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Irland
Die bezaubernden Gärten von Glanleam

Irland: So vielfältig ist der Inselstaat
Irland: So vielfältig ist der Inselstaat FOTO: copyright Northern Ireland Tourist Board, 2010.
Glanleam. Ganz nah am berühmten Ring of Kerry liegt mit Glanleam Gardens eine der bezauberndsten Gartenanlagen Irlands. Erfahre Sie hier, warum dieses Paradies einer Rheinländerin zu verdanken ist. Von Ekkehart Eichler

"Oscar starb 1862, Bram 1885. Den dritten Namen kann man nicht mehr zweifelsfrei erkennen, weil der Grabstein so verwittert ist", erzählt Meta Kreissig. "Fakt ist, dass hier die geliebten Hunde von Peter Fitzgerald bestattet wurden." Niemand kennt Glanleam House and Gardens besser als die 74-jährige Rheinländerin. Ihr nämlich gehört seit ziemlich genau 40 Jahren das gesamte Areal - ein ausgesprochen entzückendes Fleckchen Irland, für das der 19. Knight of Kerry aus dem anglonormannischen Stamm der Fitzgeralds den Grundstein gelegt hatte.

Um 1850 nämlich war dem Herren von Valentia Island der famose, wenngleich ziemlich verrückte Gedanke gekommen, rund um seinen noblen Landsitz einen einzigartigen subtropischen Garten anzulegen. Plus Dschungel. Plus Regenwald. Auf 16 Hektar verpflanzte er zu diesem Zweck fortan zahlreiche exotische Bäume, Büsche und Blumen aus der südlichen Hemisphäre in den irischen Boden und ließ der Natur dann weitgehend freien Lauf. Was dabei herauskam, war ein zauberhafter Wildwuchs, in dem die botanischen Fremdlinge aus Südamerika, Australien und Asien dank milden Klimas und frostfreier Winter so erstaunlich und prächtig gediehen, "dass sie zum Teil schneller und höher wuchsen als in ihren Herkunftsländern", so Meta Kreissig.

Bescheiden verschweigt sie ihren eigenen Anteil am heutigen Prachtstück. Denn was sie 1975 erwarb, war ein im Laufe der Zeit vollkommen verwahrlostes Areal mit einer Herrenhaus-Ruine mittendrin. "Alles war so stark zugewuchert, dass man vom Haus aus nicht mal mehr das Meer sehen konnte. Dass ich es dennoch kaufte, hatte etwas mit der Magie und Mystik des Ortes zu tun. Dazu gehören eine heilige Quelle und auch einige Energiepunkte." Was dann auf sie zukam, war reinste Sisyphusarbeit. Zunächst wurde entschieden, welche Pflanzen herausgenommen werden mussten und welche bleiben sollten - dabei halfen Fachleute vom Botanischen Garten. "Dann haben wir sechs Jahre nur aufgeräumt und anschließend 15 000 Pflanzen neu gesetzt", erinnert sich die einstige Unternehmerin, die das Haus mit Tochter Jessica, ihrem Schwiegersohn und den Enkelkindern bewohnt. Ostern 1994, nach fast 20 Jahren Mühsal und Plage, war es dann endlich soweit: Der Park von Glanleam Gardens öffnete seine Pforten für das Publikum. Seither entzückt das Park- und Gartenreich - per Straße oder Fähre jeweils nur ein Katzensprung vom berühmten Ring of Kerry entfernt - Besucher aus aller Welt, die hier in einem verwunschenen Ort nach Lust und Laune wandeln können. Oder sich sogar auf längere Zeit in vier Ferienhäusern und fünf Herrenhauszimmern als Urlaubsgast einmieten - besonders populär ist das Bootshaus mit eigenem Strand und umwerfendem Panoramablick.

Irlands neue Künstenstraßen FOTO: dpa, pla

Dabei hatte Glanleam immer wieder auch arge Rückschläge zu verkraften; speziell dem Wettergott schien so viel Idylle ein Dorn im Auge zu sein. "Wir hatten gerade dreieinhalb Jahre geöffnet, da gab es 1997 die erste bitterböse Bescherung.", erzählt Meta Kreissig. "Genau an Heiligabend zerstörte ein heftiger Nordwest-Sturm große Teile der Gardens - in einer knappen halben Stunde verloren wir so zum Beispiel 83 der alten Bäume."

Die Verluste ließen ihr Herz bluten, aufgeben kommt für die resolute Frau jedoch nicht in Frage. Also hieß es Zähne zusammenbeißen und Ärmel hochkrempeln. Wieder richtete sie alles allerliebst her, doch irgendwann schlug die nächste Katastrophe zu, unerwartet und heimtückisch: "Im Januar 2011 hatten wir das erste und einzige Mal Frost. Leider sind dadurch fast alle Sukkulenten eingegangen. Und deren Samen gibt es hier nicht."

Aktuell kämpft sie wieder. Diesmal gleich doppelt. Im Februar 2014 legt erneut ein Sturm über 50 Bäume um, blockiert die Zufahrt auf Tage, reißt den gesamten Seawalk weg, einen Spazierweg am Meer und setzt mit dem Bootshaus auch noch die schönste Ferienwohnung unter Wasser - "und dann hast du eine teure Versicherung, die sich auf ,Höhere Gewalt' herausredet, und du siehst keinen Cent", erzählt die obendrein an Krebs erkrankte Frau und fügt trocken hinzu: "Kaminholz haben wir jetzt jedenfalls genug für die nächsten 100 Jahre."

Ob Naturkatastrophen oder persönliche Rückschläge - unterkriegen lässt sich Meta Kreissig nicht. Sie wird weitermachen - so viel steht fest. Glanleam Gardens ist schließlich ihr Leben und ihr Lebenswerk. Und wie am ersten Tag schwärmt sie noch immer: "Der Ausblick auf den Ozean ist so einmalig. Das Gelände ist eine Energiequelle für mich. Es ist mein Paradies." Nicht zu vergessen: Auch Metas Lieblinge Johnny, Moses und Kelly wurden hier bestattet - direkt neben den Hunden vom Knight of Kerry. "Und wo sein Hund begraben liegt, geht der Mensch niemals weg."

Quelle: RP
 
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