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Freeriden und Skitouren
Gefährlicher Wintersport abseits der Piste

Freeride & Co - Vorsicht bei Wintersport abseits der Piste
Freeride & Co - Vorsicht bei Wintersport abseits der Piste FOTO: dpa, toh
Davos/Piding. Welcher Wintersportler kennt diese Szene nicht? Die frische Schneedecke glitzert in der Sonne. Hier als Erster eine frische Spur zu ziehen, ist für viele ein reizvoller Gedanke - allerdings auch alles andere als ungefährlich.

Den Massen der Touristen entkommen. Unvergessliche Touren fern von überfüllten Pisten erleben. Jenseits der viel befahrenen Spuren den Berg hinabschweben. So stellen sich viele Skifahrer und Snowboarder die Freiheit vor. Das sogenannte Freeriden, also das Abfahren ohne präparierte Pisten, ist beliebt.

Genau wie Skitouren, deren Teilnehmer erst den Berg hinaufstapfen und dann wieder herunterfahren - ebenfalls ohne dabei vorgegebene Wege zu nutzen. Aber wer einen Berg abseits des Skigebiets erleben will, ist oft auch seinen Launen ausgeliefert.

"Wir wundern uns oft, wie gefährlich Leute im Gelände unterwegs sind", sagt Michael Lentrodt, Präsident des Verbandes deutscher Berg- & Skiführer. Das Problem dabei ist: "Man weiß nie, wie knapp man eigentlich an der Katastrophe dran war. Skifahrer, die unbedarft Abfahrten machen, bekommen jedes Mal das Feedback: Alles ist gutgegangen." Dabei haben die Fahrer unter Umständen alles falsch gemacht und hatten einfach nur Glück.

Viel Fachwissen ist notwendig

Zehn Gesundheitsregeln für Wintersportler FOTO: gms

Sind Schneesportler außerhalb der abgesicherten Pisten unterwegs, können sie verunglücken, von abgehenden Lawinen erfasst werden oder diese selbst auslösen. Damit das Risiko überschaubar bleibt, müssen sie neben einer guten Skitechnik im Gelände viel Fachwissen und weitere praktische Fähigkeiten mitbringen.

"Fundierte Kenntnisse in der Beurteilung der Schnee- und Lawinensituation, die Fähigkeit sich laufend orientieren und seine Routenwahl den aktuellen Verhältnissen anpassen zu können, sowie eine umfassende Erfahrung im praktischen Risikomanagement sind Grundvoraussetzungen", so Wolfgang Pohl, Präsident des Deutschen Skilehrerverbandes.

Eine gute Vorbereitung beginnt mit der richtigen Ausrüstung. Auch beim Freeriden sind Tourenbindung und Aufstiegsfelle obligatorisch, um im Notfall wieder aufsteigen zu können.

Die Mindestnotfallausrüstung besteht aus Lawinenverschüttungsgerät (LVS-Gerät), Schaufel, Sonde, Biwaksack und Erste-Hilfe-Set sowie Handy. Ein Lawinenairbag ist eine freiwillige, aber sinnvolle Zusatzausrüstung. Der Umgang mit der Ausrüstung, insbesondere mit dem LVS-Gerät, muss geübt werden.

Diese Rodelbahnen haben es in sich FOTO: Alpsee Bergwelt

Lage vor Ort immer noch einmal überprüfen

Lentrodt bildet seit zwanzig Jahren Ski- und Bergführer aus. Wenn er eine Tour plant, gibt es ein standardisiertes Vorgehen: Zu Beginn liest er den aktuellen Lawinenlagebericht. Als Quelle aktueller Warnungen und Infos empfiehlt das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF die Webseite www.avalanches.org: Hier sind die Internetseiten der Lawinenwarndienste aller europäischen Länder zu finden. Die aktuelle Lawinengefahr wird dort auf einer Skala von eins für "gering" bis fünf für "sehr groß" angegeben. Bereits ab Stufe drei besteht erhebliche Gefahr.

Der Bericht bezieht sich allerdings auf eine gesamte Region. Daher überprüfen Profis die Lage vor Ort immer noch einmal. Je nach lokalen Gegebenheiten wie dem Schneefall, dem Wind, der Hanglage und der Größe des Skigebiets kann das Lawinenrisiko auch deutlich größer sein. Aus diesen Informationen erstellen Ski- und Bergführer wie Michael Lentrodt ein Szenario für die Tour.

Teil davon ist auch die Wahl strategischer Punkte, an denen Lentrodt die Gegebenheiten noch einmal durchcheckt. Ist der Hang wirklich 30 Grad steil? Wird kein Schnee in den Hang geblasen? Gibt es weniger Neuschnee als gedacht? Und wie ist die Sicht?

Keine Abgase – autofreie Skidörfer in den Alpen FOTO: dpa, Verena Wolff

Denn manchmal sind Geländeformen und Windzeichen durch eine dünne Schneeschicht zugedeckt. Dann wird das Skifahren im Gelände richtig gefährlich, da das Risiko nur noch schwer einschätzbar ist. Im Zweifelsfall ist es dann Zeit, die Tour abzubrechen oder die Route zu ändern.

Laien sollten sich einem Profi anschließen

Für Skitouren und Freeriden benötigen Schneesportler also eine sehr gute Ausbildung und viel Erfahrung im Gelände. Wer außerhalb gekennzeichneter Pisten unterwegs sein will, kann daher Kurse absolvieren.

Bergschulen oder staatlich geprüfte Berg- und Skiführer bieten diese an. Hier lernen angehende Freerider zum Beispiel, den Lawinenlagebericht zu lesen, Risiken einzuschätzen, die Ausrüstung zu bedienen und im Gelände kluge Entscheidungen zu treffen.

Zur Wahl stehen zweitägige Wochenend- und intensivere Wochenkurse. Dort verbringen die Skifahrer und Snowboarder unter Anleitung eine Woche bei Skitouren und Freeride-Ausflügen. Solche Kurse vermitteln ein gutes Basiswissen, urteilt Lentrodt. Teilnehmer seien danach aber noch weit davon entfernt, Gefahren alleine treffsicher einschätzen zu können - zu komplex sind Risikomanagement und Lawinenkunde.

Denn professionelle Berg- und Skiführer haben jahrelange Erfahrung mit Fels-, Eis- und Skitouren und viel Fachwissen aus ihrer Ausbildung. Dort lernen sie alles über das Kartenlesen und Orientierung im Gelände, über Wetter-, Lawinen- und Gletscherkunde, Ski- und Seiltechnik, Gipfelanstiege und Spaltenbergung.

Für Laien ist es daher immer ratsam, sich bei Ausflügen abseits der Piste einem Profi anzuschließen. "Seid immer defensiv", rät Lentrodt, "Lasst euch nicht von bestehenden Spuren oder anderen Freeridern zu Aktionen verleiten, bei denen ihr nicht sicher seid, dass das Restrisiko vertretbar ist."

(dpa)
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