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Finnland
Unterwegs auf der längsten Natureisbahn

Das ist Finnlands längste Natureisbahn
Das ist Finnlands längste Natureisbahn FOTO: dpa, pla
Savonlinna. Die Seenlandschaft im Südosten Finnlands lockt vor allem im Sommer Wassersportler, Wanderer und Fischer. Doch auch im Winter lohnt ein Besuch. Denn dann friert das Wasser zu - und es entsteht eine riesige große Schlittschuhbahn. Wenn da nur nicht der Wind wäre.

Das Thermometer zeigt nur wenige Grad unter Null an, immer wieder kommt die Sonne hervor: perfektes Wetter für ein sportliches Wintervergnügen im Linnansaari-Nationalpark. Hier im weit verzweigten Saimaa-Seengebiet entsteht zur kalten Jahreszeit die längste Natureisbahn Finnlands. Die Schlittschuhe haben rund 50 Zentimeter lange Kufen, eigentlich kann nichts schiefgehen. Ob man wirklich die Stöcke zur Unterstützung braucht? Dazu später mehr.

Die 36 Kilometer lange Tagestour beginnt in Rantasalmi, etwa 45 Autominuten von Savonlinna entfernt. Über blitzblank gefrorenes Wasser geht es bis nach Oravi und wieder zurück. Jari Heiskanen hat sich Zeit genommen, um als Tour-Guide auch etwas über Land und Leute zu erzählen. Dass er ein glücklicher Mann ist, das sieht man ihm an.

Finnland veröffentlich eigene Emojis FOTO: afp, ms/apr

Beim Eislaufen Robben beobachten

"Ich bin das ganze Jahr über auf diesem See zu Hause", sagt Jari grinsend und in gutem Deutsch. "Im Sommer begleite ich die Touristen auf die unterschiedlichen Bootstouren", erzählt der Finne. "Im Winter fahre ich am frühen Morgen mit der Eismaschine raus und bin dann natürlich auch der Erste, der auf der frisch abgehobelten und spiegelglatten Fläche Schlittschuhlaufen darf." Schon vor zehn Jahren hat der 63-Jährige die Leitung seines Ferienzentrums an seinen Sohn Markus abgegeben. Der führt das traditionsreiche Ferienresort "Järvisydän" zusammen mit seiner Frau Tanja mittlerweile in zehnter Generation.

Die Stimmung an diesem Tag ist gut in der kleinen Gruppe. "Keine Angst, die Eisdecke ist mindestens 30 Zentimeter dick - hier kann man bis Ende März Eislaufen", beruhigt Jari. Im Sommer verwandelt sich die scheinbar endlose, weiße Wildnis wieder in eine Landschaft aus Inseln und Seen - im Winter kaum vorstellbar.

Unterwegs auf dem Eis schweift der Blick ab. Zum Beispiel dorthin, wo sich die Saimaa-Ringelrobben jetzt besonders um ihren Nachwuchs kümmern. Die rund 260 Exemplare dieser seltenen Tiere gehören zu einer der meistbedrohten Robbenarten der Welt. Sie wurde nach der Landhebung nach der letzten Eiszeit von der Ringelrobben-Population der Ostsee abgeschnitten.

Die Gruppe hat ein gutes Tempo gefunden, die Kufen gleiten über das Eis. Besonders schön ist, dass es tatsächlich immer geradeaus geht und nicht ständig im Kreis wie auf der heimischen Kunsteisbahn. So kann es ewig weitergehen, denkt der Urlauber.

Sieben total abgefahrene Saunen FOTO: Sport Resort Ylläs

Finnische Natur statt Supermarkt

"Eigentlich braucht man hier in der Gegend gar keinen Supermarkt. Die Natur gibt uns alles. Wir haben Elche, zahlreiche Beeren, auch einen großen Reichtum an Fischen", erzählt Jari. "Schon als Kind bin ich mit meinem Vater hier fischen gegangen - auch im Winter." Jari erinnert sich noch gut daran, wie sie damals mit den Schlittschuhen los sind: Netze in Eislöcher einlassen, auf einer Insel Feuer machen, Netze wieder einholen - und essen. "Der See hat uns immer versorgt."

Nach eineinhalb Stunden ist Oravi erreicht. "Ein Kinderspiel", sagt einer aus der Gruppe. Wie voreilig! Niemand dachte daran, dass sich der Rückenwind bei der Rückfahrt in Gegenwind verwandelt. Und hier erweisen sich nun die Stöcke als äußerst hilfreich. Auf einer Insel wird an einer Grillstelle rasch ein wärmendes Feuer entzündet. Es gibt Sandwiches, Grillwürste und heißen Tee. Vermutlich hat noch nie eine Brotzeit besser geschmeckt.

Zurück in Rantasalmi ist die Reisegruppe komplett geschafft - aber glücklich. Und es wird sogar noch besser: "Wollt ihr euch heute Abend auf das Abenteuer einer traditionellen finnischen Rauchsauna einlassen?", fragt Tanja. Wer könnte dazu schon Nein sagen?

(dpa)
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