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Italien
In die Toskana als Burgherr auf Zeit

So schön ist die Toskana
So schön ist die Toskana FOTO: shutterstock/ Francesco R. Iacomino
Ein Ferienhaus in der Toskana - an sich nichts Ungewöhnliches. Es sei denn, man verbringt die Ferien in einem mittelalterlichen Turm. Dann erlebt man die Region im Herzen Italiens auf eine ganz neue Art. Von Markus Wasch

Das Navigationsgerät im Auto weiß schon seit einigen Kilometern nicht mehr weiter. Längst zeigt es keine Straßen mehr an. Die Schotterpiste wird immer schmaler, schlängelt sich steil den Berg hinauf. Entlang der schmalen Straße reckt ein Meer von Sonnenblumen die Köpfe in Richtung der flackernden Sonne am hellblauen Himmel. Flache Backsteinbauten mit hölzernen Ställen sind als rötliche Farbtupfer zwischen dem dichten Grün und den gelb-braunen Feldern der toskanischen Landschaft auszumachen. Hierhin würde sich wohl die Mafia auf der Flucht vor der Polizei zurückziehen, spukt es durch den Kopf. Dann endlich ist am Ende der staubigen Piste ein schmiedeeisernes Tor zu sehen - eine schwarz lackierte, zwei Meter hohe Pforte in eine längst vergangene Zeit.

Landvillen, antiken Mühlen und alten Bauernhöfen

Abseits der kulturellen Zentren der Toskana wie Florenz, Siena oder Pisa zeigt diese Region im Herzen Italiens ein anderes Gesicht. Ursprünglicher. Rauer. Natürlicher. Das Sirren der Zikaden hängt allgegenwärtig in der Luft. Pinien, Säulenzypressen, Olivenbäume und Rebstöcke ziehen sich durch die hügelige Landschaft. Winzige Ortschaften mit kleinen Trattorien, in die sich kaum ein Tourist verirrt, erscheinen alle paar Kilometer - und verschwinden nach wenigen Augenblicken schon wieder im Rückspiegel. Wer ein Gefühl für die natürliche Schönheit der Toskana bekommen möchte, mietet sich am besten in eines der zahlreichen Ferienhäuser ein. In historischen Landvillen, antiken Mühlen und alten Bauernhöfen erlebt man die Geschichte der Region hautnah. Und kann selbst ein Teil von ihr werden.

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Im 14. Jahrhundert wurde der steinerne Turm erbaut, der unscheinbar hinter dem großen Tor liegt. Laura Perrini öffnet die schwere hölzerne Eingangstür, die zu beiden Seiten aufschwingt. Das 10.000 Quadratmeter große Grundstück mit dem antiken Gebäude am Rand von Monteriggioni in der Nähe von Siena ist seit Generationen im Besitz ihrer Familie. Früher war es der Mittelpunkt der umliegenden Ländereien - Wohn- und Arbeitsstätte zugleich. "Ich beschäftige mich intensiv mit der Geschichte des Hauses", sagt die Archäologin auf dem Weg ins kühle Innere. Unter dem schattigen Dach der Veranda verkriecht sich ein Kater. Die dicken Steinmauern des Turmes halten die schwüle Mittagshitze draußen.

Beim Eintreten riecht es nach Ruß. Ein Blick auf den offenen Kamin im Erdgeschoss erklärt, warum. "Wir haben die Originalstruktur des Turmes bewahrt, als er zum Ferienhaus umgebaut wurde", erzählt Perrini, während sie mit einem dicken Schlüsselbund in der Hand in das obere von drei Stockwerken führt. Hier hängt der Stammbaum der Perrinis. Bis ins 15. Jahrhundert reicht die Familiengeschichte zurück. Die Gedanken wandern zurück in der Zeit. Wie war es wohl, als zeitweise vier Generationen gleichzeitig in dem Turm lebten, wie es Perrini erzählt. Man stellt sich vor, wie man sich wohl selbst hier versorgt hätte. Die Hand wandert an der rauen und kühlen Steinwand entlang - Geschichte ist zum Greifen nah.

Die Kulisse der "Göttlichen Komödie"

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Auch in der Burg von Monteriggioni, nur wenige Autominuten vom antiken Turm entfernt. Die Anlage liegt auf einem größeren Hügel und wird von einer mittelalterlichen, noch heute erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die zwei Meter breite und 570 Meter lange Mauer mit ihren 14 Wehrtürmen - von denen die meisten noch erhalten sind - beschrieb schon Dante Alighieri in seiner "Göttlichen Komödie". Er verglich den Mauerring mit den an den Abgrund geketteten Riesen, die den Höllenschlund umgeben. Zudem war Monteriggioni Drehort von Kinofilmen wie "Der englische Patient" sowie "Gladiator" und ist einer der zentralen Schauplätze des Videospiels "Assassin's Creed II".

Für zwei Euro Eintritt kann man wie der Attentäter aus dem Computerspiel den Wehrgang entlang schleichen und dabei den weiten Blick über die Ebene genießen. Dies empfiehlt sich vor allem am frühen Abend, dann sind die Touristenbusse längst wieder abgefahren und die im Sommer beinahe unerträgliche Hitze lässt langsam nach.

Wenn die Sonne untergeht, ist man am besten schon wieder im historischen Turm. Nicht nur weil die schmale Zufahrtsstraße bei Dunkelheit tückisch ist. Aus dem Dachfenster sieht man auch, wie die letzten Sonnenstrahlen über die Ebene wandern. Wenn die Schatten im riesigen Garten länger werden, die Tonstatue des kleinen Jungen auf der Amphore langsam in der Dunkelheit verschwindet und die Hirschkäfer sich zurückziehen, beginnt das violette Farbenspiel am Himmel. Spätestens dann fühlt man sich selbst wie ein Burgherr aus längst vergangenen Tagen.

Die Redaktion wurde von Novasol zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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