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Leckere Tröpfchen von der Baleareninsel
Mallorca – eine Weinreise zu den Wurzeln

Weinbau auf Mallorca
Weinbau auf Mallorca FOTO: Überblick Verlag
Düsseldorf. Wie der Finca-Tourismus die charakterstarken mallorquinischen Rebsäfte zu neuem Leben erweckt hat.

Rein rechnerisch gibt es mittlerweile mehr Weinflaschen auf dem Markt, als angesichts der aktuellen Anbauflächen je aus mallorquinischen Kellern hätten kommen können. Doch mit einem genaueren Blick auf die Etiketten sind diese Überhänge schnell entlarvt. 

Grund für den Hang zur wundersamen Vermehrung bei einigen Winzern, die mit zugekauften Trauben auch recht ordentliche Weine abliefern, ist die Renaissance, die edle Mallorquiner in den letzten 15 Jahren erfahren haben. 

Bis dahin fristete der einst so blühende Weinbau der Insel ein stiefmütterliches Dasein am Rande des Massentourismus. Waren es im Jahr 1900 noch 75 Millionen Hektoliter, die die Insel in Richtung europäisches Festland verließen, brach mit der Reblaus-Katastrophe 1901 der Weinbau völlig zusammen.

Auch als ab den 50er Jahren Sommer für Sommer vor allem Deutsche die Insel als Feriendomizil erstürmten, schaffte es der mallorquinische Weinphönix nicht aus seiner Asche. Weine von hoher Qualität waren nicht mehr angesagt. 

Restaurants auf Mallorca FOTO: MICHAEL LÜBKE /MALLORCA GEHT AUS

Masse statt Klasse hing wie ein riesiges Damoklesschwert über Europas Weinlandschaft, so auch über der Mallorcas. Wo keine Nachfrage, da auch keine Qualität 

Erst mit dem aufkommenden Luxus-Finca-Tourismus in den 1990ern änderte sich auch der Anspruch der urlaubenden Klientel. Mit Mietwagen, Fahrrädern oder zu Fuß brachen sie auf, das authentische Mallorca zu erleben.

Sterneköche aus Deutschland und Österreich eröffneten für die wachsende Zahl Individualreisender und neuer Bewohner ihre Edellokale. Dafür suchten sie nicht nur nach Schafskäse vom Bauern um die Ecke, frischem, unbehandeltem Gemüse oder Biofleisch, sondern auch nach lokalen Weinen – am liebsten die aus autochthonen Trauben. Doch die gab es nicht.

Götterdämmerung der Mallorca-Weine

Rioja - Ein Region für Leib und Seele FOTO: dpa, pla

In der Folge begannen die Winzer an den Rändern der Sierra de Tramuntana ihre größtenteils brachliegenden Rebflächen zu rekultivieren und sich bei der Machart an der internationalen Weinwelt zu orientieren.

Federführend waren Weinmacher wie Jose L. Ferrer, Jaume Mesquida, Andreu Villalonga von Ca'n Novell oder Pedro Ribas. Auch ambitionierte internationale Weinmacher erkannten das Potenzial und kauften Flächen rund um Inka und Beninsalem, um dem neuen Genussrausch Mallorcas beizuwohnen. 

Eine der ersten Familien war die Unternehmerfamilie Graf aus Deutschland, die bereits 1968 einen Ortsteil von Beninsalem erwarben und denen heute die Vinicola Biniagual gehört. Hinzu kamen Professor Michael Popp der 2002 das heutige Castell Miguel gründete, oder C'an Vidalet, das 1995 der Pfälzer Stefan Winterling gründete.

Die ersten Denominación de Origen, abgekürzt D.O., entstanden. Heute umfasst das Anbaugebiet für Wein auf Mallorca etwa 2300 Hektar, von denen jährlich wieder rund 45.000 Hektoliter gelesen und gekeltert werden.

Mallorca geht aus: Die Märkte FOTO: Mallorca geht aus

Den Hauptanteil machen mit 80 Prozent die Rotweine aus. Spannend ist vor allem das, was die Winzer aus den inseltypischen Manto Negro und Callet keltern. Daneben findet man die für Spanien typischen Fogoneu und Monastrellso sowie Tempranillo und natürlich Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, aber auch Pinot Noir.

Bei den 20 Prozent Weißweinen konzentrieren sich die Mallorquiner auf den autochthonen Prensal Blanc, die Katalanen Parellada und Macabeo sowie auf Moscatel und Chardonnay.

Klangvolle Weine wie "Cuvée Anima Negra AN/2 Imperial", "4kilos 12Volts" oder "Sio 300, Bodegas Hereus de Ribas" haben den mallorquinischen Weinen Anerkennung auch bei internationalen Kritikern eingebracht. Zur Qualitätssicherung hat die Inselregierung die Auflagen für den Weinanbau streng reglementiert.

Die morgendliche Kühle an den Hängen und zu Füßen der Tramuntana-Berge, heiße trockene Sommer, salzige immerwährende Winde vom Meer und die kalkigen Böden des Jura mit ihrer eisenhaltigen Tonauflage lassen in den Weingärten kräftige, aromatische Weine reifen. 

"In Vino Recreatio"

Mitten in diesen Weingärten liegen heute die schönsten Fincas, neugebaut oder renoviert. Besucher schätzen diese Ruhe-Oasen, um besonders auch in den Übergangsjahreszeiten genussvoll zu entspannen und die sich ganz bequem online von zu Hause über Portale wie fincas4you buchen lassen.

Gerade im Frühjahr, wenn bis in den März die Mandelblüte die saftig grüne Insel in einen magischen weißen Schleier hüllt, lohnt es sich, den Bodegas fernab des Massentourismus' einen Besuch abzustatten. Die Straßen quer über die Insel sind perfekt ausgebaut und anders als in den Sommermonaten ist man, dank mäßiger Verkehrsdichte, schnell von einem Ende der Insel zum anderen gefahren.

Neu angelegte, breite Radwege verführen dazu, auch mal den Zündschlüssel liegen zu lassen und in die Pedale zu treten, um ans Ziel zu gelangen. Die uralten Eselswege, die die kleinen Dörfer verbinden, laden zu ausgedehnten Trekking-Touren ein.

Wer sich einem Wanderführer anvertraut, kann wirklich noch das unberührte Mallorca mit seinen Kleinoden finden.

Endlich beim Weingut der Wahl angekommen, bieten viele der Kellereien Verkostungen an, begleitet von Spezialitäten wie Jamon, "Semi Curat" oder Sobrassada.

Weinrouten führen von Inka, dem Herzen des Anbaugebietes, zu den wichtigsten Keltereien, die mittlerweile sogar der amerikanische Kritikerpapst Parker, wenn auch handverlesen, so doch mit Höchstwertungen lobt.

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