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Flevoland
Im Land der Pioniere

Flevoland - Neuland in den Niederlanden entdecken
Flevoland - Neuland in den Niederlanden entdecken FOTO: Copyright photo's Jurjen Drenth
Die jüngste Provinz der Niederlande wurde am 1. Januar 1986 gegründet. Das Projekt dauerte ein halbes Jahrhundert und ist geprägt von Naturschutzgebieten. Von Ulli Traub

Der Slogan "Neuland entdecken" passt zu Flevoland. Die jüngste Provinz der Niederlande entstand ab 1939, als man begann, die Zuidersee trocken zu legen. Ein Jahrhundertprojekt, das erst 1986 seinen Abschluss fand. Die Siedler, die es auf die neu gewonnenen Polder und die neuen Städte zog, waren Pioniere. Und Pioniergeist findet man auf dem am Reißbrett entstandenen Flevoland, dessen südlicher Teil komplett von Wasser umgeben ist, noch heute - nicht nur auf dem Feld der Architektur.

Wer sich von Philippe van Thiel mit dem Boot zur Esplanade, dem am Wasser gelegenen Hauptplatz von Almere bringen lässt, erfährt, dass die Stadt die wasserreichste im Land ist. "Wir bewegen uns hier viel mit dem Boot", sagt der Chef vom Yachthafen Haddock. "Überall gibt es Strände, selbst in der City." Auch um die Innenstadt, die nach einem Masterplan von Architekt Rem Koolhaas entstand, verläuft ein Wasserweg. Auffallend grün ist es. Die drei Stadtteile Almeres sind durch Parks verbunden. Und die Stadt wächst und wächst auf mittlerweile etwa 200.000 Bewohner. Die schätzen das Leben in einer Stadt, in der David Chipperfield und Christian de Portzamparc, Sanaa und Alsop Architects gebaut haben, in der man aus dem Theater direkt auf die Promenade tritt und in der der City-Verkehr auf Fahrräder beschränkt ist.

Sehenswürdigkeiten in Amsterdam FOTO: Shutterstock/S.Borisov

Auf dem Weg nach Urk, dem ältesten Ort auf Flevoland, begegnet man einem hockenden Stahlgerippe des Künstlers Anthony Gormley. Der Riese auf dem Deich bei Lelystad blickt aufs IJsselmeer - ein Symbol für die gewaltige Landgewinnung. Weitere, zum Teil begehbare Landschaftskunstwerke haben Richard Serra und der Architekt Daniel Libeskind beigesteuert. Sozusagen im Rücken des Kolosses findet man das Museumsschiff "Batavia", das als Nachbau des 1628 vom Stapel gelaufenen Seglers an den Schiffbau im Goldenen Jahrhundert der Niederlande erinnert: ein Werk engagierter Flevoländer.

An der nächsten Station wartet eine Pionierleistung, die man an diesem Ort weniger erwartet: Weinbau. Johan Rippen frönt sozusagen im Garten seinem Hobby. "Unser Boden ist ja Neuland, also absolut naturbelassene Erde", erklärt der Flachland-Winzer. Außerdem sei das gesamte Viertel als Terrain für biologischen Landbau ausgewiesen worden. Beste Voraussetzungen für besondere Qualität. "Wir experimentieren mit neueren Rebsorten, die für unser Klima geeignet sind."

Auf dem "Pionierpfad", der immer wieder durch kleine Waldstücke führt, radelt man vorbei am "Observatorium" des Künstlers Robert Morris, überquert dann das Ketelmeer und erreicht den Nordostpolder, den älteren Teil Flevolands. "Welkom op Urk" heißt es bei der Ortseinfahrt. Das Städtchen war einst eine kleine Insel in der Zuidersee. Der alte Dorfkern stammt aus einer Zeit, da dachte im Traum noch kein Mensch an Almere. Man lebte vom Fischfang, was auch heute noch für die meisten Bewohner gilt, obwohl Urk mit Hafen und Promenade jetzt an einem Binnenmeer liegt. Die Männer tragen traditionell einen Ohrring. Früher war dies das Erkennungszeichen für die Urker - sonst wären sie im Todesfall anderswo bestattet worden. "Mit dem Gold konnte die Beerdigung bezahlt werden." Das erzählt Lammert Post, ein Urker, der Touristen auf seinem historischen Holzboot, einem Botter von 1902, aufs IJsselmeer segelt. Er erzählt von den Gefahren des Fischfangs in vergangenen Tagen, seinem von ihm restaurierten Boot, mit dem schon sein Opa zum Fischen ausgefahren sei und das die Nazis nicht konfisziert hätten, weil es zu marode gewesen sei.

Kurztripp: Diese Küstenstädte erreicht man an einem Tag FOTO: Anne Peters

Mit dem Rad verlässt man die ehemalige Insel, vorbei an einer Bucht mit Sandstrand, über den Deich in Richtung Lemmer. Statt Mühlen säumen Windräder den Weg, bis man ins Landesinnere zur letzten Etappe abknickt. Gibt es in Lelystad das Dokumentationszentrum "Nieuw Land", das umfangreich über Trockenlegung, Landgewinnung und Besiedlung Flevolands informiert, so findet man in Schokland, unweit von Urk, ein Museum, das tiefer in die Geschichte blickt - in eine Zeit als die wilde Zuidersee noch ein Teil der Nordsee war.

Die Redaktion wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus (NBTC) und von Toerisme Flevoland zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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