutrote Schicksalsfäden eine antike Höhle umspannen, trägt der jahrtausendealte Ort Paphos den Titel Kulturhauptstadt 2017. Davon will der ganze Süden der Insel profitieren. Von Angela Böhm

Sie war das Topmodel der Antike. Die begehrteste Frau der Welt, die Göttin aller Götter. Gemeißelt in Stein, verewigt auf Bildern. Aphrodite, die Verkörperung der Liebe, der Schönheit, der Begierde, der Sexualität. Homer, der erste Bestsellerautor des Abendlandes, nannte sie im 8. Jahrhundert vor Christus einfach nur die "Frau aus Zypern". Auf eben dieser Insel ragt ein Fels an der Schnellstraße zwischen Limassol und Paphos aus dem türkisblauen Meer. Er ist die Koordinate eines mythischen Kraftortes: Geboren aus dem Schaum, soll hier die Schönste aller Schönen aus dem Meer entstiegen sein.

Ein Hinweisschild "Aphrodite's birthplace" lenkt Touristenbusse und Autos auf den kleinen, staubigen Parkplatz zwischen schroffen Kalksteinwänden. Von dort führt ein enger Fußgängertunnel unter der Straße zum Strand. Weiße, von den Wellen rundgeschliffene Kiesel, schmeicheln den Fußsohlen. Hier tummeln sich die Touristen, werden Selfies geschossen, die den Zauber Aphrodites festhalten sollen. Wer bei Vollmond um den Felsen schwimmt, wird mit ewiger Jugend und Liebe belohnt, heißt es. Ob das zutrifft? Die 57-jährige Georgia Doetzer schmunzelt: "Das Schönste ist doch immer das, was man nicht weiß."

Die temperamentvolle Zypriotin sitzt in einer alten Villa, im Herzen der historischen Kleinstadt Paphos. In Berlin hat sie studiert, einen Deutschen geheiratet. Nun ist sie die künstlerische Direktorin der Europäischen Kulturhauptstadt 2017. "Aphrodite und ihre Geschichte sind für uns ganz wichtig", sagt sie. Ihren Gästen drückt sie eine kleine Schachtel mit "Aphrodite-Köstlichkeiten" in die Hand. Die sind so süß, dass der Puderzucker aus der edlen Verpackung rieselt. Dabei droht eine Japanerin aus Berlin der Liebesgöttin Konkurrenz zu machen. Die 45-jährige Performance-Künstlerin Chiharu Shiota umspannt mitten in Paphos eine antike Höhle raumgreifend mit einem roten Riesenkokon. Wochenlang haben sie und ein Dutzend Assistenten blutrote Linien aus Polyacryl gespannt und geknüpft. "A Walk through the Line", hat sie ihr Kunstwerk genannt. Das ist inzwischen zu einem Besuchermagnet geworden. Schicksalslinien soll das faszinierende Fadengespinst symbolisieren - und Beziehungen, die geknüpft oder zerschnitten werden.

Das passt zu der 33.000-Einwohner-Stadt: In ihr haben Perser, Griechen, Türken und Römer ihre Spuren hinterlassen - wie das Haus des Dionysos. Ein Bauer hatte es 1962 entdeckt, als er sein Feld pflügen wollte. Lebensgroß ist der Weingott Dionysos beim Festgelage wie ein Comic als Bodenmosaik in einer Villa verewigt. Sei 1980 gehören die zahlreichen archäologischen Stätten zum Unesco-Weltkulturerbe.

Offensichtlich hat das Michalis Mosfilis (65) inspiriert. Er ist Bürgermeister des kleinen Dorfes Vasa Koilaniou, das sich am Rande des Troodos-Gebirges an die Hänge schmiegt, 35 Kilometer von Limassol entfernt. Die Geschichte der alten Steinhäuser geht bis auf die Zeit der Kreuzritter zurück. Im Winter regiert er mehr als 170 Einwohner, im Sommer sind es 600. Dafür kann der Bürgermeister zwei Museen bieten. Das in der ehemaligen Schule zeigt mit alten Fotos, Briefen und Büchern, wie das Leben im Dorf einst aussah. Das zweite Museum erzählt die Historie des Weinbaus. Vasa war eines der wichtigsten Weindörfer - bis sich der Anbau nicht mehr rechnete. Jetzt hofft Mosfilis auf Agrotourismus und die Urlauber, die wegen der Krisen in der Türkei, Ägypten und Tunesien nun Erholung auf Zypern suchen. Schließlich gehört zur Göttin der Schönheit und Liebe auch der Genuss von berauschendem Wein.

Unten in Limassol hat man Großes vor und beschwört den Aphrodite-Effekt: Die Hafenstadt will die schönste und modernste in Südeuropa werden. Die neue Marina konkurriert mit Marbella und Nizza. Die Altstadt wird saniert. In die einstigen Lager und alten Fabriken rund um die Festung der Türken sind hippe Läden und Restaurants eingezogen. Die faszinierendste Schönheit aber bietet die Natur: Wie ein Kunstwerk haben Wind und Wellen bis zu 18 Meter tiefe Höhlen in die steilen Klippen am Kap Greco gespült und ein spektakuläres Tor entstehen lassen. Entlang der Küste schlängelt sich in der unberührten Natur des Kap-Greco-Nationalparks der Wanderweg "Aphrodite". In der Antike soll hier eine Kultstätte mit Tempel gestanden haben, der der Beschützerin der Schönheit geweiht war. Nur ein Schild weist heute noch darauf hin. Am Ende des Kaps, dem südöstlichsten Zipfel der EU, steht ein weißer Leuchtturm. Er signalisiert den Schiffen den Weg entlang des Landes der Liebesgöttin.

Die Redaktion wurde von FTI zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
 
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