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Ungarn Reise
Wein und Wellen am Plattensee

So schön ist Budapest
So schön ist Budapest FOTO: shutterstock/ anderm
Budapest. Balatonfüred ist einer der traditionsreichsten Kurorte Ungarns. Hier schmeckt der lokale Wein wesentlich besser als das saure Heilwasser der Kossuth-Quelle. Von Stephanie Saueressig

Umgeben von grünen Hügeln liegt die Kleinstadt Balatonfüred am Nordufer des Plattensees. Während im Süden Discokugeln leuchten und der Bass die Körper der Feierwütigen durchströmt, ist es hier nicht still, aber anders. Das nördliche Seeufer funkelt. Kleine Holzbuden reihen sich Seite an Seite auf der Tagore-Promenade aneinander. Es ist August und Weinfest in Balatonfüred. Hunderte von Besuchern tummeln sich auf der Promenade, ziehen von Häuschen zu Häuschen und tauchen ein in die ungarische Welt des Weins.

Nicht nur unter ausländischen Touristen, auch unter Ungarn ist das Fest beliebt. Georg Dömötör aus Debrecen und seine Frau kommen seit 20 Jahren jedes Jahr her. "Die Südseite ist ein Partyort, wo junge Leute feiern. Hier ist es ruhiger und eleganter - das lieben wir", erzählt der 87-Jährige. Sie genießen die Atmosphäre, die Gespräche mit Winzern und Gästen und natürlich die große Vielfalt der Weine.

In Ungarn betört der Wein nicht nur die Geschmacks-knospen und den Geist - um die Reben ranken sich auch etliche Mythen: Der Lämmerschwanz zum Beispiel sei "der Wein der Hochzeitsnächte", sagt Weinbauer Krisztián Gyukli. Warum? "Wenn Braut und Bräutigam ihn trinken, bekommen sie zu 100 Prozent einen Bub", sagt er lachend. Das "Hungarikum", also das ungarische Unikum unter den Weinen, sei im 17. Jahrhundert besonders bei spanischen und französischen Königen gefragt gewesen. Der Winzer wohnt seit acht Jahren in Freiburg, möchte aber unbedingt zurück. "Denn das", sagt er und zeigt auf den See "ist ein Argument. Das ist Leidenschaft."

Das Städtchen hat schon vor 300 Jahren Menschen angelockt. "Als wir hier schon Tourismus hatten, war das Südufer noch Sumpfgebiet", sagt Julianna Gaál. Die Einheimische hat Tourismus und Englisch in Budapest studiert. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Haus, zwei Minuten vom Strand entfernt. Nach dem Studium ist sie zurückgekommen. "Es ist ein wunderschöner Ort mit den Hügeln und dem See."

An diesen Ort strömen seit dem 18. Jahrhundert Menschen aus allen Winkeln der Welt, um das berühmte Füreder Sauerwasser zu kosten oder darin zu baden. Das renommierte Herzkrankenhaus hat nach eigenen Angaben mithilfe des Heilwassers schon viele Politiker, Dichter, und Wissenschaftler geheilt. Unter ihnen auch der Namensgeber der Promenade: Rabindranath Tagore. Der indische Dichter und Nobelpreisträger fand hier im Herbst 1926 seine Genesung. 1971 wurde Balatonfüred die erste Kurstadt Ungarns. "Das Heilwasser schmeckt extrem sauer, aber es macht gesund", sagt Gaál. Auf dem Platz vor dem Krankenhaus steht eine im Jahr 1800 erbaute kleine Halle mit Säulen. In ihrer Mitte verbirgt sich die Kossuth-Quelle. Das saure Heilwasser kann hier von jedem, der vorbeikommt probiert werden.

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Im 19. Jahrhundert war die Stadt ein beliebter und wichtiger Treffpunkt für Politiker und Künstler. "Das hat das Stadtbild bis heute geprägt", sagt Gaál. Wer durch den kleinen Stadtwald spaziert, trifft auf die Säulen eines ehemaligen Theaters. Der Dichter und Dramatiker, Sándor Kisfaludy, sammelte so lange Spenden von Abtei und Volk, bis es ihm 1831 gelang, in einem Steingebäude, das erste ungarisch-sprachige Theater Transdanubiens zu errichten. Zu einer Zeit, als Deutsch in Ungarn noch Amtssprache war.

"Ein Muss ist der Besuch der Villa Vaszary", sagt Julianna Gaál. Seit ihrer Restaurierung in 2010 gilt die Villa Vaszary als eine wahre Kulturoase. Ausstellungen der bildenden Kunst, von teils internationalem Rang, werden begleitet von Konzerten, Literaturaufführungen und Vorträgen.

Am "Ungarischen Meer" wehen milde Kontinentalbrisen, und die Sonne scheint rund 2000 Stunden pro Jahr. Wer nicht nur am Strand liegen und baden möchte, findet viele Möglichkeiten in und außerhalb des Wassers aktiv zu werden. Richtiger Luxus für Bootsbesitzer ist der neue Jachthafen.

"Die meisten Touristen verlassen die Altstadt nicht", sagt Gaál. Dabei ist die hügelige Landschaft des Balatoner Oberlandes atemberaubend. Malerische Wasserläufe schlängeln sich durch das Koloska-Tal. Hier grillen die Einheimischen oder gehen wandern. Hoch oben auf dem Tamás Berg liegt ein bekannter Aussichtspunkt: der Jókai Turm. Entlang der Hügel geht es querfeldein, die Trampelpfade hoch. "Wir sind schon als Kinder hier hoch gekommen, haben gespielt und den weiten Blick über den Balaton genossen", erinnert sich Gaál.

Mitten in den Hügeln liegt das Gasthaus "Koczor Pincészet". Der Wirt und Weinbauer Kálmán Koczor ist ein Paradebeispiel ungarischer Gastfreundschaft: "Er spürt was die Gäste brauchen", sagt Gaál. "Es reicht nicht, nur gutes Essen und Wein anzubieten, die Atmosphäre ist genauso wichtig.", sagt Koczor. Zehn bis elf Weinsorten baut er an, die er auch bei Weinproben anbietet. Im Restaurant gibt es ungarische Kost, und im anliegenden Gästehaus finden sich elf Zimmer, die den Namen der Rebsorten tragen.

Bevor die Reise zu Ende geht, müssen die Besucher die Stiefel des Fischers und des Fährmanns berühren, erklärt Julianna Gaál. Die zwei Statuen stehen am Anfang der Promenade und laut einer Legende kehrt der, der die Stiefel berührt, wieder nach Balatonfüred zurück.

Information Ungarisches Tourismusamt, Vertretung Deutschland und Schweiz, Wilhelmstraße 61, 10117 Berlin, Tel. 030 243 14 60, www.gotohungary.com

Quelle: RP
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